Review

Zu zweit für's Leben bereit

Cameron Crowe hat momentan gefühlt gar keinen allzu guten Stand und Ruf mehr. Der heiße Shit ist er jedenfalls schon ewig lange nicht mehr. "Aloha" war schrottig und vielen war auch "We Bought A Zoo" schon viel zu kitschig und oberflächlich (mir nicht!). Aber dabei darf man Großtaten wie "Almost Famous" oder "Jerry Maguire" auf keinen Fall vergessen. Und auch dass der Mann einst sowas wie "Fast Times At Ridgemont High" auf's Papier gebracht hat, was sicher nicht jeder kann. Und dann wäre da halt auch noch "Singles", der immer etwas heruntergespielt oder vergessen wird, mir aber außerordentlich gefällt, der eine echte Zeitkapsel ist und nicht weniger als einen der besten Soundtracks aller Zeiten besitzt... "Singles" folgt den Beziehungsversuchen und Liebeswirrungen von sechs Appartmentbewohnern in Seattle zu Beginn der 90er zwischen Grunge und Punch...

Das Schicksal bläst nicht lange Trübsal

"Singles" fängt dieses ganz bestimmte Lebensgefühl der 90er und damals jungen Erwachsenen sehr gut ein. Wie nur wenige andere Filme, muss man sagen. Mir liegt, dass es keinen klaren Protagonisten gibt. Der Soundtrack gehört in jede gut geführte Vinylsammlung. Banger an Banger. Es gibt einige bekannte Gesichter zu entdecken, ohne einen einzigen Superstar, der alles überstrahlt. Alles ist aus einem Guss, fühlt sich sehr ehrlich, unberechenbar und roh an. Es gibt bittere wie saulustige Stellen. Zwischen Wunschvorstellungen und Wahrheit. Zwischen Klischees und Kern der Sache. Crowe findet die Balance, Crowe liegen seine Figuren spürbar am Herz. Da ist sicherlich auch viel Persönliches bis Biografisches eingeflossen. Nie zu kitschig, nie zu einfach, nie zu kompliziert. "Singles" vermittelt eine universelle wie unmittelbare Singleerfahrung. Er bläst sich nicht auf oder hält sich für wichtiger als er ist. Dabei ist er wahrscheinlich wichtiger als er selbst je gedacht hätte... Eine der ultimativen Beziehungscollagen - und sogar weit mehr als das. Weit mehr als 1992. Weit mehr als "nur" die Smashing Pumpkins, Pearl Jam und Soundgarden - obwohl man sich das kaum vorstellen kann!

Bettchen wechsel dich!

Fazit: der All-Time-Soundtrack, das Lebensgefühl der Mit20er und frühen 90er, das Brechen der vierten Wand, Crowes Tempo und Interesse an seinen Figuren... "Singles" kann man noch immer Geheimtipp nennen und ist im Grunde Pflichtprogramm, egal ob man vergeben oder alleinstehend ist! Die "Friends"-Antithese?!

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