Nach dem der Hammer-Produzent und -Teilinhaber Anthony Hinds im Juli 1953 den erfolgreichen Fernseh-Sechsteiler namens "The Quatermass Experiment" von Nigel Kneale sah, war er so fasziniert, dass er sich bereits nach der dritten Folge bei der BBC die Filmrechte sicherte und den Stoff 1954 den Regisseur Val Guest anbot. Aber Guest wollte nie etwas mit Horror oder Science Fiction zu tun haben, weshalb er das Drehbuch ungelesen in die Ecke warf. Erst nachdem ihm seine Frau vorwarf abgehoben zu sein, riskierte er einen Blick in das Skript und war sofort begeistert. Jedoch nahm er nur auf dem Thron des Regisseurs platz, wenn er der Geschichte einen semi-dokumentarischen Charakter verpassen dürfte. Nigel Kneale war nicht sonderlich begeistert davon, dass ein schon gestrafftes Skript von Guest noch mal überarbeitet und die Story somit von 3 auf eineinhalb Stunden gestutzt wurde.
Aber nicht nur die Tatsache, dass er wieder einmal der einzige war, der nicht an der Verfilmung seines Stoffes verdiente und dass man sein Werk so stiefmütterlich behandelte, machte Kneale wütend, nein, viel mehr, dass man sich für die Rolle des Raketenforschers Bernard Quatermass den Amerikaner und Alkoholiker Brian Donlevy aussuchte, war für Kneale demütigend genug. Donlevy konnte sich in den 30er und 40er Jahren als Filmschurke in diversen Genres einen Namen in Hollywood machen und schaffte es doch tatsächlich während der Dreharbeiten halbwegs nüchtern zu bleiben. Von Kneale als „Proleten“ beschimpft, war zumindest Val Guest mit seinem „Star“ zufrieden. Aber ich schätze mal, es war nicht einmal Donlevys Alkoholabhängigkeit, die Kneale zur Weißglut brachte, vielmehr schien es daran zu liegen, dass wieder einmal ein wichtiger Teil seiner Arbeit geändert wurde. Im Originalskript war Quatermass ein nachdenklicher, von Zweifeln zermürbter Visionär, wirkte im Film jedoch bodenständig, selbstbewusst, autoritär und sehr amerikanisch. Dies kann aber nicht die Tatsache verleugnen, dass Donlevy seine Rolle sehr Glaubhaft spielt und in keiner Minute fehlbesetzt wirkt. Als Astronaut Victor Caroon gebührt Richard Wordsworth jedoch den größten Respekt. Sein Schauspiel ist perfekt und mehr als nur beeindruckend. Ohne auch nur ein Wort zu reden mimt er den Astronauten, dessen Körper von einer fremden Lebensform übernommen wurde mit einer herausragenden Brilianz. Umso ungewöhnlicher, dass dies seine einzigste Hauptrolle blieb.
Im Verlauf des Films macht Caroon eine Entwicklung durch, die sich nicht nur körperlich sondern auch psychisch bemerkbar macht. So schleicht der verzweifelte und von dem Parasiten innerlich zerfressene Astronaut durch die Straßen Englands. Auch der Flucht vor sich selbst erleben wir wie Caroon immer mehr von seiner Persöhnlichkeit verliert und nur noch eine Hülle ist in dem sich ein außerirdischer Organismus eingenistet hat. Am beindruckensten ist hier wohl die Szene mit dem Kaktus, der sich aus seiner Hand bildet. Im Stande sämtliche Materie die er berüht in sich aufzusaugen, hinterlässt er eine Welle lebloser Hüllen in England bis es zur finalen Mutation kommt, die für die damaligen Verhältnisse hervorragend inszeniert wurde. Auch wenn gerade ein etwas jüngeres Publikum das Gezeigte belächeln wird, hat der Film in all seinen Jahren nichts von seinem Zauber verloren. Eine deutlich von “Frankenstein“ inspirierte Szene mit einem kleinen Mädchen sorgt ebenfalls für einige unwohle Momente und zeigt deutlich, dass Caroon immer wieder gegen den Parasiten in ihm ankämpft, weshalb man ruhig sagen darf, dass man hier einen weitaus weniger dramatischen Verlauf als Jahre zuvor in “Frankenstein“ erleben darf.
Wo man damals in der TV-Version ein mit Fetzen benähten Gummihandschuh zu Gesicht bekam, der teilweise sogar von Nigel Kneale selbst gespielt wurde, musste fürs Kino etwas Eindrucksvolleres her. Man schuf drei verschiedene Modelle aus Flüssiggummi und im Schlachthof gekaufte Innereien, um das Monster schleimig erscheinen zu lassen. Außerdem war das Material flexibel genug um es mit Hilfe von elastischen Bändern zu bewegen.
“The Quatermass Xperiment“ lief 1955 sehr erfolgreich in England an und wurde für das amerikanische Publikum erst in “Schock“ und dann in “The Creeping Unknown“ umbenannt. Das X wurde nach der Prüfung des Film 1955 anstelle des EX eingesetzt, da die Zensoren den Film mit einem X-Rating (ab 16 Jahre) freigaben. In Deutschland wurde der Film unter “Schock“ veröffentlicht und bekam in den Jahren zwei völlig unterschiedliche Synchronisationen verpasst.
“Schock“ war der Auftakt einer ganzen “Quatermass Trilogie“, die 1967 mit “Quatermass and the Pit“ endete. Erst weitere 10 Jahre später wurde das Thema mit der 4teiligen TV-Serie “Quatermass Conclusion“ fortgesetzt und unter dem selben Titel dann als gestraffter Zusammenschnitt von 104 Minuten als Film vermarktet, der in den Jahren in Vergessenheit geriet...