Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen die Toten auf die Erde zurück!
Zombiefilme sind mittlerweile eines der populärsten Subgenres des Horrorfilms. Das hat weniger mit ihrer (durchaus vorhandenen) Qualität zu tun, sondern vielmehr damit, dass diese im Splatter-Zeitalter entstandene Unterart mit Brutalitäten nie gegeizt hat, so dass man sogar die Entwicklung der Gewalttätigkeit im modernen Horrorkino am Zombiefilm ablesen kann.
1978 schuf George A. Romero mit "Zombie" (Originaltitel: "Dawn of the Dead"), die Fortsetzung zu seinem eigenen schwarz/weiß Klassiker "Die Nacht der Lebenden Toten" ("Night of the Living Dead", 1968), den besten Zombiefilm aller Zeiten. Denn bei "Zombie" ist das Gestrüpp an voneinander abweichenden Versionen noch undurchsichtiger, auf der einen Seite weil es eine ganze Reihe unterschiedlicher Fassungen gibt und ich mich deshalb der weltweit längsten Fassung (156 Minuten) dieses Kultstreifens orientiere, die sämtliche Szenen aus dem Romero-Cut und Argento-Cut beinhaltet.
Kurz zur Story: Eine unbekannte Seuche ist auf der ganzen Welt ausgebrochen. Denn wie auf ein geheimnisvolles Kommando erwachen die Toten, steigen aus ihren Gräbern und begeben sich auf die Suche nach den Lebenden, deren Fleisch sie für ihre Existenz brauchen. Ganze Landstriche sind schon entvölkert, immer mehr Opfer werden selbst zu Zombies – die Zivilisation scheint im Chaos unterzugehen. Eine Gruppe Überlebender, die Polizisten Roger (Scott H. Reiniger) und Peter (Ken Foree) und dessen Freunde Stephen (David Emge) und Francine (Gaylen Ross) gelingt es in einem von ihnen geklauten Hubschrauber die Flucht vor den mörderischen Kreaturen, die nur durch einen Schuss ins Gehirn zu stoppen sind. Ausgestattet mit Waffen und Nahrung schaffen die vier es, ein riesiges, in sich abgeriegeltes Einkaufszentrum von den Zombies zu säubern und es vor dem Ansturm der lebenden Toten abzuschotten. Aber die vermeintliche Sicherheit wehrt nicht lange und sie stellen sich dem scheinbar aussichtslosen Kampf gegen die Untoten.
Man muss schon von vornherein sagen, das es diese übertriebene Härte ist die "Zombie" schnell einen Ehrenplatz in der Geschichte des Splatterfilms gesichert hat. In erster Linie ist der Film ein konsequent zu Ende gedachtes Horrormärchen, dessen wirklichkeitsbezogene Bezüge eher symbolischen Charakter haben, als dass man diese Verhältnisse plump auf tatsächliche Entwicklungen übertragen könnte. Regisseur George A. Romero stellt hier sozusagen eine abwegige, phantastische Hypothese auf. Und so stellt man sich die Frage: Was wäre, wenn die Toten sich wieder in Bewegung setzen würden, völlig ohne Sinn und Verstand, sondern nur von der Gier nach frischem Menschenfleisch getrieben? Ich denke mal das Romeros Idee darin besteht, dass er diese absurde Ausgangsposition mit aller Konsequenz zu Ende denkt und durch eine logische Ausarbeitung einen beklemmenden Alptraum kreiert, der im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht.
"Zombie" ist die konsequente Weiterführung der Thematik die schon "Die Nacht der Lebenden Toten" beherrschte. Denn es gibt keine Erklärungen und keine exotischen Schauplätze. Wie die Gewalt der Zombies über die Protagonisten, so bricht die Geschichte urplötzlich über die Zuschauer herein und zieht sie mit atemberaubender Geschwindigkeit und rasanten Schnittfolgen in ein Inferno ohne Ende. Der Zuschauer weiß nicht, warum die Toten gerade jetzt auferstehen, denn man sieht sich das an und ist eigentlich nur fassbar mit den Begriffen Angst und Gewalt. Der Film zeigt, wie die Menschen zur undifferenzierten Anwendung von Gewalt gebracht werden. Zudem entwickeln sich die vier Hauptakteure, die anfangs noch voller Ekel und Angst sind, im Verlauf der Handlung zu gnadenlosen Jägern, deren Töten zu einer Art Sport wird, der über den Überlebenskampf hinaus geht.
Fazit: Regisseur George A. Romero ("Day of the Dead") schuf mit "Zombie" zweifellos den absoluten Höhepunkt des Genres und deshalb gilt dieser Streifen zurecht als moderner Klassiker des Horrorfilms. Denn der Film besticht durch seine extremen Splattereffekte, die Romero dramaturgisch geschickt einsetzt und nie selbstzweckhaft verwendete. Ja, so ist dieses Meisterwerk ein Höhepunkt der Untoten-Thematik, eine apokalyptische Horrorvision mit filmischen Qualitäten im höchsten Maße. Ein großartiger Kultfilm!