Die beruflich stark belastete Sozialarbeiterin Emily Jenkins (Renée Zellweger) bekommt eines Tages einen neuen Fall, den Fall 39 zugeteilt, bei welchem sie ein 10jähriges Mädchen, Lillith Sullivan (Jodelle Ferland) zu betreuen hat, deren schulische Leistungen plötzlich stark nachgelassen haben. Ein Besuch zu Hause bei den sich seltsam benehmenden Eltern bringt keine Lösung, aber da die Kleine ihr Mitleid erweckt, steckt sie ihr ihre Telefonnummer zu. Schon kurz darauf stürmt sie nachts zum Haus der Kleinen, begleitet vom väterlichen Polizistenfreund Mike Barron und gemeinsam können sie gerade noch verhindern, daß Lillith im Ofen gebraten wird.
Wenn nach kaum einer halben Stunde die Hauptdarstellerin schon dramatisch rettend eingreifen konnte und die offenbar bescheuerten Eltern in der Klapse landen, weiß man natürlich, daß dies nicht alles sein kann und sich möglicherweise einige zuvor dargestellte Dinge als vollkommen anders herausstellen als man diese vorher eingeschätzt hat. Und genauso kommt es auch, die Art und Weise wie Emily (und damit der Zuschauer) in die Thematik eingeführt wird, sind jedoch durchaus beklemmend und spannend abgefilmt. Das "Böse" bedient sich vorwiegend parapsychologischer Mittel, um seine Zwecke zu erreichen - zuvor wurde durch harmloses Fragen herausgefunden, wovor der- oder diejenige denn Angst hat. Langsam gehen um Emily herum "die Lichter aus" und ihr letzter Verbündeter hält sie ebenfalls reif für die Klapse - dann aber beschließt sie zu kämpfen - mit den ihr zur Verfügung stehenden, unzureichenden Mitteln. Eine starke Frauenrolle in Fall 39.
Bezüglich der darstellerischen Leistungen spielt Renée Zellweger, die ein wenig dicklich, ja fast aufgedunsen wirkt, sehr anschaulich und überzeugend die engagierte Sozialarbeiterin, die zunächst gar nicht glauben kann und will, was da um sie herum vorgeht, die dann aber rechtzeitig auf ihre innere Stimme hört. Sehr lobenswert auch die Performance der zum Drehzeitpunkt knapp 14jährigen Kanadierin Jodelle Ferland, die hier entgegen der in Hollywood-Filmen stets überbetonten Kinderrolle agiert und verhältnismäßig natürlich eine 10jährige darstellt. Gerade diese Natürlichkeit läßt sie umso bedrohlicher wirken. Ein einziges Mal verzieht sich ihr Gesicht zur Fratze - auf diesen CGI-Effekt hätte man verzichten können.
Apropos CGI: Ein brennendes Gebäude oder rasante Autofahrten gehören ja schon zum Standard-Repertoire, die Darstellung der Hornissen-Attacke auf Doug im Badezimmer ist jedoch ganz ausserordentlich gelungen - wie sie aus dem Auge, aus dem Ohr, später in den Mund fliegen und kriechen, selbst ein ganzer Schwarm, der sich auf seinem Hemd auf dem Rücken versammelt hat, ist technisch einwandfrei dargestellt. Solche Szenen (wobei es sich bei den Insekten genau genommen um schwarz-weiße Langkopfwespen handelt, nicht um die anders gezeichneten Hornissen) sieht man sich gerne noch ein zweites Mal an.
Leider erschöpft sich Fall 39 mit zunehmender Dauer in einem relativ konventionellen Horror-Streifen, der erwartbar und ohne größeren Höhepunkt zu Ende geht. Die näheren Umstände von Lilliths Wirken werden ebensowenig beleuchtet wie die weitere Zukunft von Emily, die überhaupt keine Bezugspersonen mehr hat und mit dem Erlebten erst klarkommen muß. Besonders ersteres, nämlich wie Lillith zu dem wurde, was sie ist, hätte sich durchaus noch einige Szenen verdient. Darüber, daß der Teufel einen Mord befehlen kann, aber eindeutige Spuren am Handy hinterläßt, mag ich genausowenig nachdenken wie über den Umstand daß er in einem Kofferraum ertrinken kann...
So bleibt es bei einem spannenden Horror-Thriller mit einigen erinnerungswürdigen Momenten, der aber ohne Knalleffekt zu Ende geht und leider wieder zuviele Fragen offenläßt. 7 Punkte.