Basierend auf einer wahren Geschichte: Nach dem Einmarsch der sowjetischen Truppen in Afghanistan, versucht der texanische Kongressabgeordnete Charles Wilson, gespielt von Tom Hanks, die afghanischen Truppen mit Waffen zu versorgen, um die Sowjets zu schwächen und damit möglicherweise den Kalten Krieg zu beenden. Dafür muss der Lebemann jedoch Israel, Saudi-Arabien, Afghanistan und Ägypten zur Zusammenarbeit überreden und einen hohen Etat bewilligt bekommen.
Ja, ja, die Amerikaner lieben ihre Helden und so war es nur eine Frage der Zeit, bis auch dem texanischen Kongressabgeordneten, der die Sowjets erheblich schwächte ein filmisches Denkmal gesetzt wird. Überraschend ist jedoch, was Mike Nichols daraus macht, denn statt einen 90-minütigen Lobgesang auf den Politiker und Lebemann zu starten, inszeniert er die Geschichte mit spitzem Humor und Sarkasmus und lässt den Lobgesang damit nicht zu überschwänglich ausfallen. Von der ersten Minute an prescht Nichols mit einem halsbrecherischen Tempo voran und serviert die wichtigsten Fakten mit einem ordentlichen Schuss Humor. Wie schon in "Die Reifeprüfung" baut er amüsante und spitze Wortwitze in seinen Film mit ein und macht die interessante Materie damit unterhaltsamer und fesselt von der ersten bis zur letzten Minute. Die Dialoge sind hervorragend und da es kaum Passagen gibt, in denen mal nicht gesprochen wird, lebt der Film die meiste Zeit von diesen. Die Filmmusik ist ebenfalls relativ schnell, aber alles in allem unauffällig, damit kann zwar keine Atmosphäre aufgebaut werden, diese ist bei dieser schnellen und unterhaltsamen Inszenierung aber nicht nötig. Mit einem Hauch von Erotik und ein paar Original-Aufnahmen des kalten Krieges rundet Nichols sein Werk ab und liefert nach "Die Reifeprüfung" und "Hautnah" einmal mehr eine hervorragende Satire.
Die Story ist ebenfalls gut gelungen. Obwohl nur die wichtigsten Fassetten des Politikers gezeigt werden und obwohl der Film mit einem hohen Tempo und einer kurzen Laufzeit versehen ist, wird wirklich alles über Wilson und über sein Werk gesagt, was man wissen sollte. Bei anderen Biografien merkt man, dass Autor und Regisseur Probleme damit hatten, zu differenzierten, was wirklich wichtig ist und, was im fertigen Film nichts zu suchen hat, aber Aaron Sorkin leistet nach "Eine Frage der Ehre" als Drehbuchautor erneut hervorragende Arbeit. Das wirklich Geniale ist jedoch, dass die Handlung, auch wenn sie auf das Wichtigste beschränkt ist, dennoch ausreichend Tiefe hat und viel Interpretationsspielraum lässt und nebenbei einen kritischen, wenn auch leicht subjektiven Blick, auf den Kalten Krieg wirft. Darüber hinaus wird die Handlung nicht zu komplex und anders als bei einigen anderen Biografien muss man sich nicht 50 Namen und Gesichter merken, um dem Film folgen zu können, wobei ein bisschen Allgemeinwissen über den Kalten Krieg durchaus vorausgesetzt wird. Kurz, prägnant, interessant und vielschichtig, so muss eine Story sein.
Nachdem er bereits als Aids-Kranker in "Philadelphia", als geistig Behinderter in "Forrest Gump", als Polizist in "Catch me if you can" und als Professor in "The da vinci code" brillieren konnte, zeigt Tom Hanks auch in der Rolle des Charlie Wilson, dass er zu den besten und vor allem vielseitigsten Darstellern Hollywoods gehört. Er zeigt sich in den ernsten Szenen gewohnt stark, brilliert zwischendurch des Öfteren mit seinem Sarkasmus und kommt auch in den Momenten, in denen er den Lebemann raushängen lassen darf bestens zu Recht. Julia Roberts, der man unter der übertrieben dick aufgetragenen Schminke dann doch so allmählich ihr Alter anzusehen beginnt, kommt mit der Rolle der reichen Kommunistengegnerin gut zu Recht, kann aber bei Weitem nicht an alte Glanzleistungen wie in "Erin Brockovich" anknüpfen, da sie ihre Rolle einerseits sehr bissig spielt, aber andererseits bei Weitem nicht so lustig ist, wie ihre beiden Kollegen. Womit wir schon bei Oscar-Preisträger Philip Seymour Hoffman wären, der die, meiner Meinung nach beste Leistung abliefert und nach "Capote" erneut zur Hochform aufläuft. Als pöbelnder CIA-Agent macht er eine überaus gute Figur und sorgt mit seiner rüpelhaften Art und seinem einzigartigen, spitzen Humor dafür, dass der Film bestens unterhält und rechtfertigt somit seine Oscar-Nominierung.
Fazit:
Mit einem unheimlich hohen Erzähltempo, einem ordentlichen Schuss Ironie, guten Darstellern und einer interessanten Story ist "Der Krieg des Charlie Wilson" einer der besten Polit-Filme der letzten Jahre und ist damit auf jeden Fall empfehlenswert.
86%