Die Filme des britischen Regisseurs Alex Cox (Straight to Hell, Repo Man) haben eine Gemeinsamkeit, sie entsprechen nie dem Mainstream was eigentlich positiv zu deuten ist, haben aber auch immer etwas Seltsames an sich. Und konnte Cox mit seinem Debüt "Repo Man" noch beim US-Publikum punkten, so sah es bei "Walker" anders aus. Nicht mal ein Zehntel der Produktionskosten konnten erwirtschaftet werden und schaut man sich den Film an, weiß man auch warum er besonders in den Staaten übel genommen wurde. Angeblich basiert "Walker" auf wahren Begebenheiten, nämlich dem Leben des Journalisten, Juristen und Arztes William Walker (Ed Harris), dessen taubstumme Frau an Cholera verstarb. Da er nun nichts mehr zu verlieren hat, geht Walker auf den Auftrag des reichen Cornelius Vanderbilt (Peter Boyle) ein. Er soll Nicaragua einnehmen, um damit den Seeweg für Vanderbilt zu öffnen. Doch Walker geht wesentlich weiter und wird immer größenwahnsinniger. Schließlich macht er sich selbst zum Präsidenten und zieht damit den Hass des Volkes auf sich und den der Nachbarländer. Schließlich kommt es zum Krieg.
Der Film spielt im Jahr 1855, doch plötzlich überholt ein Mercedes eine Kutsche, ein Soldat raucht Malboro und trinkt Coca Cola aus einer Glasflasche, desweiteren besitzt Vanderbilt einen Computer, ein paar Soldaten lesen die Newsweek und im Finale darf ein US-Hubschrauber vor Walkers Anwesen landen. Passt natürlich alles nicht ins 19. Jahrhundert und den Humor eines Alex Cox versteht nicht jeder. Jedenfalls ist es wahnsinnig unpassend, genauso wie wenn Soldaten zu lustiger Salonmusik blutigst perforiert werden. Immerhin gelingt Cox eine heftige Kritik an der Herrschsucht der Amerikaner. Denn was man nicht besitzt nimmt man sich einfach, wenn nötig mit Gewalt. Doch am schlimmsten ist es, dem Volk Nicaragua vorzuheucheln man käme in friedlicher Absicht und würde das Land von der Unterdrückung befreien. Daneben lässt Cox auch den üblichen Pathos einfließen. Doch ansonsten will "Walker" nicht so recht funktionieren, schon der Auftakt in Mexiko ist sehr lahm geraten und überhaupt will man die Hauptfigur William Walker nicht sonderlich interessant finden. Nach dem Tod seiner Frau zieht er mit 58 Mann Richtung Nicaragua los, die haben erstmal nichts anderes zu tun, als zu rauben, zu vergewaltigen und sich sogar an Tieren zu vergehen (wird nur angedeutet). Walker versucht hier noch Disziplin zu wahren und lässt die Übeltäter hinrichten, doch schließlich verfällt er immer mehr dem Größenwahnsinn und letztenendes gibt es für ihn nur noch den Ausweg die Sklaverei einzuführen.
Wir sehen hier nicht die Geschichte eines amerikanischen Helden, sondern eines Menschen, der sich zur Bestie entwickelt und einem ganzen Land seinen Willen aufzwingen will. Dafür lässt er sogar den Präsident von Nicaragua wegen Hochverrat hinrichten. Optisch ist Cox das Ganze gelungen, doch die zu neumodische Musikuntermalung geht gar nicht. Besonders wenn gemordet wird und dazu lustige Musik dudelt. Und Cox lässt es teilweise schon zur Sache gehen, denn bei den wenigen Schusswechseln lässt er zahlreiche Blutbeutel platzen. Choreographiert sind sie leider nur mäßig, man blickt oft nicht durch, wer hier gerade den Löffel abgibt. Dazwischen präsentiert sich "Walker" als sehr geschwätzig, bisweilen sogar langweilig.
Ed Harris (Appaloosa, Abyss) hat seine Rolle nicht voll im Griff, besonders der gekünstelte Heulanfall am Sarg seiner Frau und einige Wutausbrüche wirken alles andere als glaubwürdig. Dennoch kauft man ihm den kompromisslosen Mörder William Walker ganz gut ab. In weiteren Rollen Xander Berkeley (96 Hours, Air Force One), Peter Boyle (Malcolm X, Shadow und der Fluch des Khan) und Oscar-Preisträgerin Marlee Matlin (Gottes vergessene KInder, Dead Silence), die auch im wirklichen Leben gehörlos ist.
Man nennt so etwas anchronistischer Humor und der ist nicht jedermanns Sache. Der Film selbst übt harte Kritik, ist von der Machart her solide, will aber als Satire überhaupt nicht funktionieren. Ronald Reagans Politik gegenüber Nicaragua wird fleissig an den Pranger gestellt, wobei Cox auch nicht mit blutigen Schauwerten geizt. Aber im Endeffekt ist "Walker" völlig seelenlos inszeniert, langweilig und Ed Harris hat man schon wesentlich besser gesehen. Jeder muss für sich entscheiden, was er mit "Walker" anfangen kann, mir hat er überhaupt nicht gefallen.