Review

Regie-Newcomer Pierre Morel produzierte mit dem Altmeister Luc Besson einer der schonungskosesten und kompromisslosesten sowie durch Starbesetzung ausgezeichneten Thriller der letzten Jahre. Abgerundet wird die spannende Story mit internationalen Schauplätzen sowie einer Menge Action.

Story:
Der ehemalige Topagent Bryan (Liam Neeson) bemüht sich vehement um die Gunst seiner 17jährigen Tochter Kim, die er aufgrund seiner früheren Berustätigkeit mehr oder weniger verloren hat. Nachdem seine geschiedene Frau Leonore sowie Kim ihn überzeugen, einen Trip nach Europa zu genehmigen, kommt es zum erwarteten Eklat. Kim wird dort von einem Schmuglerring entführt und Bryan bleiben lediglich 96 Stunden, um die Räuber zu identifizieren und seine Tochter zu finden. Ein mördersicher Kampf gegen die Zeit beginnt.

Kritik:
Mit dieser Art von Actionthrillern setzt sich 96 Hours im genreüblichen Stil durch. Typische Thrillerelemente wie Zeitdruck, Hoffnungslosigkeit sowie Dramatik werden hier weitestgehend verarbeitet. Morel verzichtet bei seiner Darstellung auf filmverlängernde Nebenhandlungen und konzentriert sich ausschließlich auf den Hauptplot: Bryans Suche nach Kim

Nach der kurzen Charaktereinführung Bryans und Kim, spielt sich der Film hauptsächlich im Bereich der Suche nach Kim ab. Dahingehend nimmt der Film auch nach einer kurzen Einführung sofort rasant an Tempo auf und behält dieses bis zum dramatischen Höhepunkt bei. Selten war ein Film so rasant und schnell von der Abfolge der Actionsequenzen wie Morel ihn konzipierte. Diese kompromisslose Darstellung erweist sich als ein durchaus angenehmes Filmmoment, da sich somit der Zeitdruck Bryans wesentlich besser nachvollziehen lässt und sinnlose Nebenhandlungen nicht berücksichtigt werden.

Im puncto Action kann 96 Hours absolut punkten. Endlich wieder gute hausgemachte Action, die auf dramatische CGI-Effekte oder überdimensionale Effekthascherei verzichtet. Wir haben hier einen dermaßen grundsoliden Actionfilm, der das Actionherz der 90er Jahre wieder aufkeimen lässt. 96 Hours erinnert an Filme wie Man on Fire, Con Air, The Rock usw. Morel gelingt es sehr gut, die teilweise - für heutige Verhältnisse - "altmodischen" Actionelemente wie Mann mit Knarre rennt Tür ein und ballert alles nieder, was nicht bei drei seine Frage beantwortet hat - geschickt ineinander zu verweben. Genrefans kommen voll auf ihre Kosten. Im Gegensatz zu einem ähnlich gestrickten Film wie Transporter 3 schafft es 96 Hours in Sachen Action beständig am Limit zu bleiben. Es gibt kaum sinnlose Dialoge oder Miss Sommersprosse (vgl. Kritik zu Transport 3), sondern vielmehr haben wir einen beständigen Wechsel von, schießen, rennen, fahren, schießen, schlagen, schießen, fahren :-). Also wirklich die einfachsten Elemente, aber sehr gut kombiniert.

Inwieweit die Darstellung des teilweise hyponervösen Bryan in Realitt nachvollziehbar ist, lässt sich nicht so leicht einschätzen. Dennoch gelingt es Neeson, den besorgten und rigorosen Vater, sehr gut und authentisch zu mimen. Hierbei ist besonders die Mimik von Neeson hervorragend, der durch seine - dem Alter schuldend - neuen Falten noch besorgniserreender aussieht als ohnehin schon. Allerdings gibt er einen grundsoliden Ex-Agent ab, der sein Handwerk der "Folterkünste" aufs genaueste versteht.
Weitere Charaktäre näher zu beschreiben hat keinen Zweck, da 96 Hours eine One-Man-Jagdshow ist.

Kritisch anzumerken ist allerdings, dass 96 Hours nicht ganz die Erwartungen der Gänsehautspannung aufweisen kann. War der Trailer noch so, dass er einem eine Gänsehaut auf den Rpcken zauberte, so ist der Film in realita eine reine "Haudrauforgie" im besten Sinne. Hier hätte man durchaus den einen oder anderen Spannungsmoment mehr einbauen können (z.B. dunkle Gänge, spitzfindigere Wortduelle etc).

Der Schluss fällt meiner Ansicht nach etwas zu positiv aus. Haben wir Bryan als Vater kennengelernt, der seinen Job für seine Tochter opferte, so wäre der krönende Abschluss der gewesen, dass er sein Leben stellvertretend für seine Tochter gegeben hätte und somit wirklich in jeder Hinsicht alle für seine Kim getan hätte.

Fazit: Mit 96 Hours kehrt ein "veraltetes" Modell des Actionfilms zurück auf die Kinoleinwand. Morel gelingt es eine durchaus faszinierende Darstellung eines Vaters zu inszenieren, der mit allen Mitteln seine Tochter aus den Klauen der Schmuggler zu befreien versucht. Hierbei verzichtet er allerdings nicht auf zum Teil "groteske" Gealtdarstellung, die den Film zu einem schonungslosen Bodycounstreifen mutieren lässt. Allerdings spielt Liam Neeson eine seiner besten Performances der letzten Jahre und somit können für den Actionfan 9/10 verteilt werden.

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