Review

Laugh the Line


Schon klar, Humor ist subjektiv und Subjektivität ist erst recht im Zeitalter des World Wide Webs vielseitig, quasi unendlich. Und dennoch verstehe ich nicht, wie „Walk Hard“ derart untergehen konnte und noch immer nur maximal ein Geheimtipp ist. Vielleicht ist er kein „This Is Spinal Tap!“, aber mit einem „The Mighty Wind“ kann er es locker aufnehmen. Natürlich ist der Humor ein anderer, sehr viel flacher und grober, aber für Fans von „Anchorman“ oder „Stepbrothers“ ist das hier eine liebevolle Ohrfeige für immergleiche, formelhafte Musikbiopics ala „Walk The Line“, „Bohemian Rhapsody“ oder „What's Love Got To Do With It“ und gleichzeitig ein Gagfeuerwerk sondergleichen. Noch dazu mit Herz und meiner Meinung nach nie wirklich fies oder bösartig. „Walk Hard: The Dewey Cox Story“ ist auf Anhieb eine meiner Lieblingskomödien vom Team um Judd Apatow und zum Schreien bescheuert. In seinen besten Momenten erinnert das an klassische Zucker-Hits ala „The Naked Gun“ oder „Top Secret“ - und das will was heißen. Ganz nach Schema F (wie faul und verlässlich) der großen, oscarprämierten Musikbiographien folgen wir Dewey Cox, einem Rock-Superstar über Jahrzehnte, in einer langen Rückblende von seiner Kindheit bis zum Lifetime Achievement Award. Dazwischen liegen nur ein paar halbierte Familienmitglieder und ein paar dutzend Kinder und Enkelkinder, Ehen und Affären, Meisterwerke und Flops, Drogeneskapen und Sexorgien...

„Walk Hard“ zieht sein Ding klassisch durch - Grundidee clever, Gags flach wie ein A-Körbchen. Aber dafür im 5-Sekundentakt. Nicht alle treffen - aber genug. Da ist ein Lachrausch nicht ausgeschlossen. Erst recht mit Kumpels und Bier. John C. Reilly beweist ein für allemal, dass er weit mehr als nur die zweite Geige spielen kann (und singen auch noch!), die Songs sind grandios witzige Ohrwürmer und das Leben eines Rockstars wurde selten derart zerlegt, seziert und am Ende sogar wieder fast zusammengebaut und gewürdigt. Dewey Cox ist einer der Großen und daran hat man spätestens beim Abspann keine Zweifel mehr. Man ertappt sich sogar beim Gedanken, dass es doch schade ist, dass es diesen Typen nicht in echt gibt. Die Szene mit den Beatles, etliche Insider und Running Gags (Waschbecken, Drogeneinstiege...), unendlich Zitierbares („The wrong kid died...“) und mehr Comedyschwergewichte und echte Musikstars als man aufzählen kann - „Walk Hard“ hat sich erstaunlich gut gehalten und setzt seinen Helden (und somit indirekt auch Johnny Cash und Co.) nie komplett der Lächerlichkeit preis. Ein Humorjuwel, das endlich die längst überfällige Anerkennung finden sollte. 

Fazit: danach sieht man Musikbiopics wie „Ray“ wohl nie mehr mit denselben Augen. Ohne sie zu ehrwürdigen oder ihnen Daseinsberechtigung abzusprechen. Einer der lustigsten Filme seines Jahrzehnts, John C. Reilly in Topform, Kalauer wie einst bei „Airplane“ und zudem die Creme de la Creme der amerikanischen Comedybranche in Nebenrollen - Dewey Cox ist und bleibt Legende! 

Details
Ähnliche Filme