Review

"Pathology" ist die Antwort auf unseren deutschen Horror-Thriller "Anatomie", mit dem Unterschied, dass er dort weiter macht, wo sein Vorbild aufhört.

Der Film beginnt mit der Einblendung des hippokratischen Eids um uns anschließend eine kleine Gruppe von karrieresüchtigen und arroganten Jungmedizinern vorzustellen, die in der Pathologie eines Krankenhauses in Philadelphia arbeitet.
 
Schon die ersten Szenen zeigen, dass die Clique rund um Dr. Gallo weder Skrupel hat, noch Respekt vor dem Leben und schon gar nicht vor dem Tod. Da werden während der Autopsien abfällige Bemerkungen und derbe Späße gemacht und Kollegen, die sich ihrem Arbeitsstil nicht anpassen, gnadenlos gemobbt.

Nach Feierabend jedoch zeigt sich das ganze Ausmaß ihrer Verkommenheit, wenn die Pathologie als Schauplatz ihrer Drogen- und Alkoholexzesse dient und auf dem Seziertisch neben Toten hemmungsloser Sex praktiziert wird.

Zusätzlicher Kick verleiht dabei noch ein teuflisches Spiel: Sie bringen so lange Menschen um, bis jemand den perfekten, nicht nachweisbaren Mord "aufgetischt" hat.

In diesen finsteren Kreis tritt der junge und anständige Mediziner Ted Grey, der sehr schnell in den Bann seiner Kollegen gerät und  den Versuchungen von Drogen und Sex bald nicht mehr widerstehen kann...

Die Handlung sagt alles:
"Pathology" ist ein blutiger, krasser Thriller, der mit schockierenden Szenen provozieren will, was ungewöhnlich für eine amerikanische Produktion ist. Tabus werden hier reihenweise gebrochen, von Moral und Ethik ist hier bei den von den Autopsien gelangweilten Medizinern nichts mehr zu spüren.

"Pathology" ist einer der Filme, an denen sich die Geister scheiden:
die einen werden ihn für einen harten, provokanten und unterhaltsamen Schocker halten, die anderen - so wie meine Frau - halten ihn für abartig, ekelhaft, krank und eine sinnlose Aneinanderreihung menschenunwürdiger Szenen.

Ich zähle mich zu den einen und spreche daher eine klare Empfehlung für den Film des deutschen Regisseurs Marc Scholermann aus.

"Pathology" ist das Werk einer neuen Ära von "Mad Scientist"- und Medizin-Thrillern, ähnlich wie Michael Crichtons "Coma" aus den 70er Jahren des vergangenen Jahrtausends. Er passt sich dem blutigen Trend moderner Produktionen wie "SAW" oder "Hostel" an, in dem er die Gewaltspirale bis zum Anschlag hochschraubt und Gorefans mit harten Obduktionsszenen und brutalen Tötungen verwöhnt. Das blutige Treiben ist gut fotografiert,  teilweise schnell geschnitten und der Score von Johannes Kobilke passt sehr gut und wechselt sich mit Punkrock ab.

Die schauspielerischen Leistungen der beiden Hauptdarsteller sind angemessen, hauptsächlich besteht der Cast aus vielen bekannten Gesichtern aus erfolgreichen TV-Serien.

"Pathology" ist im Gegensatz zur sterilen Atmosphäre in den Sektionsräumen ein kleiner, schmutziger Hardcore-Thriller für die MTV-Generation. Eine krasse Mischung aus dem bereits erwähnten "Coma" und "American Psycho" mit jeder Menge Sex, Drugs, Rock´n  Roll und einer sehr guten Story, die stimmig ausgearbeitet wurde und auf ein spannendes Finale zusteuert mit einigen überraschenden Wendungen.

Leider kann man nicht von einer durchgehend logischen und straffen Inszenierung sprechen. Ziel ist es, mit dem Thriller zu provozieren und Tabus zu brechen. Doch leider verliert der Film ab der zweiten Hälfte etwas von seiner Intensität, nur um die Grenzen zugunsten blutiger Effekte zu überschreiten:
Indem der  Kopf der Clique, Dr. Gallo, im Drogenrausch drei Prostituierte abschlachtet, verkommt er vom skrupellosen Bösewicht mit teuflischer Intelligenz zum blutrünstigen Psychopathen und verliert dadurch viel von seiner Diabolik.

Ein wichtiger Bestandteil der Handlung ist das Duell der beiden Kontrahenten Dr. Grey und Dr. Gallo, was leider viel zu kurz kommt und vor allem gegen Ende sehr schnell abgehakt wird.

In Sachen Logik und Glaubwürdigkeit ist vor allem zu bemängeln, dass es im gesamten Institut keinen Menschen gibt, der gegen das Verhalten der jungen Mediziner vorgeht. Hier hätte sich die Möglichkeit geboten, den Chefarzt Dr. Morris als Spielverderber in die Handlung einzuführen, um ihn im Rahmen des Mordspiels als unliebsamen Mitwisser über die Klinge springen zu lassen.

Ansonsten bleibt für die Zuschauer, die sich mit den Geschmacklosigkeiten anfreunden können, ein unterhaltsamer Film, der sicherlich für Gesprächsstoff sorgen wird.

7 von 10 Nierenschalen!

Details
Ähnliche Filme