Review
von Alex Kiensch
In dieser Kinoadaption der zumindest in den USA berühmten TV-Serie liefern sich Harrison Ford und Tommy Lee Jones eines der schnellsten und spannendsten Filmduelle der 90er-Jahre.
Ersterer wird nämlich als Dr. William Kimble des Mordes an seiner Frau bezichtigt und zum Tode verurteilt. Doch durch einen spektakulären Fluchtversuch eines Mitinsassen gelingt es ihm, aus dem Gefängnisbus zu fliehen. Nun heftet sich Jones als knallharter US Marshall an seine Fersen. Kimble bleibt nur eine Chance, zu entkommen: Er muss den wahren Mörder finden.
Das Motiv des einarmigen Verbrechers ist zum (nicht immer ernst gemeinten) Inbegriff der Erklärung belastender Situationen geworden - ihm kann man stets die Schuld zuweisen. Doch das allein macht den Film noch nicht sehenswert: Viel mehr fesselt er mit einer geradlinig-klassischen Inszenierung, fulminanten Action- und Stuntszenen (die Fluchtsequenz ist ebenso berühmt wie der wagemutige Sprung aus einem hoch gelegenen Abwasserrohr, durch den Ford seinem Verfolger entkommt) und dem starken Spiel der beiden Hauptakteure - besonders natürlich Tommy Lee Jones. Zwar scheint es mir etwas übertrieben, ihn für seine Rolle als unerbittlicher, aber fairer Cop zu Oscar-Ehren kommen zu lassen, aber seine kaltschnäuzigen Sprüche und die gesamte Überlegenheits-Haltung haben schon einen gewissen einnehmenden Touch.
Zwar vermag die Story keine sonderlichen Überraschungen zu bieten; und auch die Einleitung, in der der Mord an Kimbles Frau und seine Verurteilung in einer eleganten Rückblenden-Konstruktion geschildert werden, kommt ein wenig zu schnell und gefühllos daher. Doch wer sich daran und an den üblichen kleinen Hollywood-Fehlern (die schon eher allgemeinen Kult-Status haben, als ein wirkliches Ärgernis zu sein) nicht stört, kann einen straff inszenierten Action-Thriller nach klassischem Muster und mit packendem Spannungsbogen genießen.