1963 entstand die Serie „Auf der Flucht“, in der ein Mediziner namens Richard Kimble unschuldig von der Polizei gejagt wird, da diese der Meinung ist, dass Kimble seine Frau auf dem Gewissen hat. Zugegeben, viele Indizien sprechen für die Auffassung der Polizei und gegen Kimble, dennoch wird er zu Tode verurteilt. Bald gelingt ihm jedoch die Flucht und er macht sich auf die Suche nach dem wahren Mörder.
Nachdem diese Serie damals schon recht von Erfolg gekrönt war, lag es wohl auf der Hand, dass früher oder später auch ein Kinofilm dazu erscheint. Dass dies dann erst zum 30-jährigen Jubiläum der Serie geschah, ist wohl verwunderlich. Dennoch weicht die Story des Films der der Serie so gut wie gar nicht ab. Nachdem die Meisten von uns die Serie wohl eh nicht verfolgt haben oder aus Altersgründen nicht verfolgen haben können, ist dies nun auch nicht weiter schlimm und man kann sich den Kinofilm „Auf der Flucht“ ohne Vorurteile und ohne Kenntnisse über den möglichen Verlauf anschauen.
Für den Film sind gleich mal 2 richtige Hochkaräter gewonnen worden. Zum einen wäre da US-Marshal Gerard, gespielt von Tommy Lee Jones und dann eben kein Anderer als Harrison Ford als Dr. Richard Kimble.
Ford darf wieder mal den Einzelkämpfer mimen, wie er es auch schon in der Indiana-Jones-Reihe und vielen anderen Filmen wie „Air Force One“ oder auch „Das Kartell“ getan hat. Auf dem Regiestuhl nahm Andrew Davis Platz.
Und auch wenn diese Schauspielriege und das sicherlich hohe Budget auf einen Actionknaller der Extraklasse hoffen lassen, ist dies meines Erachtens nur teilweise der Fall. Ich kann schon mal vorweg nehmen, dass einen wirklich 120 Minuten Spannung erwarten und Kurzweile zu keiner Sekunde aufkommt, doch irgendwie macht „Auf der Flucht“ den Eindruck, nur zur Unterhaltung gut zu sein und zu sonst Nichts. Das ist natürlich schon mal ein großes Plus, gelingt dem Film doch auch tatsächlich, den Zuschauer zu fesseln und so gut wie keine unspannende Szene zu liefern. Der Film lebt nicht von einzelnen Szenen, die von Hochspannung nur noch so strotzen, sondern da baut sich die ganze Lauflänge über eine Atmosphäre auf, die den Zuschauer schon an den Fingernägeln knabbern lässt.
Ich bin jetzt auch nicht einer, der in solchen Filmen irgendwie Tiefgang oder Anspruch braucht, doch „Auf der Flucht“ ist mir da einfach zu oberflächlich und unlogisch. Sicherlich werden in Action-Feuerwerken wie „The Rock“, „Bad Boys“ oder „Con Air“ die Charaktere auch nicht sonderlich groß beleuchtet und so etwas wie Feinfühligkeit findet auch nicht statt, doch in „Auf der Flucht“ hat mir Dr. Richard Kimble diese gewissen Supermann-Fähigkeiten, die zumindest für mich Einiges an Qualität nehmen. Zunächst einmal merkt man Harrison Ford einfach keine Spur von Trauer oder Verzweiflung an. Da kommt er nach Hause, findet seine Frau wider Erwarten tot auf und wird dann selbst des Mordes bezichtigt. Doch sein Verhalten im Verhörraum der Polizei, als diese es anklingen lässt, dass er ein möglicher Verdächtiger sein könnte, ist für mich nicht nachvollziehbar. Auch den Rest des Filmes über flüchtet Kimble immer weiter und weiter, aber so richtig mit ihm mitfühlen, obwohl er sich in einer aussichtslosen und verhängnisvollen Situation befindet, tut man nicht.
Logischerweise belässt man es auch nicht dabei, Kimble vor US-Marshal und dessen Komplizen flüchten zu lassen, selbstverständlich fängt der Mediziner auch noch an, den Mord aufzuklären. Was der Polizei nicht annähernd gelang, schafft Kimble im Handumdrehen. Doch bis er mal anfängt, sich um die Aufklärung des Mordfalles zu kümmern, vergeht auch seine Zeit. Die erste Hälfte geht irgendwie hauptsächlich um die Flucht, die zweite behandelt Kimbles Nachforschen. Für mich auch nicht logisch, diese beiden Hälften so kontrastreich zu gestalten. Um noch einmal auf die Superman-Fähigkeiten zurückzukommen. Kimble schneidert sich einen neuen Ausweis, schlendert ohne Weiteres durch Krankenhäuser, rettet nebenbei noch ein paar Leben, wie das eines kleinen Jungen, entkommt immer und immer wieder, springt auch mal 50 Meter tief ins Wasser. Per Köpfer, versteht sich. Und ist der Polizei immer einen Schritt voraus.
Dass mag ja für den Zuschauer ganz angenehm und beruhigend sein und auch ich muss zugeben, dass dies der Kinogänger ja auch erwartet, doch so wie das in „Auf der Flucht“ teilweise vonstatten geht, ist mir das zu weit hergeholt und zu konstruiert.
Versteht mich nicht falsch, „Auf der Flucht“ ist perfekte 2-Stunden-Unterhaltung, die einen sicherlich keine Sekunde Ruhe lässt, doch fehlen da Welten, um so ein legendärer Film des Genres wie „Stirb Langsam“ oder eben auch „The Rock“ und so weiter zu sein. Auch diese sind nicht die Anspruchsvollsten, doch besitzen diese einfach eine gewisse Klasse, seien es markante Oneliner, phänomenalere Actionszenen oder einfach Charaktere, die einem im Gedächtnis bleiben. Und bei alldem ist mir „Auf der Flucht“ zu schwach. Nichts desto trotz aber ein guter Film, der nur nicht das erfüllt, was sein Ruf verspricht.
7/10 Punkte