Review

Aufgrund der eh schon geringen Anzahl von Abenteuerfilmen im Hammer-Studio Oeuvre sind selbst die nur insgesamt drei* Robin Hood Werke herausstechend; was neben der eben niederen Quantität auch an der wenigen Verbreitung und Popularität der anderen Arbeiten (um Piraten und Wikinger) liegt. Die hiesige Bearbeitung durch Val Guest, der sowieso in der Anfangszeit vermehrt als Regisseur vertreten war und die ersten Jahre des Studios mit entscheidend geprägt, ist dabei dem Vernehmen nach eher noch naiv bis kindlich bzw. eher für die Jüngeren unter den Zuschauern angelegt, wobei zumindest auch Das Schwert des Robin Hood (1960) durch Terence Fisher familienfreundlich gehalten und die Nummer Drei Robin Hood, der Freiheitsheld (1967) von C.M. Pennington-Richards dramaturgisch recht gewitzt und den Kritikern nach 'nicht von schlechten Eltern' ist:

Wir schreiben das Jahr 1194. König Richard befindet sich noch in deutscher Gefangenschaft, allerdings ist sowohl bereits das Lösegeld bezahlt und werden in der englischen Heimat noch vor der Rückkehr bereits die Mordkomplotte geschmiedet. Um die genaue Ankunft und die Reiseroute möglichst geheim zu halten, werden genau diese Informationen in einer Sarazanenfigur versteckt, an die im Auftrag von Richards Bruder John vor allem der ebenso königsfeindliche Sir Guy Belton [ David King-Wood ] herankommen will und dafür auch einen Mord verübt. Währenddessen wird Robin Hood [ Don Taylor ] von den Getreuen Moraine [ John Stuart ] und Sir Nigel Saltire [ Douglas Wilmer ] gebeten, sich seinerseits mitsamt seinen Mannen Bruder Tuck [ Reginald Beckwith ], Little John [ Leslie Linder ] und Will Scarlett [ John Van Eyssen ] um die Wiederbeschaffung der Figur und ihren Schutz zu kümmern.

Gemeinsam hat die 'Trilogie', die ansonsten mit jeweils anderen Darstellern besetzt und inhaltlich voneinander unabhängig und so nur durch die Produktionsfirma zusammen gehalten ist auch, dass sie allesamt in der Masse an anderen Erzählungen über den Volkshelden ebenso untergegangen sind wie auch von den hauseigenen Horrorwerken in der Aufmerksamkeit des Zuschauers spätestens heutzutage vollständig verdrängt. In der Geschichte dennoch erhaben und ein für alle Mal im Bewusstsein des Zuschauers als Allgemeinkenntnis eingeprägt.

Im Originaltitel Men of Sherwood Forest auf die ganze Truppe um Bruder Tuck, Will Scarlett, Little John und nicht bloß ihren Anführer, den namhaften Freiheitshelden bezogen, gestaltet sich der Film dennoch vermehrt als Zwei-Personen-Stück, welches auch gleich bildhaft die Landkarte für das noch folgende Geschehen vorstellt und den Zuschauer zusätzlich über die Hintergründe, also den Verbleib von Richard Löwenherz und das Gemauschel von Prinz John informiert. Die Handlung schnell im Gange, die Situation mit einem MacGuffin aufgezogen und auch anschließend wie eine Spionage- und Rettungsmission formuliert. Ein Bewegen im Lande, oftmals in Tarnung und mit speziellen Zielen, eine Mischung aus Abenteuer und Covert Operation quasi, die sich des Rahmens der Legende bedient und sein eigenes Ding dann, allerdings stilistisch deutlich an den sowieso alles überschattenden Robin Hood, König der Vagabunden (1938), inklusive auch dem Auftreten von Don Taylor hier orientierend erzählt.

Zwar wird hier tatsächlich wie zu Zeiten von Opas Kino – was  der Film mit seinem Herstellungsjahr '54 und damit kurz vor dem Erscheinen der seriellen Die Abenteuer von Robin Hood 1955-1960) ja nun mal auch zugehörig ist – oftmals grundlos und übertrieben schallernd gelacht und sich mitsamt deutlich falschen Ziegenbart, falscher Glatze und auch unechter Plauze durch den kurzen Kostümschinken chargiert, ist die Inszenierung aber flott und legt Wert vor allem auf die Dekoration auch; die vielleicht etwas einfach gestrickt, aber ordentlich grob gehauen und schief gezimmert und demnach nicht zu verachten ist. Dabei ist die erste Hälfte von dem heimlichen Eindringen inkognito und als Art wandernder Minnesänger im roten Dress (deswegen der dt. Titel) und im Alan-a-Dale Stil sichtlich die bessere, da mehr geboten und in der Bewegung und der Dramatik mehr agil; im Schloss selber wird ein Katz-und-Mausspiel veranstaltet, bei dem sich immerhin eine starke Frauenfigur und diesmal auch fern von amourösen Anwandlungen und der Damsel in Distress - Geschichte herauskristallisiert.


(*Der 1973 noch extern im Kino veröffentlichte Wolfshead: The Legend of Robin Hood (1969), von John Hough und mit u.a. David Warbeck, Kathleen Byron, Dan Meaden ist ursprünglich ein für das Fernsehen hergestellter Pilotfilm ohne anschließende Verlängerung als Serie gewesen.)

Details
Ähnliche Filme