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"Dawn of the Dead" ist der buchstäbliche Tagesanbruch nach der verheerenden "Nacht der lebenden Toten". Ohne lange Umschweife geraten wir direkt in das apokalyptisch anmutende Geschehen. Romero verzichtet auf Erklärungen, auf irgendwelche narrative Etablierung der Konfliktsituation, sondern zeigt uns in den ersten Minuten des Films eine Talkshow, in der faktische Daten zu dem Problem besprochen werden: Lebende Tote wandeln auf der Erde, und fressen die Großstädte leer.

Schon 1968 war das scheinbar triviale und trashige Thema gut für einen Klassiker des modernen Horrorfilms. Das Romero-Debüt "Nacht der lebenden Toten" setzte auf expressionistische Optik, halluzinatorische Kamerafahrten - ganz wie ein nächtlicher Alptraum, den man nur zur Hälfte wahrnimmt, "Dawn" hingegen ist der glasklare, unverschwommene Abbild einer möglichen Apokalypse. Zehn Jahre später dreht Romero den "Tagesanbruch der lebenden Toten". 1978 war die Welt für diesen Film endlich bereit. Zwar als Teil einer "Zombie"-Trilogie konzipiert, nimmt "Dawn of the Dead" eher nur die Motive aus dem Erstling auf, und erzählt seine ganz eigene Geschichte, ohne in Fortsetzungs-Klischees zu geraten.

Romero erzählt die Geschichte von einer Epedemie, die sich über das Land ausbreitet. Wie vor einer grauenhaften Krankheit fliehen die Protagonisten aus "Dawn": Der Wetterreporter Stephen Andrews, seine schwangere Freundin Francine Parker, und die SWAT-Cops Peter Washington und Roger DeMarco wollen mit einem gestohlenen Helikopter in eine bessere Welt fliehen. Sie fliegen über verwüstete Felder, und überall sieht man die umherwandelnden Untoten. Ihre Reise scheint beendet zu sein, als sie ein verlassenes Einkaufszentrum entdecken. Haben sie es erst von dem Zombies gesäubert, würden sie zwar abgeschnitten von der Außenwelt, aber immerhin sicher und im Luxus leben. Aus fremden Flüchtlingen werden Freunde und Kameraden. Das Zusammenleben in der Isolation schweißt die Truppe zusammen.

Aus dieser Situation werkelt George Romero eine passende, wie interessante Allegorie auf die Konsumgesellschaft Ende der Siebzieger Jahre. Der Umkehrschluß Romeros liegt im Showdown wieder offen da: Die hirnlosen Untoten sind das kleinere Problem. Die hemmungslos werdenden Menschen, die einer solchen Extremsituation nicht standhalten können, sind die wahre Bedrohung. Anarchistische Rocker stürmen das Kaufhaus, metzeln ein paar Untote nieder. Sie würden gern den Reichtum, den das Einkaufszentrum bietet für sich haben. Neid und Gier treiben sowohl die Rocker, als auch unsere Helden letzten Endes wieder zurück in das Verderben. Wer diese sarkastische Sozialkritik nicht erkennt, und nur die derben Splatter-Effekte sieht, dem kann nicht geholfen werden. Romeros Intention ist so offensichtlich, wie logisch.

Was nicht heißen soll, "Dawn of the Dead" wäre ein kompliziertes Endzeitdrama, die Optik zielt in eine ganz andere Richtung. Romero wählte ein comic-haftes, weniger verflochtenes Äußere für seinen Film. Es scheint streckenweise wirklich so, als hätte Romero einen gekästelten Comic zur Vorlage gehabt, um seine bunte, abweschslungsreiche Vision zu verwirklichen. Aber sei die visuelle Seite oft noch so verspielt, "Dawn" bleibt ein düsterer Film. Szenen, wie die Mutation Rogers, oder die Tennisball-Szene sind durchkomponiert und haben ganz einfach überwältigende Bilder zu bieten. Die LKW-Szene ist dann durchchoreographierte Action, bei der jeder Milimeter Film perfekt durchdacht scheint. Das Gegenteil dazu nun wieder das wilde Finale, bei dem die Crew völlig außer Kontrolle geraten zu sein scheint. Insgesamt ist Romeros Regie sehr suggestiv. Der Zuschauer wird eindeutig durch den virtuosen Schnitt, und die absolut brillant eingesetzte, wuchtige Musik von der italienischen Rockgruppe "Goblin" irritiert. Teilweise sieht sich der Zuschauer fassungslos nach Orientierung in dem epischen Werk betteln. Romeros Stil ist wirklich polarisierend, verfehlt seine Wirkung aber nie.

Nichtsdestotrotz ist "Dawn of the Dead" aber auch eine Splattergranate, ein epischer Horror, der auch mit entsprechenden Effekten aufwartet. Gerade aufgrund dieser harten, Tabu-brechenden Spezialeffekte besitzt "Dawn of the Dead" seinen bösen, schmuddligen Ruf. Dass Romero aber durch den gezielten Einsatz seiner Blutorgien den größten filmischen Kulturschock gebastelt hat, vergessen die meisten. Die apokalyptischen Schocks aus "Dawn" haben nichts mit den billigen Nachahmern, zumeist aus Italien, zu tun, die die Effekte variieren, und letzten Endes nur noch versuchen eine Geschichte um ihre Effekte zu basteln, anstatt diese zu benutzen um die Story nur zu intensivieren. So kann man "Dawn of the Dead" vorwerfen, er hätte die große Splatterwelle der 80er verursacht - leugnen kann man es nicht. Ohne Romeros Zombie-Spektakel wären die meisten Gorefilme der 80er nicht möglich gewesen.

"Dawn" ist definitiv ein Lowbudgetfilm, der aber durch übergroße Werbekampanien und Merchandising zu einem enormen Erfolg wurde. Die weltweite Vermarktung war aber eher porblembehaftet. Aufgrund der italienischen Geldgeber, war Horrorfilmer Dario Argento ("Suspiria") für die europäische Schnittfassung des Werkes zuständig. Der sogenannte Eurocut ist die bei uns erhältliche und synchronisierte Fassung. Dies is der etwas heitere Cut, mit dem extrem comic-haften Look, während Romeros Director's Cut mit etwas einfallsloser Musik eher unheilvoll und teilweise sogar atmosphärischer ist. Über den in deutschen Landen erhältlichen "Ultimate Final Cut", in dem einfach beide Schnittfassungen zusammengewurstet wurden, möchte ich gar nicht sprechen. Aber genau diese Fassung ist exemplarisch für Unvermögen bei deutschen Amateurfilmern, ein Gefühl für rhythmische Schnitte und Filmverständnis an den Tag zu legen.

"Dawn of the Dead" ist der Zombie-Film schlechthin. Klasse, wenn auch unbekannte Darsteller, böse, endzeitliche Stimmung, eine auf den zweiten Blick vielschichtige Story, und einfach eine überwältigend abwechslungsreiche und innovative Optik. "When there's no more room in Hell, the Dead will walk the earth" - Und wie!

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