Offensichtlich lernt Hollywood nicht gerade schnell aus kreativen Nullzonen wie Marcus Nispel, denn hie und da gibt Tinseltown doch tatsächlich deutschen Regisseuren so eine Art Bewährungschance, indem man diesen Jungs einen kleinen Film anvertraut, so auch dem armen Marc Schölermann, der jetzt das horrible Schaustück „Pathology“ zusammenkurbeln durfte. Ob nun Glückwünsche oder lautes Wehklagen angebracht sind, ist natürlich Ansichtssache in punkto Weltgeltung für Germany, auf jeden Fall versäumt man nichts, hat man „Pathology“ versäumt.
Ausgedacht hat sich diesen Käse ausgerechnet das Autorenduo, das uns auch zwei Teile von „Crank“ beschert hat und wenn schon die nicht gerade durch Intellekt glänzten, dann immerhin durch Drive und Dreistheit.
Davon hat dieser Film leider zu wenig oder wenn man es treffender ausdrücken möchte: gar nichts.
„Heroes“-Star Milo Ventimiglia spielt einen kernigen Jungpathologen, der sich seine Sporen in einer Klinik in Philadelphia verdienen soll, unter der Ägide eines Arztes, der verdammt nach „Q“ aus Star Trek TNG ausschaut (es ist tatsächlich John de Lancie). Seine Kollegen bestehen abgesehen von einem netten Loser jedoch aus einer Gruppe ausgemacht eingebildeter Arschlöcher, die sich für die Heilsgestalt des Skalpells halten, ansonsten aber mit der Welt, der Gesellschaft und der Moral einen äußerst zynischen Krieg führen. Ergo spielen sie ein mörderisches Spielchen, indem sie Fremde kreativ meucheln, um sie dann den Kollegen im Rahmen eines Wettbewerbs zur Autopsie vorzulegen, auf daß diese nicht hinter die Todesart kommen. Obwohl sachlich und fachlich straight, mischt unser Ted da schon bald mit, kühl gepolt wie er nun mal ist...
Öhm...tja...zynische Weltsichten gabs seit „Fight Club“ sicher viele, aber so ein substanzloser Aufhänger ist mir schon lange nicht mehr begegnet, denn das nihilistische Tralala, das hier alle Beteiligten absondern, hat nun weder Sinn noch Pointe und schon gar keinen Witz. Aber das soll sowieso alles nur Zeit bringen, denn nebenbei wird (wer hat es noch nicht geahnt), auf dem Autopsietisch gevögelt, gesoffen, Crack geraucht und lesbische Knutschereien gibt’s auch noch. Rassig, nicht wahr?
Das alles wird relativ reizlos aneinander gereiht, weder Gefühl noch Mitleid oder Moral sind im Spiel, stattdessen spielt man mit verwesten Leichen rum, hihi, und bewirft sich mit Organen.
Zugang findet man zu dem Geschehen nicht, denn Ted scheint erst gestärkte Unterhosen zu haben, steigt dann einfach so mal ein, mischt reichlich mit (hilft also beim Morden) und steigt dann irgendwann wieder aus, als seine Verlobte sich als nackte Alyssa Milano entpuppt (und da würde ich sogar aus einer Seilbahn aussteigen). Natürlich geht das nicht so einfach und den Rest kann man sich zusammenreimen – was also heißt, wir haben einen Helden, der sich in ein killendes Arschloch verwandelt und dann anders überlegt und damit rauskommt – da können wir ja in der Nebenrechnung noch addieren, ob das eventuell wenigstens einen geliebten Menschen als Ausgleich kostet... ach lohnt nicht...
Das Ganze soll wohl skandalös und fies wirken, geht dem Zuschauer aber schon verdammt bald nur noch auf den Sack (falls vorhanden), denn das Geseier, was Michael Weston als Oberfiesling absondern muß, macht nicht mal Kindergartengruppen Angst, sondern schläfert langsam ein. Wieso man nun seine unterdrückte Zivilisationsabscheu dadurch kompensieren muß, indem man eine Kollegin auf Crack vögelt oder Fettwänsten Stickstoff verordnet, wird genauso wenig ersichtlich, wie die Frage, warum wir uns um eine der Figuren je kümmern sollten.
Schölermann ist dann zu diesem Tabubruch auch nicht mehr eingefallen, als die Pathologieszenen steril, die „Spiel“szenen in ein düsteres Grau und die Betthäschenbildfolgen mit Alyssa in ein strahlendes Gold einzutauchen, damit es auch der Dümmste kapiert, was recht und richtig ist. Sonst merkt man von Regie leider gar nichts, da hilft auch kein lange vorbereiteter fieser Schluß-Happyend-Gag. Und Schnitt und Tempo sind so behäbig, daß ein gutes Buch beim Genuß echt förderlich ist.
Daß Herr Schölermann auch noch aus Hannover (meiner Heimatstadt) stammt und für „Scooter“ Videos zusammen geschnipselt hat, macht die Sache übrigens noch schmerzhafter, wirklich mörderisch ist aber nur, daß man ein dermaßen dämonisches Sujet so bieder und unaufregend einfangen konnte. Null Emotionen, eine einzige Leiche. (3/10)