Review

Die Zeit war noch nicht reif für einen Film, der bis in die letzte Konsequenz seine bitter böse Idee vom (fast) "perfekten" Verbrechen und der möglichen Rache des Opfers ausspielt. Soweit meine These.

Der Schnorchel ist ein spannender, gut besetzter Film,  mit einer außergewöhnlichen Idee. Man nehme dazu den klassischen Mord im verschlossenen Zimmer, der nur mit Hilfe eines Tricks auszuführen ist. - Der Trick wird hier mit einem Schnorchel ausgeführt, daher der Titel des Films.

Aus heutiger Sicht wirkt der Trick etwas unbeholfen, antiquiert und nicht mehr wirklich durchführungsfähig.
Der Film krankt dazu auch an einigen inhaltlichen Schwächen und Logiklöchern:

So hat der Mörder ehe er den sehr aufwendigen Mord im verschlossenen Raum konstruiert, scheinbar relativ öffentlich auch schon den Vater seiner jetzigen Stieftochter ertränkt. Warum er dies tat (konnte er sich da schon sicher sein, dass dessen Frau ihn auch heiratet? Wäre eine reiche Singelfrau, für die kein Mord geschehen muss nicht besser gewesen?) wird nicht erklärt.
Auch bleibt ein riesiges Logikloch warum er die Tochter des vermutlichen Rivalen nicht gleich mit umbrachte, sondern als Zeugen (der aber niemand glaubt, warum auch immer; Kinder scheinen per se unglaubwürdig zu sein-eine problematische Sichtweise) leben ließ (nur um dann später erfolglose zu versuchen sie umzubringen). Der Logiklöcher und Probleme gibt es mehr-ich lasse es aber hier gut sein. Ich möchte auch keinen kompletten Verriß schreiben-mir hat der Film nämlich tendenziell, trotz seiner Schwächen, gefallen.

Erwähnen will ich aber noch, dass die Untersuchungen der Polizei, vor allem am Tatort lächerlich sind; der Passtrick wäre  wohl auch mit etwas Mühe leicht zu durchschauen gewesen. Denkt man über den Film etwas nach, wirkt er leider sehr konstruiert- letztlich zu konstruiert (vielleicht auch bewusst? um Nachahmung oder eine zu große Schockierung des Publikums zu verhindern?).

Dennoch funktioniert der Film bis hierhin-das Ganze macht von der dichten Atmosphäre her richtig Spaß und der Film tendiert schon leicht in Richtung Horror.

Das große Problem für mich ist der Schluß!
Ich hätte den Film 5 Minuten früher enden lassen, so dass dem Mörder sein (fast) "perfektes" Verbrechen  und seine eigene Bosheit zum Verhängnis geworden wären (ich gehe nicht weiter ins Detail um nicht zu spoilern -jeder der den Film sieht wird verstehen was ich meine). Das Mädchen wäre durch dieses Ende nicht moralisch belastet und der Film hätte eine Art Horrorende (ähnlich lebendig Begraben oder Pendel des Todes).

Leider entschied man sich anders; das Mädchen kehrt zurück - immer noch wäre ein Horrorende möglich gewesen, nur jetzt mit moralischer Belastung des Mädchens, dass sich nun wissentlich gerächt hätte (in der Zeit und in dem Land wo der Film gedreht wurde, wäre diese Konstellation aber wohl am abwägigsten)

In letzter Sekunde bricht der Film ein, das Mädchen verzichtet unglaubwürdig auf seine Rache und der Film verschenkt ein sehr derbes Horrorende, das möglich gewesen wäre zu Gunsten eines seichten Endes mit rosa Wölkchen. Dafür ziehe ich dem Film volle 2 Punkte ab, denn hier hat man es verschenkt sich aus der Masse der damaligen Durchschnittsfilme deutliche abzuheben und hat sich ganz dem Mainstream und Durchschnitt ergeben.
Evtl. war die Zeit einfach nicht da um einen Film mit so bösem Grundtenor bis in die letzte Konsequenz zu verfilmen. Zensur und Gegendruck von Moralaposteln waren in dieser Zeit stark-leider.

Es bleibt so leider nur sich vorzustellen was hätte möglich sein können.

Von mir gibts durchschnittliche 5,5 Punkte für diesen atmosphärischen Krimiflick, der es leider nicht schafft den angedeuteten Horroraspekt durchzuspielen und freiwillig zu Gunsten eines rosa Wölkchenendes (bei dem der Täter nicht wirklich bekommt, was er verdient gehabt hätte) einknickt.

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