Die Welt des angesehenen Gefäßchirurgen Dr. Richard Kimble (Harrison Ford) gerät aus den Fugen, als er eines Abends seine Frau ermordet in seinem Haus auffindet. Der Mörder kann nach einem Kampf mit Kimble entkommen und der wird bald darauf selber verdächtigt, seine Frau getötet zu haben. Aufgrund der erdrückenden Beweislast wird er zum Tode verurteilt, als jedoch der Gefangenentransport verunglückt, nutzt er die Chance zur Flucht. Doch die Polizei, angeführt von U.S. Marshal Samuel Gerard (Tommy Lee Jones), ist ihm stets auf den Fersen. Kimble bleibt nur eine Möglichkeit: Er muss seine Unschuld beweisen und den wahren Killer finden...
Schon in den 60er Jahren war Richard Kimble "Auf der Flucht", damals noch in einer beliebten TV-Serie, die ganze fünf Jahre lang andauerte. Im Kinohit von 1993 hat er nur etwa zwei Stunden Zeit, und die sind voll mit atemberaubender Spannung und großartiger Action.
Der Film lässt dem Zuschauer kaum eine Verschnaufpause, der Mord an Kimbles Frau wird ohne Vorgeschichte gleich zu Beginn gezeigt, die Hintergründe sind völlig unklar. Gut so, denn weil Kimble genauso wenig weiß, findet man in ihm gleich eine Identifikationsfigur. Ab der Verurteilung verwandelt sich "Auf der Flucht" dann in einen schnörkellosen Actionthriller der Superlative, der zudem von einer großartigen Regie, einem ebenso guten Score und bestens aufgelegten Schauspielern profitiert. So kommt geschlagene 2 Stunden lang nicht eine Sekunde Langeweile auf, der Film bietet Kurzweil pur.
Dabei hält sich die Action noch in Grenzen, es ist vielmehr die unerträglich auswegslose Situation der unschuldigen Hauptfigur, die Herzrasen beim Zuschauer verursacht. Selbstverständlich gibt es auch einige handwerklich perfekt inszenierte Actionsequenzen in Form von Verfolgungsjagden, kurzen Schießereien oder auch den legendären Sprung von einem Staudamm, doch es ist stets die Suche nach der Identität des Mörders, die für die Spannung verantwortlich ist. Die ist darüber hinaus recht überraschend und bietet einige geschickte Wendungen. Meiner Meinung nach hätte man ruhig noch ein wenig mehr ausschmücken können, so wirken einige Passagen der Story etwas "unreif". Die ganze Aktion um den geflohenen schwarzen Mithäftling Kimbles wirkt etwas sinnlos, weil der kaum noch einen Einfluss auf die Handlung hat. Zum Schluss hätte ich mir noch gewünscht, dass die Sache mit dem toten Polizisten in der U-Bahn noch aufgeklärt wird. Das sind aber Kleinigkeiten, die den rundum positiven Gesamteindruck kaum trüben können.
Eine Sondererwähnung muss man den Schauspielern zusprechen. Tommy Lee Jones bekam für seine Rolle als besessener Marshal zurecht den Oscar. Einige seiner Sprüche sind kultverdächtig ("Der ist Fischfutter" - "Dann holen sie mir den Fisch, der ihn gefressen hat!), wie überhaupt seine Rolle, die in anderen Filmen auch schon öfters parodiert wurde. Harrison Ford in der Hauptrolle kann Jones nicht das Wasser reichen, ist aber immer noch besser als in manch anderen Filmen. Darüber hinaus gibt es in den Nebenrollen noch einige bekannte Gesichter zu sehen, etwa die von Joe Pantoliano, Andreas Katsulas, Julianne Moore oder Jeroen Krabbe.
Insgesamt gesehen ist "Auf der Flucht" exzellentes Hochspannungskino, bei dem alles zusammenpasst und das zwei Stunden lang Kurzweil bietet. Die Hatz nach dem unschuldigen Dr. Kimble lädt aufgrund der komplexer werdenden Story in der zweiten Hälfte und einigen sehenswerten Stunts auch zum mehrmaligen Sehen ein. Abgesehen von wenigen Schwächen einer der besten Thriller der 90er!