Review

„Komm hia nomma hin, doh!“ – So spricht man eigentlich nur im Kreis Lippe und tatsächlich, - der Drive-in kam mir doch gleich so bekannt vor.
Die Jungs aus Lemgo und Umfeld haben konsequente Arbeit geleistet, was die Warnung auf der DVD-Hülle verspricht: „Achtung! Das Programm auf dieser DVD ist übertrieben asozial, versoffen, brutal, blutrünstig und gewalttätig! Es kann zur absoluten Beklopptheit führen!"
Halbwegs unterhaltsam kann das jedoch allenfalls für Trash-Freunde in komatöser Bierlaune ausfallen.

Weit entfernt von einer Handlung oder einem roten Faden, reihen sich parallel erzählte Ausschnitte durchweg asozialer Leute aneinander. Zwei Nerds dröhnen sich mit Wachholder zu, zwei Freaks prügeln sich im Wald kaputt, ein peinliches Helge Schneider-Imitat zieht sich erst einen Porno rein und irrt dann durchs Treppenhaus, ein Checker wird begleitet, wie er sich Burger beschafft und an anderer Stelle geht es bei einer dreiköpfigen Familie drunter und drüber. Da wird in einer Tour gebrüllt, gelallt, geprügelt, nach Bier verlangt und in irgendeiner Form herum gerotzt.

Eine Pointe sollte man bei alledem nicht erwarten, eine tiefgründige Aussage ohnehin nicht.
Ganz offenkundig stand ein – wir lassen uns jetzt mal so richtig gehen – im Vordergrund und so zieht sich eine Sequenz bei den Säufern minutenlang hin, die Dialoge sind teilweise kaum zu verstehen und man wartet eigentlich nur darauf, dass einer dem anderen endlich die Visage poliert. Bei den Kampfhähnen im Wald klappt das besser, - da brüllt man erst ein wenig, bis schließlich massenweise Blutkapseln gespuckt werden und sogar eine Axt mit anschließender Gedärm-Fuddelei eingebracht wird.

Amüsant ist hingegen die Episode mit dem Drive-in, in der die Hauptfigur vom Beifahrersitz aus gefilmt wird. Warum auch immer, brüllt der da unkontrolliert herum, dichtet der Zubereitung seiner Malzeit unsittliche Aspekte an und muss dann prompt zwanzig Minuten auf die Dinger warten, um anschließend in einer Mischung aus Freude und Wut wieder weg zu fahren. Da könnte man schon fast von einer Geschichte mit Sinn sprechen.

Dieser geht den restlichen Ergüssen leider völlig ab. Ganz ohne Zusammenhang läuft da eine Szene mit zwei Junkies, die sich auf einer Bank, neben vier älteren Damen, die in Alltagsgespräche verwickelt sind, die Spritze setzen und sich freuen. Mehr nicht.
Auch die Episode, in der der versoffene Siggi seine Ann-Kathrin (ein verkleideter Typ) tot prügelt, bringt, außer dem typisch lippischen Slang, keinen Unterhaltungswert und auch die Verkleideten, die sich Bauschaum und WC-Ente reinpfeifen, amüsieren höchstens für ein paar Sekunden, jedoch nicht über mehrere Minuten am Stück.
Die rund 62 Minuten Laufzeit hätte man gut und gerne auf die Hälfte begrenzen können.

Immerhin kommt es noch zu kleinen Splatter-FX mit Hackebeil im Gesicht und einen Kehlenschnitt, eine Nebelmaschine kommt auch zum Einsatz und am Ende folgt der Szenenwechsel von Episode zu Episode ein wenig flotter.
Doch wirklich sehbar ist das Ganze, auch für geneigte Horror-Fans, die mit ein wenig Trash umzugehen wissen, wahrlich nicht.
Das Sammelsurium, in einer Mischung aus Improvisation und Delirium mit authentisch wirkenden Zügen, könnte in der Tat kaum bekloppter ausfallen, bietet nach einiger Eingewöhnungszeit aber auch seine dreckigen Reize mit sehr eigenwilligem Charme.
Ist nur die Frage, welchem Zuscherkreis man das überhaupt empfehlen könnte…
4 von 10

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