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"Willst du nen Gratiskondom?" ... "Nein, ich hab gerade aufgehört mit Sex."

Die 16-jährige Schülerin Juno MacGuff (Ellen Page) ist schwanger. Sie selbst und der Vater, ihr langjähriger bester Freund und Klassenkamerad Paulie Bleeker (Michael Cera) entscheiden sich aber gegen das Kind, wodurch Juno eine Abtreibungsklinik aufsucht. Diese wirkt aber so abschreckend, dass sie beschließt das Kind auszutragen und zur Adoption freizugeben. Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Leah (Olivia Thirlby) wird erstmal die Hürde der Beichte gegenüber ihrem Vater Mac (J. K. Simmons) und ihrer Stiefmutter Bren MacGuff (Allison Janney), die die Situation relativ gelassen hinnehmen, genommen. Gemeinsam ist schnell ein potentielles Paar zur Adoption gefunden. Vanessa (Jennifer Garner) und Mark Loring (Jason Bateman) scheinen optimale Adoptionseltern abzugeben. Doch ganz so ungetrübt ist deren Verhältnis nicht.

"Juno" ist eine beschwingte und in sich selbst verliebte Komödie, welche ihre dramatischen Ansätze direkt im Keim erstickt und beinahe durchgehend eine heile Welt aus einer nicht ganz so einfachen Situation heraus zeigt. Die heitere Grundstimmung wird durch seinen Country-Musik orientierten Soundtrack unterstrichen.
Relativ offen und humorvoll geht man hier mit den Themen Sexualität, Verhütung sowie Abtreibung um, was kontrovers zu dem prüden, amerikanischen Umgang mit diesen ist. Dennoch bleibt der Stil des Films typisch amerikanisch. So wird man immer wieder auf Anspielungen amerikanischer Lebensverhältnisse, Beziehungen und absurden Humor treffen.

Mögen viele gerade den lässigen Umgang mit dem Thema Schwangerschaft bei Minderjährigen und dessen Verdeutlichung durch die titelgebende Juno zu Gute halten, wird insbesondere durch diese Figur parallel ein nicht ganz so seriöser Eindruck aufgebaut. Denn ausgerechnet diese so kindliche, süße sowie intelligente Figur wirft mit scharfzüngigen, sexistischen Bemerkungen nur so um sich, zieht unmögliche Vergleiche und wirkt teilweise sogar äußerst unsensibel gegenüber anderen Personen. Aber über so etwas sieht das unbedarfte Publikum sicher einfach hinweg oder ist durch eigene Erfahrung bereits entsprechend abgehärtet.
Allgemein wirken die Charaktere viel zu aufsässig wodurch die Sympathie zu diesen immer wieder blockiert wird.

Die scheinbar komplexen Figuren geben sich allzu gekünstelte Dialoge mit Worten die man ihnen in den Mund gelegt hat, was zwar intelligent wirkt, aber eben auch genau nur das.
Trotz massig Zeit im mittleren Teil der Handlung fallen tragende Charaktere immer wieder in den Hintergrund. Das Low Cost Familiendrama entwickelt sich durch, zugegeben charmante, Witzeleien nicht weiter. Erst gegen Ende bildet sich eine emotionale Einfühlsamkeit, die schon viel früher zu erwarten wäre. Dummerweise werden ein paar Handlungsstränge dann noch nicht einmal zu Ende erzählt.

Zumindest bei der Schauspielerwahl hat man sich keine Blöße gegeben.
Allen voran wird Juno durch eine grandiose Ellen Page verkörpert, die allerdings bei "An American Crime" oder "Hard Candy" mehr Engagement zeigte. Michael Cera spielt den schüchternen Paulie Bleeker glaubwürdig. Die beiden Erwachsenenpaare sind durch Jennifer Garner ("Alias", "Daredevil"), Jason Bateman, J.K. Simmons (Spiderman 1 - 3) sowie Allison Janney passend getroffen. Und auch diverse Nebenrollen fügen sich nahtlos ein.

Regisseur Jason Reitman präsentierte mit "Thank you for smoking" bereits eine wahrhaft bissige Satire und kann mit der leichtfertigen und nichtssagenden Komödie "Juno" in keinster Weise punkten. Zu langatmig und paradox, gar übertrieben aufgezwungen präsentiert sich seine, meinerseits unverständliche, oscarnominierte Vorstellung.

3 / 10

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