Review

Das Filmgenre der Parodie erschöpft sich in einem Großteil der Produktionen darin, nur immer wieder Kalauer und mehr oder minder geschmackssichere Witze aneinander zu reihen, um zu hoffen, dass dabei das Minimum an Handlung nicht auffällt. Durchaus ironisches Spiel mit den Klischees und Konventionen des Adressaten der Parodie wechselt sich mit platten Vulgärhumor ab, wobei letzterer stets Überhand gewinnt, schaut man sich die in letzter Zeit ins Kino gehievten Produktionen der Movie-Reihe an (Scary Movie, Date Movie, Fantastic Movie etc.).

Wer glaubt, dass dieses Genre abseits von so köstlichen Vertretern wie der Filme von Mel Brooks (Die verrückte Geschichte der Welt, Spaceballs) oder des ZAZ-Trios (Jerry Zucker, Jim Abrahams und David Zucker - Hot Shots - Die Mutter aller Filme, Die nackte Kanone- oder Airplane-Reihe) nichts zu bieten hat, wird nun mit Walk Hard - Die Dewey Cox Story eines besseren belehrt. Mit einem Film, der sich daran macht, das Leben eines fiktiven Rockstars genüsslich durch den Kakao zu ziehen. Fernab von This is Spinal Tap, Rob Reiners Pseuso-Doku aus dem Jahre 1984 über eine nicht existente Hardrock-Band im Stile von Manowar oder Kiss, knöpft sich Walk Hard - Die Dewey Cox Story dabei jedoch vornehmlich Bob Dylan und Johnny Cash vor.

Der Film beginnt dabei mit (und besteht aus) einer großen Rückblende. Vor einer Preisverleihung für sein Lebenswerk, einem Bühnenauftritt nach sehr langer kreativer Pause, erinnert sich der über 60-Jährige Dewey Cox (John C. Reilly) an sein Leben. Im Grundschulalter halbierte er seinen Bruder Nate beim Spielen mit einer Machete, woraufhin ihn sein Vater verstieß und immer wieder „Der falsche Sohn ist tot" vor sich hinmurmelt. Im Alter von 14 Jahren (ab dieser Alterstufe wird Dewey von Reilly gespielt) gewinnt er an einen Talentwettbewerb der Schule und begibt sich zusammen mit seiner immer wieder schwangeren Freundin Edith (Kristen Wiig) in einen größere Stadt, um als Reinigungskraft in einem Nachtclub Geld für seine stets größer werdende Familie heranzuschaffen. Eines Tages, als der Sänger ausfällt, übernimmt Dewey seinen Part bei der schwarzen (!) Bluesband vor schwarzem Publikum. Es folgt ein kometenhafter Aufstieg in den 60er Jahren mit Deweys Single „Walk Hard" und er lernt Darlene (Jenny Fischer), eine gläubige, aber notgeile Christin kennen. Es folgen Drogenexzesse in den 70ern, ein Scheidungskrieg und auch der große Absturz...

Dass Judd Apatow, Drehbuchautor und Regisseur der Komödien Jungfrau (40), männlich, sucht... und Beim ersten Mal hier am Skript mitschrieb, ist dem Film deutlich anzumerken. Walk Hard (der Titel erinnert nicht zufällig entfernt an einen berühmten Song von Johnny Cash, welcher auch dessen Filmbiografie mit Joaquin Phoenix vor ein paar Jahren betitelte) strotzt nur so vor witzigen Seitenhieben auf die Klischees des Lebens eines Rockstars. Deweys erste Freundin Edith zum Beispiel scheint Babys im Minutentakt zu bekommen und wird von der erwachsenen Kristen Wiig schon als 12-Jährige gespielt. Ein absurd komischer Griff in die Trash-Kiste. Das Ableben von Deweys Bruder Nate per Durchtrennung mit einer Machete wird so lakonisch trocken kommentiert und verharmlosend inszeniert, dass man zwangsläufig einen Lachanfall bekommen muss. Deweys erster Kontakt mit Drogen fällt auch eher unkonventionell aus: Er erwischt einen Band-Kollegen beim Kiffen im Bad, worauf dieser sinngemäß sagt „Probier das ja nicht, es macht bloß gute Gefühle und hat keine Nebenwirkungen" - eine Szenerie und ein Satz, die sich später bei Kokain, LSD und Viagra in ähnlicher Weise wiederholen werden.

Die Liste an witzigen Einfällen könnte man hier seitenlang weiterführen, so quillt der Film vor diesen über. Herauszuheben sind noch Deweys Desinteresse, Vater zu sein (er kommentiert zum Sorgerechtsstreit um seine Kinder trocken, dass man auch das Recht haben sollte, sich nicht um seine Bälger kümmern zu müssen, wenn man nicht will) und seine Vorliebe für Tiere - so lässt er sich für einen Auftritt einmal nicht mit Geld, sondern einer Giraffe (!) entlohnen. Das absolute Highlight jedoch ist sein Treffen mit den Beatles in Indien, welchem ein LSD-Trip in der Optik des Videos zu „Yellow Submarine" folgt. John Lennon und Paul McCartney - gespielt von Tenacious D-Rocker Jack Black! Selten habe ich bei einer Gastrolle so losprusten müssen! - verkloppen sich erst einmal, nachdem sie sich in miesem englischen Akzent verbal um die Hierarchie in ihrer Band gekabbelt haben. Köstlich!

Allerdings - das war jedoch nicht wirklich anders zu erwarten - weißt Walk Hard inhaltlich so einige Schwächen auf. Die Story besteht in einem Abhaken fiktiver Punkte einer bewegten Rocker-Biografie und der Film zieht neben den witzigen und weitgehend gelungenen und geschmackssicheren Gags (besonders eine Szene mit nackten Leuten bei einem Drogengelage, als Deweys Frau anruft, ist diesbezüglich grenzwertig) seine Energie aus den Anspielungen auf die Legenden des Folk oder Rock sowie das Musik-Business als solches. Kommt die ziemlich hoch frequentierte Gagparade dann mal zur Ruhe, offenbaren sich die offensichtlichen Löcher im Plot. Die Darsteller abseits des mit einer seltsamen Debilität agierenden John C. Reilly, der endlich einmal eine Hauptrolle ergattern konnte, bleiben auch eher blass. Das sind aber Dinge, die insgesamt den durchaus anarchischen und somit erfrischenden Gesamteindruck von Walk Hard nur geringfügig schmälern.

Der Musikanteil des Films ist relativ hoch und so kommen auch Fans auf ihre Kosten. Was O Brother, Where Art Thou? für Bluegrass war, ist Walk Hard für Folkrock. Schade nur, dass man sich in Sachen inhaltlicher Tiefe leider nicht etwas von den Coen-Brüdern abgeschaut hat. So bleibt am Ende ein sehr großer, aber auch etwas gehaltloser Spaß, über den man noch lange nach Kinobesuch weiterlachen kann (7/10).

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