Kinderhorrror scheint in der Filmwirtschaft wieder im kommen zu sein. Waren es in den 80ern vor allem Stephen Kings "Kinder des Zorns", Linda Blair in "Der Exorzist", sowie Teufelsbraten Damien in "Das Omen", die uns das Blut in den Adern gefrieren ließen, so erschreckte uns nun erst vor kurzem die gerade einmal 12 Jährige Isabelle Fuhrman als Horrorbratze Esther in "Orphan - Das Waisenkind"! Und nun ist schon wieder so ein Balk unterwegs, und zwar eins, das mit Horror schon so seine Erfahrung gemacht hat. Jodelle Ferland hat schon in "Silent Hill" ganz böse Dinge im Sinn gehabt und auch sonst besteht ihre Filmografie aus nicht wenigen Horrorfilmen. Hier nun darf sie sich, neben Renée Zellweger, mal wieder so richtig austoben, was den Film dann auch zu recht solider Gruselkost werden lässt.
"Fall 39" ist eigentlich nichts anderes als ein absolut klassischer kleiner Horrorhappen, für den leichten Gruselhunger zwischendurch. Es geht um die Sozialarbeiterin Emily Jenkins, welche sich um den Fall der kleinen Lillith Sullivan kümmern muss, welche von ihren Eltern anscheinend nicht mit der nötigen elterlichen Fürsorge behandelt wird. Als Emily die Eltern eines Tages dabei erwischt, wie diese ihre Tochter in den Ofen stecken wollen, nimmt sie das nett wirkende Mädchen zu sich und kümmert sich um sie. Noch ahnt sie nicht, auf was sie sich da eingelassen hat. Doch als immer mehr Menschen um sie herum anfangen auf mysteriöse Weise zu sterben, keimt in ihr das Gefühl auf, dass mit Lillith etwas nicht stimmt... Ganz klar, in seiner Geschichte hat "Fall 39" kaum etwas zu bieten, was es vorher nicht schon einmal gegeben hat. Mysteriöse Vorkommnisse, merkwürdig agierende Gestalten und liebevolle Figuren, die sich letztendlich als Bestien entpuppen. Was das Horrorgenre bisher schon alles so zu bieten hatte, ist auch in "Fall 39" zu finden. Neue Ideen sind eher Mangelware.
Das gilt auch bei der ganzen Umsetzung, was hier jedoch nicht unbedingt als als harter Kritikpunkt angesehen werden sollte, höchstens als kleine Unmutsbekundung darauf, dass auch hier nicht mehr als die klassischen Dinge zum Einsatz kommen, die den Zuschauer erschrecken sollen. Die Atmosphäre baut sich stetig auf, durch den Einsatz üblicher Farbfilter, wabernder Dunkelheit, ruhigen Momenten die ins drastische Kippen und natürlich durch eine Soundumgebung, die von knarzenden Türen, gruseligen Geräuschen und einem hämmernden Score alles zu bieten hat, was das Zuschauerherz zum rasen bringt. Dadurch gerät das Fehlen jeglicher neuer Ideen dann doch ein wenig in den Hintergrund und man kann sich auf eine gut 100 minütige Gruseltour einlassen, die ihr Hauptziel, Angst und Schrecken zu verbreiten, nicht verfehlt, auch wenn ein alter Genre-Hase sich sicher nur ab und an einmal erschreckt, da das Ganze teils auch recht vorhersehbar ist, während Neulinge manchmal schon ganz schon schlucken dürften.
Schön sind zudem auch die Schockeffekte anzusehen, die ihre Wirkung ebenfalls nicht verfehlen. Auf zuviel Blut wird hier nicht gesetzt, wenngleich die "Mordszenen" dennoch alles andere als zimperlich ausgefallen sind. Vor allem eine gewisse Szene, in der ein ganzer Schwarm von Wespen aus dem Körper eines der Filmopfer hervorkriecht, ist sauber geworden und bildet im Gesamtbild auch definitiv das Highlight des Films. Auf der Liste der genauso ungewöhnlichen wie gruseligsten Arten im Film zu sterben, sicher ganz oben aufzufinden.
Schade nur, dass dem Ganzen zwischendurch dann doch immer wieder die Puste ausgeht und einigen Leerlauf zu bieten hat. Die Erkenntnis des absolut Bösen in Emily und der Weg bis zur endgültigen Entscheidung, das Kind aus dem Weg zu räumen, ist außerhalb seiner Gruselmomente doch eher Bescheiden ausgefallen und trägt das Szenario bis zum nächsten Erschrecker nur mit Mühe. Vor allem die Handlung um den ewig kritischen und ungläubigen Detective Mike Barron wirkt irgendwie aufgesetzt und nicht sonderlich interessant. Zumal sich auch einige eklatante Logiklücken aufmachen, die nicht zu übersehen sind. Richtig gut bildet sich hingegen das Ende ab, welches mal nicht auf den üblichen Bahnen der zwingenden Fortsetzungsvorbereitung abläuft und zudem auch für einige Diskussionen nach dem Film gut ist. Dadurch kann sich das Ganze unterm Strich doch noch über den Durchschnitt retten.
Was die Darsteller angeht kann man alles in allem auch ganz zufrieden sein. Renée Zellweger, welche in einem Horrofilm erst einmal etwas deplatziert wirkt, macht ihre Sache so weit recht ordentlich und auch Ian McSheen kann seiner eigentlich recht uninteressanten Rolle einige nette Momente abringen. Bradley Cooper präsentiert sich ebenfalls gut und hat die stärkste Szene des Films auf seiner Seite. Heimlicher Star jedoch ist auch hier Jodelle Ferland, welche mal wieder eine astreine Horrorgöre von sich gibt. Das sie sich dem Horrorfilm ja schon länger verschrieben hat ist bekannt, doch ihre Leistung hier gehört definitiv mit zu den besten in ihrer bisherigen Karriere. Nach diesem Film möchte man ihr jedenfalls nicht mehr auf der Straße begegnen, so eine derart fieses Kind lässt sie hier vom Stapel. Wenn sie so weitermacht, ist ihr eine blühende Karriere im Horrorgenre jedenfalls gewiss. Das Böse scheint irgendwie in ihr zu stecken.
Fazit: Solide Gruselkost, nicht mehr und nicht weniger, das ist "Fall 39". Ein Film gänzlich ohne neue Ideen, sei es in Sachen Story oder Inszenierung, welcher aber mit den horrorüblichen Stilmitteln und Details nett umzugehen weiß und daher nicht selten für so machen kalten Schauer über dem Rücken gut ist. Einige effektvolle Todesszenen, sowie eine Horrorbratze aller erster Güte, können die genreüblichen Logiklücken sowie manchen Leerlauf dabei zwar nicht ganz kaschieren, doch für einen leicht verdaulichen Horrorhappen für zwischendurch kann "Fall 39" soweit ganz gut genutzt werden. Die ein oder andere neue Idee hätte aber trotzdem nicht geschadet!
Wertung: 6,5/10 Punkte