Review

Nach seiner Macbeth-Inszenierung, aber noch vor „Chinatown“ drehte Roman Polanski („Rosemaries Baby“) mit „Was?“ 1972 einen Film in deutsch-französisch-italienischer Koproduktion, der bei seinen Fans und Kritikern für Stirnrunzeln sorgte. Äußerlich eine leichte, frivole, naive Sommerkomödie, ergibt die Handlung um die junge US-amerikanische Touristin Nancy (Sydne Rome, „Ein süßes Biest“), die in Italien vor Vergewaltigern in ein luxuriöses Anwesen flüchtet und dort auch auf allerlei verschrobene Klientel trifft, keinerlei Sinn.

Eine mögliche Interpretation ist laut Sekundärliteratur die einer Parodie auf die Sexfilme der 1970er, von denen ich aber zu wenig kenne, um das beurteilen zu können. Andererseits wird dafür in dieser an sich sehr schlüpfrigen Komödie dann doch zu wenig gevögelt – oder ist das bereits Teil der Parodie? Hält man sich nicht lange mit der Sinnfrage auf, lässt sich „Was?“ aber durchaus als leichter Sommerfilm genießen, der in sonnendurchfluteten Bildern eine stets mindestens halbnackte Sydne Rome durch die lasterhafte Dekadenz der dem schönen Leben frönenden Villenbewohner flitzen lässt, dabei Gestalten wie den tuntigen Alex (Marcello Mastroianni) kennenlernt, der mit ihr seine skurrilen Sexfetische auslebt, am zweiten Tag feststellt, dass sich viele Ereignisse déjà-vu-artig wiederholen und schließlich auf den todkranken Hausherren trifft, dessen Erbschaft anzutreten offensichtlich die degenerierte Menschenansammlung um ihn herum kaum erwarten kann. Brav notiert sie all das in kurzen Sätzen in ihr Tagebuch.

In seiner Ver- bzw. Entrücktheit hat „Was?“ beinahe etwas von „Alice im Wunderland“ bzw. geht gar weiter, wenn Dialoge keinerlei Sinn ergeben oder gar nicht erst stattfinden, weil die Protagonisten lediglich Monologe halten, Handlungsstränge nur scheinbar aufgegriffen werden, denn im weiteren Verlauf kommen sie überhaupt nicht mehr vor, und wann immer der Zuschauer glaubt, einen roten Faden erkennen zu können, er schnell wieder Lügen gestraft wird. Möglicherweise ist dies auch Polanskis Art, das sinnbefreite, parasitäre Leben dekadenter Reicher aufs Korn zu nehmen. Wie auch immer dem sei, nicht zuletzt aufgrund seiner guten Schauspieler (u.a. Polanski mit blauem Auge) macht es Spaß, dem debilen Treiben zu folgen und dass es eben ein Polanski ist, macht die irritierende Sichtung auf ihre Weise interessant.

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