Man könnte " Auf der Flucht " als Zusammenfassung und Remake der damaligen Serie von 1963 charakterisieren. Regisseur und Drehbuchautor David Twohy ( Pitch Black, Riddick ) verfasste das Drehbuch und Andrew Davis nahm auf dem Regiestuhl platz. Seit " Cusack - Der Schweigsame " ließ Davis einen Actionfilm nach dem Anderen vom Stapel, da ließ er es hier eher ruhiger und vor allem realistisch zugehen. Der Film selbst wurde auf jeden Fall ein Hit und 1998 gab es eine Fortsetzung, in der Wesley Snipes gejagt wird. Erfinder der Story war jedoch Roy Huggins, auf seinem Roman basiert auch die Serie von damals und die Charaktere. Schade, dass Davis uns heute so etwas wie " The Guardian " vorsetzt, in den früheren 90er Jahren erbrachte er seine besten Leistungen.
Story:
Der Gefäßchirurg Dr. Richard Kimble ( Harrison Ford ) findet eines Abends seine Frau ermordet vor. Täter war ein Einarmiger, der Kimble jedoch entkommen kann. Diese Geschichte glaubt ihm natürlich kein Mensch und so wird er zum Tode verurteilt. Beim Transport ins Gefängnis kann er fliehen, doch nun hat er den eiskalten Bundesmarshall Samuel Girard ( Tommy Lee Jones ) im Genick. Trotzdem wagt sich Kimble zurück nach Chicago und sucht den Mörder seiner Frau. Bei seinen Ermittlungen stößt er auf eine Organisation, welche ein neues Medikament auf den Makrt bringen will, welches Kimble als schlecht abtat. Langsam setzt er das Puzzle zusammen, doch auch Girard kommt Kimble immer mehr auf die Schliche und ist bereit ihn mit allen Mitteln festzunehmen.
Was sich am Anfang als so einfach Story präsentiert, gestaltet sich bald zu einem kniffeligen Fall. Warum man Kimble´s Frau ermordete und ihn im Gefängnis haben wollte, erfährt man erst ganz zum Schluss, so lange lässt Davis den Zuschauer zappeln und fast in völliger Unwissenheit. Nur im Mittelteil hätte man die Ermittlungen von Kimble etwas kürzen müssen, denn dadurch tuen sich doch kleine Längen auf, die jedoch insgesamt nicht arg ins Gewicht fallen. Der Film bietet nämlich absolute Hochspannung und ein ordentliches Tempo. Beide Elemente kann Davis bis zum Finale auf hohem Niveau halten. Zudem ist er sehr um den Realismus bemüht. Kimble ist kein James Bond, der sich seiner Haut perfekt erwehren kann und sich aus jeder misslichen heraushangeln kann. Er muss seinen Kopf einsetzen, nicht die Fäuste. Daher verwendet er alles was er kriegen um den Mörder seiner Frau aufzuspüren und um Girard öfters zu entkommen, dies treibt ihn sogar zu einigen Heldentaten, wie den berüchtigten Sprung vom Damm, oder als er Girard im Finale das Leben rettet. Daneben sehen wir auch über den etwas klischeehaften Ausgang hinweg, den man leicht vorhersehen kann. Solche Hollywoodfilme gehen nun mal immer, oder besser gesagt fast immer, gut aus.
Jedenfalls artet der Film zwar nicht in Action aus, aber in einer spannenden Hetzjagd, die Action ist dabei eher Nebensache. Nicht nur einmal wird Kimble fast geschnappt und kann nur durch Köpfchen oder Glück entkommen. Auch handelt er wie ein normaler Mensch. Er ist Arzt und rettet nebenbei einem Jungen das Leben, wird dafür fast geschnappt. Er schafft es auch nicht sich völlig unsichtbar zu machen, er hinterlässt ausversehen immer Spuren.
Natürlich präsentiert Davis auch einige Actionszenen wie den explosiven Gefangenenausbruch, die Keilerei in der U-Bahn, oder das Finale. Aber es artet niemals aus und bleibt stets im Rahmen des Machbaren. Selbst bei den Nahkämpfen hält man sich an die Realität, ohne dabei unspektakulär auszusehen. Ein paar Leichen sind natürlich mitinbegriffen.
Dazu gibt es perfekte Darsteller. Harrison Ford ist ein absolutes Allroundtalent und gibt auch hier eine sehr glaubwürdige Vorstellung zum Besten. Fast noch besser agiert Tommy Lee Jones als besessener Marshall Girard. Bis in die Nebenrollen hat man perfekt besetzt, mit Darstellern wie Joe Pantoliano, Jeroen Krabbe oder auch Julianne Moore.
Fazit:
Hochspannende und temporeiche Hetzjagd auf einen Unschuldigen. Die Story entpuppt sich zu einem interessanten Fall und ist nicht leicht zu durchschauen. Die Darsteller füllen ihre Parts perfekt aus und wirken immer glaubwürdig. Der Mittelteil wirkt etwas in die Länge gezogen, doch ansonsten gibt es viele Hetzjagden durch verschiedene Kulissen und gut inszenierte Action. Der Score stellt eine brillante Untermalung dar. Ist heute schon fast ein Kultobjekt, sollte man sich mal zu Gemüte führen. Auch spricht Davis hiermit das ganze Publikum an, Nichtfans dieses Genres mitinbegriffen.