Pierre Morel. Das is der, der Ghettogangz gemacht hat, haut mit 96 Hours endlich ma wieder 'n richtigen Actionfilm raus. Fast wie zu Stirb Langsam-Zeiten. Schnörkellos, vordergründig und mit ganz vielen Ballereien und Verfolgungsjagden. So muss das sein. Und das aus Frankreich. Sogar die sind besser in Actionfilme machen als Deutsche. Drehbuch stammt vom guten Luc Besson. Den Helden spielt unser Lieblings-Schindler Liam Neeson.
Die Geschichte: Tochter will mit Freundin nach Paris. Vater (Liam Neeson, hab' den Namen des Helden vergessen) macht sich Sorgen und will das nicht, Tochter fliegt aber trotzdem und wird bereits am ersten Tag von Menschenhändlern entführt und muss von Papa gerettet werden. Und das in 96 Stunden. So lange dauert es durchschnittlich, bis die Mädchen mit Heroin zugedröhnt weiterverkauft werden. Absehbar, wie das alles ausgeht: Vater fährt nach Paris, haut Gangster platt und rettet Tochter. Dem ist auch so. Von Anfang an kann man sich den weiteren Verlauf ausmalen, aber genau darin liegt in meinen Augen des Filmes Wirkung: Man will das so. Man erwartet keine komplexen Handlungsstränge, kein nerviges Gerede zwischendurch, sondern einfach nur Aktionen, die geradeaus mit dem Kopf durch die Wand vollzogen werden. Wenn Neeson loszieht und einen Anhaltspunkt nach dem anderen ausfindig macht, hier und da einen Ganoven ausquetscht und zwischendurch mal einen abmurkst, ist man einfach ganz vorne dabei.96 Hours stellt eine typische One-Man-Show dar, Kampf im Alleingang. Man fühlt zwar mit dem Vater, der einfach alles für seine Tochter tun würde, doch scheint er oft auch zu perfekt zu sein. Er kann einfach alles. Irgendwann stört das jedoch gar nicht mehr, sodass man nur noch gespannt ist, wie er es aus der nächsten brenzligen Situation schaffen mag. Das wird teilweise stark übertrieben und exorbitant gefeiert, was dann eventuell unfreiwillig komisch wirken kann. Sicher hätte es nicht geschadet, dem Protagonisten ein Paar Schwächen zuzuschreiben, hätte es ihn doch umso authentischer gemacht. Wenn man jedoch erst einmal weiß, was 96 Hours uns eigentlich sagen will, erübrigt sich dies.Gerne hätte man auch die vielen unnötigen Dialogszenen weglassen können, z.B. die diversen Streitereien mit der Ex-Frau und dem Blödsinn mit der Sängerin, die der Held als Sicherheitsbediensteter beschützen muss. Ich will mehr Hetzjagden und Schusswechsel.
Ein einfacher Film für einfache Leute. Aber allemal besser als Alarm für Cobra 11. Haha.
9/10 Punkte im Actionkosmos. Wer Fan des Genres ist, wird den lieben. Ein kurzer, nach vorne preschender Film, der vielleicht nicht so populär ist wie Stirb Langsam oder Rambo, aber dennoch die Chance auf Kultstatus hat. 96 Hours ist einer dieser Streifen, die man sich einmal ansieht und dann geil findet, die man aber kein zweites Mal sehen muss. Einfach gute Unterhaltung, um 93 Minuten totzuschlagen.