Review

Luc Besson hat ein Faible für Geschichten, in denen ein Fremder in die Stadt der Liebe kommt, eine Tour de Force abliefert, eine Menge Leichen Zurück läßt und dann wieder so verschwindet als wäre nichts passiert.
In diesen Geschichten wird Paris immer als ein Sündenpfuhl dargestellt und nicht so sehr wie noch in Ein Amerikaner in Paris. Beirut, Bagdad ist nichts gegen diese Stadt des Bösen.
Das war in Kiss of the Dragon so, das ist auch in Taken so.

Doch während Kiss of Dragon eine durchgängige Story mit fein nuancierten Charakteren aufwies, wo sogar der superschmierig-geniale Tcheky Karyo nicht deplatziert wirkte, so ist Taken eine einzige One-Man-Show von Liam Neeson.
Es gibt keine Gesichter zu den Schurken, nur ein Opfer für Mr Neeson nach dem anderen.
Es gibt keine großartige aufbauende Geschichte, er geht nach Paris, prügelt sich durch Paris, rettet seine Tochter, finito.
Dass der Film dabei eine Länge hat wie John Rambo sagt wohl einiges über die erzählerischen Defizite aus. Wenn man auch noch bedenkt, dass die erste halbe Stunde ein nicht vorhandener Plot vorgesäuselt wird mit Neesons Aushilfsjob als Bodyguard bei der supersüßen Holly valance und seinem verzweifelten Versuch als Vater gegenüber dem neuen Stiefvater zu punkten, welcher wirklich wie aus einem Bilderbuch daher kommt, setzt dem ganzen die Krone auf.
Auch dass ausgerechnet seine Tochter ein herzensreines dummes Naivchen sein soll, ist dermaßen überspitzt und plump in Szene gesetzt, dass es fast weh tut.
Ausgerechnet das Lost-Luder Maggie Grace spielt diesen verspielten Teenager zwar ziemlich gut, aber für die Inszenierung eines stringenten Filmes ist das dann doch ein bißchen zu viel des Guten.

Letztendlich haben wir einen Film, der auch Jack Bauer goes oder does Paris heißen könnte. So plump und brachial kommt eigentlich sonst nur 24 beim großen Publikum an. Doch wo 24 sich noch Zeit nimmt, nehmen muß, huscht dieser Film dämlich durch.

kein Wunder, dass ausgerechnet der erzkonservative Rechtensender Fox diesen Film produziert hat, denn Fremdenfeindlichkeit scheint dort Programm zu sein (siehe auch 24), und wird auch hier zelebriert.

Will man einen guten Film zu diesem thema sehen, dem empfehle ich Kiss of Dragon. Dort wird zumindest nicht so stark auf Fremdenfeindlichkeit und Rassismus gesetzt, auch ist die Action dort besser choreographiert.
Will man aber einen sehr guten Film zu diesem Thema sehen, so ist uneingeschränkt Frantic empfehlenswert, denn auch hier wird Paris zwar als gefährliches Pflaster dargestellt, aber mit sehr viel mehr Reiz und Stil. Auch ist Harrisson Ford unter Roman Polanskis Regier weitaus menschlicher als die Kampfmaschiner Charles Bronson, äh Liam Neeson, in diesem Schinken.

Gut gemachte Action, schlichte, krude Story, die ich so ähnlich in einem Softporno auf Vox sogar besser umgesetzt gesehen habe.
Fazit: Mies!

3 Punkte

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