Lange bevor das Adaptieren von erfolgreichen TV-Serien in Hollywood zu einer Haupteinnahmequelle wurde, gelang Andrew Davis („Under Siege“, „Collateral Damage“) mit „The Fugitive“ die bis heute beste Umsetzung einer solchen Serienvorlage. Das Original fesselte seinerzeit nicht nur Millionen von Zuschauern vor dem Fernseher, sondern gestaltete sich auch extrem langlebig. Und obwohl das Drehbuch die Geschichte des Dr. Kimble auf 130 Minuten zusammenfasste und deshalb etliche Elemente zusammenstreichen und ausklammern musste, ist aus „The Fugitive“ einer der besten Thriller seines Jahrzehnts geworden.
Das liegt vor allem an den beiden grandiosen Hauptdarstellern Harrison Ford („Blade Runner“, „Air Force One“) und Tommy Lee Jones („Under Siege“, „The Hunted“), der für seine Darstellung des US-Marshals Samuel Gerard nicht nur einen Oscar bekam, sondern, nach „The Package“ und „Under Siege“ zum dritten Mal für Davis vor der Kamera stand und 5 Jahre später in „U.S. Marshals“ noch einmal in die Rolle schlüpfen sollte. Wenn Jones im Bild ist, verblasst alles um ihn herum. Seine kompromisslose und direkte Art, sein Spürsinn und seine befremdlicher, zynischer Humor sind von Coolness und Professionalität geprägt. Der Star ist hier der Jäger und darauf baut die Quasi-Fortsetzung ja auch auf.
Harrison Ford hat dem kaum etwas entgegenzusetzen, muss hier jedoch auch nicht zum ebenbürtigen Gegner auflaufen, sondern überzeugt mit seiner natürlichen, menschlichen Art und gewinnt die Sympathien des Publikums. Die große Stärke der TV-Serie machte sich somit auch Davis zunutze.
Regisseur Andrew Davis Filme sind meist von erstklassigen Actionszenen geprägt. Die sind hier zwar nur zu Beginn vorzufinden, haben aber längst Filmgeschichte geschrieben. Die Entgleisung des Zugs ist wohl der spektakuläre und genial inszenierte Höhepunkt, während die folgende Flucht am Staudamm längst zig Parodien erfahren hat – was für die Zeitlosigkeit des Films spricht.
Für den Rest des Films konzentriert man sich ganz auf die verzweifelte Suche Dr. Kimbles (Ford) nach dem wahren Mörder seiner Frau, woraus dann etliche, leider in ihrer Häufigkeit etwas überreizte, in letzter Sekunde gelingende Fluchten vor Gerard und seinen Männern resultieren. Pluspunkte sammelt der Film hierbei hauptsächlich wegen seines Konzepts. Stets ist das Publikum auf dem gleichen Wissensstand des Licht ins Dunkel bringenden Kimble. So offenbaren sich im Verlauf einige Überraschungen, die zu einer ungeheuerlichen Entdeckung führen.
Davis hält trotz der recht imposanten 130 Minuten Tempo wie Spannung stets aufrecht und kann sich dabei auf den erstklassigen Score von James Newton Howard („Falling Down“, „Collateral“) verlassen. Da Realismus, mal abgesehen vom Sprung am Staudamm große geschrieben wird, entwickelt „The Fugitive“ einen sehr authentischen Charakter, der sich dann auch in den Locations und Kimbles Reaktionen und Vorgehen widerspiegelt.
Fazit:
Nicht nur die hohen Einspielergebnisse, sondern auch die fast durchweg positiven Kritiken bestätigten Andrew Davis Werk seinerzeit. „The Fugitive“ ist ein Top-Thriller in Reinkultur. 130 Minuten gut geschauspielerte Hochspannung, die so einige denkwürdige Sätze und zumindest eine grandiose Actionszene zu bieten hat. Wärmstens zu empfehlen.