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In Frankreich entstehen nicht nur die härtesten Horrorthriller, sondern auch im Genre Action schwimmen sie ganz vorne mit. "96 Hours" ist genau das, was ich mir seit Jahren gewünscht habe und tut dem völlig vernachlässigten Genre sehr gut. Man sieht es auch gleich an der Resonanz der Zuschauer, denn die Kinokassen klingelten nicht zu kurz. Weltweit spielte dieser kompromisslose Actionflick bisher über 200 Millionen Dollar ein, das Budget betrug gerade mal 30 Millionen Euro. Natürlich hatte hier Luc Besson (Das fünfte Element, Nikita) seine Finger im Spiel, nicht nur als ausführender Produzent, sondern auch als Drehbuchautor. Hier arbeitete er mit einer weiteren Größe zusammen, denn Robert Mark Kamen (Lethal Weapon 3, Karate Kid) füllt die gleichen Funktionen aus, wie Besson. Der ehemalige Kameramann Pierre Morel übernahm die Regie, Besson entdeckte das Talent und setzte ihn das erste Mal bei "Ghettogangz - Die Hölle vor Paris" auf den Regiestuhl. Somit hat Morel ein wenig Erfahrung im Genre Action, was ihm hier sichtlich zu Gute kommt.

Bryan Mills (Liam Neeson) war für die US-Regierung tätig, doch wegen seiner Tochter Kim (Maggie Grace) hat er den Job aufgegeben. Auch Bryans Ehe mit Leonore (Famke Janssen) ging dabei zu Bruch. Mittlerweile ist Bryan geschieden und schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch. Doch als seine Tochter in Paris von Menschenhändlern entführt wird, geht der Frührentner noch einmal auf die Jagd. Ihm bleiben genau 96 Stunden Zeit, danach sieht er seine Tochter nicht wieder.

Wenn es nach "96 Hours" geht, dürfte man sich in Paris nachts gar nicht mehr auf die Strasse trauen. Da tummeln sich die Verbrecher aus verschiedenen Ländern. Wir haben es hier nicht nur mit Albanern zu tun, sondern auch Weiße und sogar ein Scheich haben die Finger im Spiel. Doch bis es zu der Entführung von Kim kommt, vergeht eine knappe halbe Stunde. Vorher beschäftigt sich Morel mit seinem Hauptcharakter Bryan, der ein wenig paranoid ist, wenn es um seine Tochter geht. Durch seinen Job bei der Regierung war er an Kim´s Erziehung nur geringfügig beteiligt. Nun versucht er seiner 17 jährigen Tochter wieder näher zu kommen, doch Leonore ist weiterhin nicht besonders gut auf Bryan zu sprechen. Nebenbei lässt sich Bryan zu einem kleinen Job überreden, wo er eine Sängerin vor einem Attentäter rettet. Ansonsten hält sich "96 Hours" in der ersten halben Stunde mit Action zurück und dank der großartigen Darsteller ist das Geschehen trotzdem fesselnd.

Liam Neeson hätte man diese kompromisslose Rolle gar nicht zugetraut. Doch sein Charakter ist noch mehr als eine pure Mordmaschine, er zeigt auch Gefühle, besonders wenn es um seine Tochter geht. Dank seiner Größe und den recht breiten Schultern, überzeugt er in seiner wohl härtesten Rolle. Die restlichen Darsteller haben alle nicht genügend Screentime, um sich richtig in Szene zu setzen. Da wären Famke Janssen als Leonora und Xander Berkeley als ihr neuer Mann Stuart. Kim wird von Maggie Grace sehr gut verkörpert, in einer Nebenrolle ist Holly Valance zu finden.

An der Stadt der Liebe lässt "96 Hours" kein freundliches Wort. Paris präsentiert sich als sehr düster, auf Baustellen finden sich Bordelle, sowie in dunklen Hinterhöfen. Durch diese gewollt triste Umgebung bewegt sich Bryan, auf der Suche nach seiner Tochter. Dabei kommt er den Tätern schnell auf die Schliche, doch die albanischen Menschenhändler sind sehr gut organisiert und auch die Polizei hängt mit drin. So wird der ruhige Bryan oft zur Furie, prügelt und schießt sich Ort zu Ort. Der Genrefan darf sich auf viele knüppelharte Nahkämpfe freuen, die spektakulär choreographiert sind. Ungefähr im Stile von Jason Bourne, aber nicht so hektisch geschnitten und wesentlich härter. Daneben gibt es einige Shootouts mit blutigen Einschüssen, zudem darf unser Held einige Genicke brechen. Eine schicke Verfolgungsjagd rundet das gelungene Actionpaket ab.

Nach einer ruhigen halben Stunde, lässt es "96 Hours" gewaltig krachen. Non-Stop ist Bryan in Keilereien und Schießereien verwickelt und stellt ganz Paris auf den Kopf. Die harten Actionszenen sind meisterlich choreographiert, Liam Neeson macht seine Sache toll. Mit seinen 90 Minuten Lauflänge ist "96 Hours" spannendes und kompromissloses Actionkino vom Feinsten, nur das Happy End wirkt ein bisschen unpassend.

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