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Als Subgenre des klassischen Actioners ließe sich dieser klar über „Verbrecher haben sich mit dem Falschen angelegt“ definieren.
Es geht um Mädchenhandel, einen albanischen Verbrecherring in Paris und einen ehemaligen Agenten, der sich ohne Rücksicht auf Verluste seine entführte Tochter zurückholen will, - Und das gerät schon allein deshalb unterhaltsam, weil Hauptdarsteller Liam Neeson eine Figur zwischen Jack Bauer und Macgyver verkörpert.

Rund 25 Minuten reichen für die Figureneinführungen, das Verhältnis zwischen Ex-Agenten Bryan Mills (Liam Neeson) und Tochter Kim (Maggie Grace) auszuloten, die etwas grimmige Ex-Frau (Famke Janssen) beizufügen und dann in Paris das Entführungsdrama um Kim und ihrer Freundin zu schildern.
Man spürt gleich aus welchem Holz Mills geschnitzt ist, als er den Entführern am Telefon verkündet: „Ich werde sie finden und ich werde sie töten“ und das ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

So geht es für den Helden kurzerhand nach Paris, um erste Hinweise zu sammeln, denn dem Titel gemäß bleiben ihm nur 96 Stunden, bis sich die Spuren zu Tochter Kim im Sumpf des Verbrechens verlieren werden.
Und es fügen sich viele glückliche Umstände, da der Agent (über dessen beruflichen Hintergrund man nie Näheres erfährt) von vornherein ein übermäßig glückliches Händchen darin hat, schnell an die richtigen Mittelsmänner, die entsprechenden Orte und die hinweisgebenden Utensilien zu gelangen.

Und was der alles kann, - für ein Heroin-Opfer bastelt er aus seinem Handgepäck ein Aufbaupräparat, um es intravenös zu verabreichen, innerhalb weniger Sekunden kann er einen Revolver aufspüren und die Kugeln entwenden, ohne dass der Besitzer es innerhalb der eigenen Wohnung merkt und sollte sich doch mal eine prekäre Situation einstellen, kommt ihm mindestens ein Heizungsrohr zugute, welches gleich drei, vier Schurken außer Gefecht setzt, - körperlich ist er zwar nicht ganz so fit, gerade beim Verfolgen zu Fuß, dafür ist ihm kampftechnisch kaum ein Gegner gewachsen, diverse gezielte Tritte und Handkantenschläge bestätigen das.

Somit sollte man zahlreiche Unwahrscheinlichkeiten innerhalb eines nahezu reibungslosen Ablaufs schlicht ignorieren, obgleich der Spaß dadurch zum Teil noch begünstigt wird.
Das Tempo ist enorm hoch, die Action mit einigen Verfolgungsjagden, Schlägereien, Schießereien und Explosion ordentlich und die Fronten zwischen Gut und Böse waren selten so klar unterteilt.
Neeson holt das Beste aus seiner Rolle zwischen Rächer und überbesorgten Familienvater raus, während die übrigen Teilnehmer eher blass daher kommen, jedoch allesamt glaubhaft genug agieren.

Dazu kommen nette „emphatische“ Inserts, ein paar sarkastische Dialoge und die latent dreckige Atmosphäre einiger Hinterhöfe, Baustellen oder Gassen besorgen den Rest.
Wie bei einem Ego-Shooter begleitet man Mills auf seinem gnadenlosen Weg, der die reinste Odyssee darstellt, jedoch ab und an mit zu glimpflichen Ereignissen begleitet wird, dafür aber mit enormer Wucht und sauberen Motiven kaschiert.
Toller Actioner, der nach kurzer Anlaufphase so richtig Gas gibt, denn dieser Held ist oftmals konsequenter als vergleichbare Rächer…
8 von 10

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