Review

Für Fantasyfilme braucht man ohnehin schon ein Händchen, damit man sich an altbekannten Versatzstücken nicht zum hundertsten Male abarbeitet. Wenn man sich aber einem Sujet widmet wie Philip Pullmans „His Dark Materials“, dann sollte man die Essenz einer solchen Geschichte, die ebenso phantastisch wie religionskritisch-satirisch ist, zumindest erfaßt, besser aber noch verarbeitet haben.

Wie man so etwas komplett verreißen kann, beweist Chris Weitz mit seiner Adaption des ersten Teils der Romantrilogie, die wesentlich mehr ist als eine Jugendfantasy, auch wenn die Hauptperson ein relativ kleines Mädchen ist.
Weitz, der nun wirklich keinerlei sonderliche Reputation für solche Themen vorweisen konnte, haderte offenbar kreativ mit so einer (ersten) Großproduktion, die natürlich im Trend der Weihnachtsfilme und Post-HdR-Trilogien im Wesentlichen Kasse machen sollte. Ein guter literarischer Ruf schien da wohl genug.

Fakt ist, daß man zwar die Handlung des Romans über weite Strecken einigermaßen auf Film bannte, aber schon im Drehbuchstadium feststellen mußte, daß Pullmans Werk eines nicht ist: hollywoodkompatibel.
Das Buch bietet keineswegs einen brauchbaren Filmabschluß, sondern bietet nur einen Übergang zur Fortsetzung und der ist auch schon bitter-traurig genug, keineswegs triumphal. Aber in einer Industrie, wo ein Werk von dem Erfolg eines ersten Teils abhängig ist (also vom Geldrückfluß), bedarf es einer dramaturgischen Abrundung.
Ergo verformte man das Ende zu einem halbwegs brauchbaren Happy End, strick die meisten Ansätze von religionskritischen Themen aus dem Skript einfach heraus und hatte damit einen wundervoll glattgebügelten und deswegen überaus reizlosen Standardfantasyfilm der Marke „Quest“.

Man hat eine Böse, den berühmten goldenen Kompass, ein niedliches Tierchen für den Humor (der Tierdämon, der auf dieser Welt jeden Menschen begleitet), ein paar finstere Hintergründe, einen aufrechten Kämpfer in Eisbärform für den „Sense of Wonder“ und null Ahnung, worauf die Reise hinauslaufen würde.
Eine ganze Reihe namhafter Mimen steckt hier kurzzeitig den Kopf zur Tür herein, um dann wieder zu verschwinden, selten hat eine Besetzung so wenig Sinn gemacht, wenn nicht die ganze Trilogie abgedreht werden würde. Am auffälligsten ist dies bei Christopher Lees Sekundencameo und den brummigen Szenen, die Daniel Craig abliefert.

Nicole Kidman spielt zwar dagegen eine ganz patente „Eiskönigin“, doch was nutzt das, wenn die Geschichte nicht überzeugend ist. In endlosem Fortlauf hängt sich eine Szene an die nächste, Informationen werden häppchenweise ausgeteilt, die Nebenhandlung um den Eisbärenprinz läßt das ursprüngliche Szenario vergessen und vom Showdown bleibt wenig mehr hängen, als daß es wieder mal eine Schlacht gibt und dabei Kinder befreit werden.

Das Ergebnis ist sicher optisch sein Geld wert, aber komplett seelenlos und Dakota Blue Richards nicht die Kinderdarstellerin, die jung und alt zu gefühlsmäßigen Begeisterungsstürmen hinreißen könnte, dafür ist die Figur auch im Skript einfach zu blass.
Aber die vornehme Blässe ist eigentlich nichts gegen den grimmigen Unterton, der nicht gerade Kindern entgegen kommt, die diesen Film sicher erfahren, aber kaum genießen können, heruntergezogen von maximalem Trickaufwand, der jedoch, wie z.B. im Falles des Eisbären, stets immer wie ein Computertrick aussieht.
Ausstattung ohne Herz bleibt eben dann doch nur Ausstattung, Staffage.

Und so ist es fast ironisch zu sehen, daß die reichlich vorhandenen christlichen Verbände und Kirchen in den Staaten gleich zum Boykott aufriefen, als der Film noch gar nicht zu sehen war – hätten sie abgewartet, wäre bemerkt worden, daß man das heikle Thema fast komplett geplättet hatte. Viel Lärm um Nichts – aber ein Signal, daß sich auf die US-Kinokassen verheerend auswirkte. Und auch wenn der „Kompass“ im Rest der Welt als typischer Weihnachtsfilm eine Menge Kohle machte, war von einer Fortsetzung nicht mehr die Rede.
So ist „Der Goldene Kompass“ nur mehr der Torso eines Films, der er mal hätte werden können, ohne echten Gehalt und ohne wirkliches Ende, dazu verdammt, auszuharren, bis sich der nächste Produzent an eine Neuverfilmung traut. Dann sollte sich aber lieber ein Brite daran versuchen, die trauen sich mehr. (5/10)

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