Monatelang bin ich nun schon auf der Börse um dieses Scheibchen herumgestrichen. Wenn sogar die dortigen Verkäufer meinen: "Ach, du willst dich zwischen den beiden Scheiben (Cradle + was Anderes) entscheiden? Dann nimm lieber den Anderen!", dann kanns ja schonmal ziemlich übel werden. Oder etwa doch nicht?
Horror made in Britain
Alex Chandon, britischer Underground-Blutrumsauer, hat hier also "einen Meilenstein in seinem Schaffen" vorgelegt wie man von vielen Ecken zu hören bekam. Involviert ist auch noch Death-Metal-Hardcore-Black-Bibabutzelman Dani Filth und dessen Gruppe Cradle of Filth steuert die Musik bei. Die Geschichte dreht sich um einen Inspektor, der einen Satanisten ins Irrenhaus gebracht hat, der rächt sich jetzt aber an seinen Peinigern und so sind die vier Kurzgeschichten weniger richtige Storys, sondern mehr die überlange Abhandlung der Rache-Momente des Satanisten.
Schon zu Beginn in der ersten Geschichte fällt da die angenehm surreale Stimmung auf die sich zwischendurch zwar etwas verliert, aber gegen Ende dann wieder Einzug hält.
Episode 1 - "Ich seh den ganzen Tag schon diese verzerrten Gesichter!"
Der Inspektor hetzt genau wie der Zuschauer von Bluttat zu Bluttat.
In der ersten Geschichte das zwei zwei Goth-Chicks eine Sause machen und eine der Beide nachher etwas "durchgenudelt" und verwirrt aufwacht. Jacobs Ladder mäßige Dämonen-Erscheinungen auf offener Straße inklusive und nachher soll sie auch erfahren, was nun dämonisches in ihr steckt.
-Schon die erste Geschichte kann mit ordentlichen Darstellern punkten und ist besonders im Showdown schön hart und bizarr, die Kreation eines Spinnen-Embryo-Mutanten gar richtig gekonnt und schön fies gestaltet. Sehr nett gemacht. Inklusive des verfremdeten Geschlechtsakts mit, ja, wasauchimmer stellt diese Story dann aber leider schon mit den Höhepunkt unter den eingeflochtenen Kurzgeschichten dar.
Episode 2 - "Was hast du mit meiner verdammten Dose gemacht?"
Goth-Chicks (again) die einen alten Mann ausrauben wollen, der ist aber da und nicht sonderlich gut totzukriegen -> Story siehe dutzende "Geschichten aus der Gruft" Folgen, in welcher sich die schlecht behandelten Leute rächen
-Nach der gelungenen ersten Geschichte jetzt auch schon der Tiefpunkt des Streifens: Wieder mal Gothik-Mädels, nervige Darsteller, unsympathische Figuren und eine Geschichte die auf einer Ringgravur genügend Platz hätte. Dazu uninspirierte bis schlechte Effekte (bis auf die Stelle mit dem Messer durch die Backe), aber keine Sorge, so schnell wie es anfing haben wir die Geschichte auch schon wieder hinter uns. Gott sei Dank.
Episode 3 - "Siehst du Schatz, jetzt bin ich wieder ein 'ganzer' Mann!"
Das selbe Spielchen nochmal: Typ felt ein Unterschenkel, ruft alten Freund an, tötet ihn, klaut Bein, Bein an seines dranmachen, Bein macht Probleme, Story vorbei.
Soweit, so gehabt, dafür gibt es hier aber einen kräftigen Schuss Humor, etwa wenn am Anfang der Kerl mitsamt Freundin einen Penner überfahrt. Er steigt aus, sie ruft: "Ist etwas passiert?" Er überprüft den Lack: "Alles klar, kein Problem!" und steigt wieder ein. Das dies natürlich auch gemacht wurde, damit man nachher wenig nett mit der Freundin umspringen kann, die sich durch diese moralische Verfehlung natürlich selbst ins Aus gesetzt hat.
Dahingehend schön den klassischen Horrorgeschichten verhaftet und macht auch durchaus Laune.
Episode 4 - "Gerade aus, da ist der Lichtschalter, stoß dir nicht den Kopf!"
Bei der letzten Kurzgeschichte wird dann wieder mehr auf den Gore-Pegel gedrückt, denn ein junger Mann entdeckt die Seite "Sick Room", auf der die User per Mausklick die Opfer selbst töten oder verstümmeln können. Ein Schelm wer jetzt denkt das der Protagonist am Ende selbst in dem "Sick Room" landet....
Aber wenigstens brauch Alex Chandon hier im Gegensatz zu seinem Kollegen Eli Roth nur knapp 20 Minuten um die Handlung schnell mal zusammenzufassen und auf ihren logisch und weiiiiit vorhersehbaren Schluss vorzubereiten. Schnell vorbei, dafür gibt es hier auch die größten Hänger innerhalb der Story, vieles, wie z.B. der Charakter der Hauptperson hätte wesentlich besser ausgearbeitet werden können.
"Das ist nicht das Ende. Das ist erst der Anfang!"
Zum Schluss werden dann die Stränge dahingehend zusammengeführt, dass der Inspektor den Satanisten in der Anstalt zur Rede stellt. Bis hier hin auch sehr schön das Spiel mit Schein und Sein, wird doch oft betont das der Satanist "nur" ein Hypnotiseur sei und es unklar bleibt, ob jetzt vieles nicht doch geträumt wurde. Mit einem sowohl saftigen wie auch überraschenden Showdown und wieder einmal Dani Filth wird der Streifen dann gekonnt zu seinem Ende geführt.
Überhaupt muss ich auch nochmal erwähnen, dass die CGI-Effekte zwar selten, dafür aber umso gekonnter rüberkamen und besonders auch am Ende des Streifens viel zum Flair beigetragen haben. Sehr schön gelöst.
Dani Filth macht als Killer seine Sache auch gut, nur komm ich jetzt auch schon zu einem Punkt der mich unglaublich am Film genervt hat: Die Gothic-Typen. Der Filth sieht ein wenig aus wie Daniel Küblböck mit NOCH MEHR Make-Up und bis auf ein zwei Szenen wirkt er eher wie ein netter Schwiegersohn der sich in die SM-Szene verirrt hat als irgend etwas erschreckendes. Das Gleiche gillt eigentlich für so ziemlich alle anderen "Gothic"-Elemente im Streifen, die mich maximal erheitert haben, wenn ich nicht gerade lauthals ob der lächerlichen Aufmachung lachen musste. Nene. Das ist definitiv nix für mich.
Ansonsten ist es halt nur noch schade das Chandon kein ordentliches Filmmaterial zur Verfügung stand und so das Ganze teilweise stark nach Amateur-Streifen aussah. Wer sich aber mit dem Look anfreuden kann oder keine Probleme hat, der wird mit Cradle of Fear sicherlich angenehm splatterige zwei Stunden habe. Sonderlich hart ist hier eigentlich nichts und bisweilen wird dann auch einfach statt richtigen Make-Up Effekten "nur so" mit Blut rumgesaut. Also wieder ein kleiner Punkt auf dem "Amateur"-Counter. Aber was solls. Spaß machts trotzdem und hat genug verrückte Ideen um bei Laune zu halten.´