Eigentlich sollte jedem der originale DAWN OF THE DEAD bekannt sein, schuf George A. Romero mit diesem Film nämlich einen Grundstein und einen Wegbereiter für das Zombiegenre, der viele etliche Kopien und Neuinterpretationen nach sich brachte. Doch auch 1968 war es Romero, der diesem Genre neue Impulse verlieh, charakterisierte er die Zombies erstmals als kannibalenähnliche Geschöpfe, die rein instinktiv handelten. Mit NIGHT OF THE LIVING DEAD kreirte Romero einen Film, der neben seiner Zombiethematik auch harsche Sozialkritik aufwies und den bedeutenden Rassenkonflikt in seinem Film gut umsetzte. Ähnlich tiefgründig und dramatisch sollte es auch in seinem Zombie 1: Dawn of the dead hergehen.
Auf der Erde bricht ein Virus aus, dass alle Tote zu instinktivgesteuerten Monstern werden lässt, die völlig triebgesteuert nach den Lebenden geifern. Nur eine 4 Mann starke Gruppe, weiss sich diesem Unterfangen zu erwehren und verbarrikadieren sich in einem Kaufhaus. Obwohl sie wissen, dass das pure Überleben unnötig ist, da sie völlig verkapselt und isoliert um ihr Leben kämpfen, versuchen sie sich ihren Kampf so komfortabel wie möglich zu gestalten. Dass, es dabei viele Opfer geben wird, wissen sie selbst und fortan versuchen sie die Zombiemassen zu bewältigen und sich ein neues Leben aufzubauen.
Milde gesagt, ist die Story eher aufs Minimum reduziert, aber das tut der ganzen Intention des Filmes wenig Abbruch, denn allein die Location des Filmes weißt auf die reine Thematik des Filmes hin, das Kaufhaus, als Überlebenszentrum, der Tempel der modernen Zivilisation eignet sich hervorragend um der Zombiethematik und den Parallelen zu den Lebenden Leben einzuhauchen. Romeros Absicht ist klar zu erkennen und ich denke, dass diese Locationwahl absolut beabsichtigt war um mit Elementen wie zb. Eifernder Konsumwahn zu spielen. Romero stellt seine Zombiekreaturen als primitive, nichtdenkende aber dennoch triebgesteuerte Wesen hin, völlig fixiert auf eines. Fleisch. Das Fleisch, das diese Wesen zum Überleben brauchen. Vom Instinkt geleitet, werden sie vom Kaufhaus magisch angezogen, ähnlich wie dies auch mit der Gruppe passiert, die sich hier einzunisten versuchen. Und da ist der Punkt, auf den Romero in diesem Film anzusprechen versucht, sofern man denn als Zuschauer versucht darin diese Intention des Filmes zu sehen. Nahezu primitiv und grundinstinktiv versucht die Gruppe mit allen Mitteln um ihr Überleben zu kämpfen. Der Palast, das Kaufhaus als solches bietet dazu ja jede Mittel und ihnen ist jedes Mittel recht, was sie auch bei der Ankunft der Rockerbande zu erkennen gibt. Anstatt miteinander dem Überleben eine Chance zu geben, bekriegen sie sich wie primitive Geschöpfe, die völlig entgleist, ihr Revier zu verteidigen versuchen, obwohl sie wissen, dass die momentane Situation ohnehin schon wenig Chance auf einen normales Leben offenbart. Die Parallelen die Romero hier zwischen seinen Zombies und den Menschen, die im Gegensatz zu ihnen noch zu Denken fähig sind und Verstand besitzen sollten, ist immens. Romero versucht allein durch diese Parallelen diese beiden Geschöpfe auf eine Ebene zu stellen, völlig triebgesteuert und in vollem Machtwahn und Habgier handelt der Mensch ähnlich primitiv, egoistisch, nichtdenkend wie ein Tier, das ums blanke Überleben kämpft und dabei über Leichen geht.
Diese oder beziehungsweise meine Intention des Filmes mag zwar irgendwo weit dahergeholt sein, ich sehe aber in DAWN OF THE DEAD, mehr als einen typischen Zombieklopper, der mit Goreeffekten nicht geizt. Natürlich, der Film, hat aus dieser Hinsicht extrem viel zu bieten, wenn auch oftmals Quantität vor Qualität überwiegt, nichtdestotrotz verleihen diese harschen, brutalen und extrem blutigen Effekte dem Film noch mehr Dramaturgie, die der Film ohnehin schon durch seine grundlegende Dramatik besitzt. Und allein diese Dramatik, die Dramatik ums nackte Überleben, diese Aussichtslosigkeit, diese apokalyptische Grundstimmung ist gekonnt umgesetzt und weiss auch irgendwo zu schockieren. Dauernd blendend uns Romero Bilder ein von Szenarien die uns den Rücken kalt runterlaufen lässt. Der menschenleere Parkplatz, bloss mit diesen träge wandelnden Zombies ausgesät, der Wahn, der sich im Fernsehen abspielt, die dort das klägliche Ende der Menschheit verkünden und die Zombies die instinktiv aber doch nichtdenkend im Kaufhaus umherirren. All dies bildet eine Grundstimmung, die diesen Film zu einem vielschichtigen Erlebnis machen, der mehr zu bieten hat als ekelhaften und selbstzweckhaften Splatter, Balleraction und furchteinflössenden Zombiegestöhne.
Und da wären wir eigentlich bei dem einzigsten Kritikpunkt den ich dem Film anhaften muss. Die Zombiemasken sind milde ausgedrückt alles andere als furchteinflössend, so beschränkt sich das Make - Up weitesgehend auf blau, weiss, grau und grün angemalte Gesichter, nichtdestotrotz bietet deren ganze Inszenierung, ihr schlürfendes Gehen und ihre starre Mimik genug Grusel, damit dieses Kriterium eigentlich nebensächlich ist. Sie erfüllen gnadenlos gut ihren Zweck, ebenso wie das auch die guten Darsteller tun, die aber leider oftmals extrem überzeichnet cool daherkommen wollen oder müssen. Der farbige, hünenhafte, der wohl ein Ass in allen Lebenslagen ist und zu keiner Emotion fähig ist, der etwas debile Blonde, gezwungen coole Held, der vernünftige, zurückhaltende Denker der Truppe und seine hochschwangere Frau, die als einzigste Frau, typisch eben die Arschkarte gezogen hat und als Frau abwertend behandelt wird. Doch irgendwo und irgendwann weiss man sich als Zuschauer irgendwo wieder zu erkennen, eine grundlegende Symphatie für die Darsteller ist also da, auch wenn man sich in einigen Situationen an den Kopf schlagen möchte, wie die Personen hier vereinzelt handeln. Aber wieder irgendwo ein Punkt, der mich dazu zwingt, eine Aussage dahinter zu suchen. Der Score von Goblin ist ohnehin ein Meilenstein und verleiht jeder Szene neuen schlagkräftigen Schub und lässt das ganze Geschehen überaus dramatisch und atmosphärisch wirken, was es natürlich ohnehin schon ist.
Fazit:
Ein vielschichtiger Film, der die reine Zombiethematik perfekt widerspiegelt und mit seiner Intention und Inszenierung absolut nicht danebentrifft. Ein Film, der zum Nachdenken anregt und in all seiner Sozialkritik, Gesellschaftskritik und Konsumkritik auch noch 30 Jahre danach funktioniert und als absolut berechtigterweise als Meilenstein gilt. Je nach Fassung, empfohlenerweise in der Argento / Eurocut - Fassung bietet der Film 118 min. spannungsvolle und vor allem atmosphärische Dramatik / Action / Splatter und Zombiegrusel.
Natürlich nur uncut zu geniessen.
10/10
„Dieser Film ist der größte Kulturschocker alle Zeiten, der die ruhigen 70er Jahre in Unruhe versetzen wird. Romero strickt eine wilde, fantastische Moralgeschichte, gegen den Deckmantel des verführerischen, amerikanischen Materialismus."
(Tom Allen / Village Voice)