Gerade ist in Deutschland nach 1835 mal wieder ein Braunbär in freier Wildbahn aufgetaucht, schon wird er zum Abschuss freigegeben. Ein Einwanderer aus Italien – „Zu Gast bei Freunden“…
So sticht aufgrund des aktuellen Bezugs das Cover von „Wild Grizzly“ ins Auge und für 2 Euro kann man schon mal den DVD-Grabbeltisch um ein Angebot erleichtern…
In den ersten Minuten treffen die Erwartungen eines flotten Tierhorrorstreifens auch voll zu: Familie campt im Wald, Bär taucht auf, doch bevor dieser zuschlagen kann, wird er vom örtlichen Indiana Jones per Gewehr betäubt.
Weiter nach „Pine Lake“: Der Bär befindet sich nun im Research Center des Rangers, was die Einwohner gar nicht knorke finden, also herrscht leichter Tumult auf der Straße.
In dieses Geschehen gelangen Rachel und ihr 16-jähriger Sohn Josh, die hierher umziehen wollen. Der naturverbundene Josh kümmert sich um den Bären, doch eines Nachts wird dieser von einem Scheußlichen freigelassen.
Was folgt: Josh sucht den Bären, der Ranger auch, Mutti Rachel sucht Josh, Josh seine Mutti und am Ende haben sich alle wieder und auch lieb und der weibliche Petz wird mit den niedlichen Bärenkindern im Naturschutzgebiet ausgesetzt, schön mit Triefmusik untermalt.
Tierhorror ist das aber nicht, sondern ein harmloses, wenn auch charmantes Wildnisabenteuer, indem jeder jeden sucht, weil keiner dem Rat des anderen folgt.
Klischees bleiben natürlich nicht aus: Der Lokalpolitiker kommt wie immer schlecht weg, Romanzen bahnen sich auch an und der 16-jährige Josh mutiert zum Helden, wahrscheinlich, weil er den Tod seines Vaters noch nicht verkraftet hat („Dad wäre stolz auf dich, Junge!“ – der Satz kommt zwar nicht vor, hätte aber gepasst…).
Immerhin hat man überwiegend mit echten Tieren gearbeitet (gut dressiert und verdammt groß) und das kommt der Atmosphäre durchaus zugute. Zwar deuten die Schnitte darauf hin, dass die Szenen mit den Bären nie gleichzeitig mit den Protagonisten gedreht wurden, aber die respekteinflössende Gestalt und Körperfülle eines echten Grizzlys wirkt eben besser als eine Fellklaue mit Plastikkrallen…
So richtig spannend gerät das Treiben in den Rocky Mountains zwar nicht, dafür ist es aber liebevoll altmodisch angelegt und könnte bis auf die Benutzung von Handy und GPS auch aus den 70ern stammen.
Ein paar bekannte Gesichter mischen immerhin auch mit: Fred „Hunter“ Dryer spielt den sympathischen Ranger und einer der 20 Baldwin-Brüder gibt den Oberfiesling. Darstellerisch also nichts zu bemängeln bei dieser TV-Produktion.
Statt des erwarteten Tierhorrors ein familientauglicher Abenteuerfilm.
Einer, der am Sonntagnachmittag auf Kabel 1 laufen könnte und keinem weh tut.
Sieht man nebenher, hofft auf schöneres Wetter, um alsbald einen Waldspaziergang zu unternehmen. Die abschließende Pointe über Beeren, Frauen und Bären mag sich jeder für sich zusammenreimen…
5 von 10 Punkten