Review

Und weiter geht es mit den dämonischen Kindern in scheinbarer Opfergestalt.
Doch immerhin, während man Damian in „Omen“ von Beginn an unterstellen kann, nicht ganz von dieser Welt zu sein und die Clique aus „Dorf der Verdammten“ von vornherein als Bedrohung durchgeht, etabliert dieser Beitrag seine Figuren erst recht glaubwürdig in Form eines Sozialdramas, um danach allerdings nur hinlänglich bekannte Strickmuster zu verfolgen.

Renée Zellweger verkörpert die Sozialarbeiterin Emily, die just ihren Fall 39 herein geflattert bekommt: Bei Familie Sullivan gibt es Anhaltspunkte, dass mit Töchterchen Lilith (Jodelle Ferland) etwas nicht stimmt, die Schulnoten sacken rapide in den Keller und beim Besuch von Emily hüllen sich die Eltern in Schweigen. Wenig später kann Emily gerade noch beim Mordversuch an Lilith eingreifen, die Eltern werden weggesperrt und Emily kämpft erfolgreich um ein vorübergehendes Sorgerecht.
Doch sie ahnt noch nicht, welchen Satansbraten sie sich ins Haus geholt hat…

Dem Genrefan dürfte dabei nicht entgehen, dass Lilith beileibe kein Opfer ist, denn ansonsten müsste man diesen Streifen im Bereich Drama, statt im Horrorfach antreffen.
Dennoch stellt sich das erste Drittel als geschickter Schachzug heraus, denn das harte Brot einer Sozialarbeiterin steht zunächst im Mittelpunkt und dabei sind Kinder nun mal überwiegend Opfer. Insofern ist es nachvollziehbar, dass die kinderlose Emily sich beinahe aufopferungsvoll um Lilith kümmert, nachdem diese von ihren Eltern fast im Ofen verbrannt wurde.
Rund 40 Minuten kommt man ohne mysteriöse Ereignisse aus, wobei die ruhige Erzählweise keineswegs langweilt und dem ernsten Grundton absolut angemessen erscheint.

Erst als ein befreundetes Kind eines Nachts seine Eltern im Schlaf erschlägt und ein Anruf aus Emilys Wohnung kurz vor der Tat vom befreundeten Cop festgestellt wird, kippt die Situation allmählich.
Dabei erweist sich die Besetzung von Jodelle Ferland als Lilith als goldrichtig, denn die Fünfzehnjährige schafft es problemlos, den niedlich charmanten Gesichtsausdruck ebenso hinzubekommen, wie die frühreife Bitch mit überdurchschnittlicher Eloquenz.
Dem geneigten Zuschauer ist zwar längst klar, dass unsere liebe Sozialarbeiterin noch den Tag verfluchen wird, an dem sie sich den Dämon in Mädchengestalt ins Haus holte, doch bis kurz vorm letzten Drittel ist man noch voller Optimismus angesichts möglicher perfider Spielchen.

Doch leider bleiben diese weitestgehend aus, - hier mal ein paar mittelprächtige Tier-CGI, dort ein leichter Tempoanstieg, doch Überraschungen wie beim ähnlich gelagerten „Orphan“ darf der Genrefreund hier nicht erwarten.
Im Gegenteil. Zwei einschneidende Ereignisse gegen Ende hat man in dermaßen vielen Pendants bereits dramatischer inszeniert gesehen, dass der Showdown zwar nicht gänzlich langweilig ausfällt, doch insgesamt weit hinter den Erwartungen nach dem gelungenen Einstieg zurückbleibt.
Zumal bis zum Ende nicht wirklich durchsickert, mit welchem Ziel dieses Kind nun zu Werke geht.

Handwerklich gibt sich der Streifen des deutschen Regisseurs Christian Alvart eher unauffällig, - einen markanten Score sucht man genauso vergeblich, wie interessante Kameraeinstellungen oder pfiffige Bildkompositionen.
Ergo ergibt „Fall 39“ in der Quintessenz einen jener Beiträge, die sich von der Masse zu wenig abheben, auch wenn man darstellerisch durchaus punktet und während einiger Szenen brauchbare Spannung aufkommt.
„Omen Light“ könnte man auch sagen…
5,5 von 10

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