Der amerikanische Paläontologe Dr. Arthur Calgary reist in ein beschauliches englisches Küstenstädtchen, um ein Adressbuch zurückzubringen, das der junge Jacko Argyle, den er zwei Jahre zuvor als Anhalter mitgenommen hatte, in seinem Wagen damals versehentlich hat liegen lassen. Da Calgary am Tag darauf zu einer Antarktis-Expedition aufbrechen musste, war es ihm nicht eher möglich, den Argyles einen Besuch abzustatten. Als er auf dem Familien-Besitz ankommt, eröffnet ihm Jackos Vater Leo, dass dieser zwischenzeitlich für den Mord an der eigenen Mutter gehängt wurde... eine Tat, die sich dummerweise genau zu dem Zeitpunkt ereignet haben soll, als Calgary zusammen mit dem jungen Mann im Auto gesessen hatte und für die er ihm somit auch ein wasserdichtes Alibi hätte liefern können. Erschüttert darüber, dass er unwissentlich den Tod eines Unschuldigen auf dem Gewissen hat, versucht der Amerikaner den Fall wieder aufrollen zu lassen. Daran haben allerdings weder die Argyles, die eigentlich ganz froh darüber sind, sich nun nicht mehr mit der tyrannischen Mutter und dem missratenen Sprössling herumplagen zu müssen, noch der örtliche Polizei-Beamte Huish, der damals die Ermittlungen in der Sache geleitet hatte, ein besonders großes Interesse. Calgary kann die Angelegenheit jedoch nicht auf sich beruhen lassen und schnüffelt auf eigene Faust dem wahren Täter, der ja offenbar nie gefasst wurde, hinterher. Klar, dass es im Umfeld der Argyles bald schon zu neuen Bluttaten kommt und Calgary sich durch seine Nachforschungen natürlich auch selbst in Gefahr bringt, dem Mörder zum Opfer zu fallen... Zunächst mal ist es enorm verwunderlich, dass diese mit hochkarätigen Darstellern wie Donald Sutherland, Christopher Plummer, Ian McShane und Faye Dunaway durchaus prominent besetzte Adaption eines der wohlgelittensten Agatha Christie-Romane irgendwie vollkommen in der Versenkung verschwunden ist und deshalb bislang auch kaum in einem Atemzug mit den Klassikern "Mord im Orientexpress" und "Tod auf dem Nil" genannt wurde. Nach Ansicht von "Tödlicher Irrtum" sieht man dann jedoch um einiges klarer, denn im Gegensatz zu den genannten Streifen, die wirklich bestes Whodunit?-Entertainment geboten haben, ist diese sehr untypische Cannon-Produktion nämlich leider nur ein dröges Filmchen geworden, das seine langatmige Geschichte auf dem Niveau eines faden Sonntagnachmittag-Krimis runterleiert und deshalb auch keine gediegene Rätselrate-Spannung heraufbeschwört. Ein Großteil der Laufzeit wird damit totgeschlagen, dass man einen sehr gelangweilt wirkenden Donald Sutherland bei seinen banalen Ermittlungen und ausgiebigen Zeugen-Befragungen beobachten darf... was in diesem Fall aber leider den Witz der Hercule Poirot-Verfilmungen mit Peter Ustinov vollkommen vermissen lässt und von Regisseur Desmond Davis zudem auch ohne jegliche Verve inszeniert wurde. Allgemein scheint keiner der Beteiligten vor oder hinter der Kamera gesteigertes Interesse daran gehabt zu haben, aus dem (wie man es von Geschichten aus der Feder Agatha Christies ja gewohnt ist) recht potenten Kriminal-Stoff entsprechendes Kapital zu schlagen. Und selbst ein Christopher Plummer, der sich auch in absolutem Trash wie "Star Crash - Sterne im Duell" nicht dazu herabgelassen hat, seine Performance schleifen zu lassen, erhält hier aufgrund der viel zu geringen Screen Time und der wenigen Szenen, die man ihm gegönnt hat, nicht wirklich die Gelegenheit, das Ganze schauspielerisch ein wenig aufzulockern. So kann man "Tödlicher Irrtum" allenfalls noch einen gewissen technischen Standard bescheinigen. Doch auch die Bemühungen, die eigentümliche Atmosphäre des Original-Drehorts der Hafenstadt Dartmouth fotografisch reizvoll einzufangen, werden leider von einem selten so störend empfundenen Score unterminiert, weswegen man also nicht einmal ungetrübt in schönen Bildern schwelgen kann. Die ursprüngliche, eher nach der Manier seiner Kompositionen für De Palmas "Carrie - Des Satans jüngste Tochter" verträumt daherkommende Musik von Pino Donaggio wurde nämlich noch kurz vor Kino-Start von den Produzenten verworfen und gegen David Brubecks hibbeligen Jazz ausgetauscht. Geholfen hat das allerdings auch nicht. Ein ziemlicher Flop unter den Christie-Adaptionen...
4/10