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Im Jahre 1981 beglückte uns der Regisseur Hua Shan mit dem doch eher anstrengenden KUNG FU ZOMBIE und auch diesem Elaborat, BLOODY PARROT. Man kann Eastern sicher auf unterschiedliche Art betrachten. Der eine macht das Hongkong Kino zur trockenen Wissenschaft, der andere trauert dem Bahnhofskino hinterher und manche suchen seit dem Videozeitalter und Importen aus der damaligen Kronkolonie nach dem speziellen Kick und dem besonderen.
Um das hier abzukürzen, es liegt nicht nur an der Verfügbarkeit des Films allein über den asiatischen Markt, daß man von BLOODY PARROT im Westen bisher wenig gehört hat. Er gehört nämlich zu den SHAW BROTHERS Filmen der konfuseren Art, deren Rezeptur sich entweder nur über das Auslassen kultureller Standards für den unbedarften Zuschauer schwer nachvollziehbar gestaltet, oder dessen Plot einfach vollkommen verworren ist.
Das ist insofern gar nichts neues, denn zum einen kann in einer Massenschmiede wie bei den Shaws einfach nicht alles gelingen, zum anderen verlor der Riese u.a. im Sog von Bruce Lee doch zunehmend Wind in den Segeln. So ist BLOODY PARROT quasi analog zu Ausrutschern wie DIE BRUDERSCHAFT DER GELBEN HÖLLENHUNDE zu sehen, als ein ähnliches Straucheln zwischen Tradition und dem Willen, auch dem zeitgenössischen Geschmack zu entsprechen.
Daß ein Begriff wie der BLOODY PARROT mit etwas sprachlich unfreiwilliger Komik zum internationalen Titel konstruiert wird, täuscht wenig darüber hinweg, daß der Film in seiner rein handwerklichen Darbietung sehr ernst genommen worden ist. Der Vorteil bei den SHAW BROTHERS zu drehen ist nebst des eingeschworenen Ensembles sicher die reichlich vorhandene Studiokulisse, in der nahezu jede fixe Idee in unvergleichlichem Glanz erstrahlen kann. Für BLOODY PARROT bedient man sich vielleicht auch deshalb der historischen Bühnenbilder, die vom prunkvollen Gebäude bis zur finsteren Höhle alles bieten.
Die Motivation der Figuren dreht sich weitestgehend um Gier und Konflikte, zu deren Antrieb auch die sagenhafte Gestalt des BLOODY PARROT beisteuert, in dem er gemäß einer Legende drei Wünsche gewährt, die Ausgangspunkt eines Verwirrspiels sind.
Entsprechend der historischen Umgebung gibt es einige flinke Schwertkämpfe, die mäßig Gebrauch von Fliegerei und blutigen Effekten machen. Die Inkonsistenz begründet sich auf eine Aneinanderreihung von Themen, zu denen binnen weniger Minuten bereits Besessenheit, Vampirismus und eine Autopsie zählen. Wer nun aber auf einen dieser schrillen Exploiter hofft, die in ihren Übertreibungen humoristisches Potential tragen, dürfte von BLOODY PARROT eher enttäuscht sein.
Hua Shans Film bietet in der Tat Szenen, die von einer gewissen Ästhetik zehren und so dem Asia Aficionado als Gegenwert für das Aufspüren der Produktion gelten. Ein spärlich bekleideter Ausflug in ein nebelverhangenes Spiegelkabinett gehört sicher zu den optischen Highlights, während Schockwerte grotesk erdachter Bilder weit hinter dem zurückstehen, was in den folgenden Jahren, die SHAW BROTHERS taten sich hier z.B. durch THE BOXER'S OMEN hervor, noch ausgelotet werden sollte.
Fatal jedoch ist für BLOODY PARROT, daß die blutrünstige Fantasy-Geschichte bei der erzwungenen Vielfalt aus Versatzstücken und wenig zugänglichen Figuren kaum Gelegenheit erhält, eigentlich schön inszenierte Bilder atmosphärisch auszukosten. So bietet sich eher ein Kaleidoskop von Mikroepisoden, die zwar schlußendlich noch etwas zusammengerückt werden, jedoch den Zuschauer eher strapazieren, als ihm fein abgestimmtes Unterhaltungsprogramm zu bieten.

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