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Und noch einmal ein Griff in die TV-Filmkiste von yesteryear, noch einmal Barbara „Jeannie“ Eden. Nachdem ich mit „The Woman Hunter“ von 1972 mittels letaler Gähnattacken untergegangen war, war es nur logisch, mal einen Schritt zurückzutreten und es mit dem bekannteren „A Howling in the Woods“ zu versuchen, den, sie direkt davor 1971 drehte.

„Howling“ ist wesentlich bekannter geblieben und wird gern allerorten mal als „Horror/Grusel“ verkauft, es handelt sich aber um ein veritables Thrillerdrama von altem Schrot und Korn. Ein paar Gruseleffekte kommen auch drin vor, wer aber aufgrund des Titels einen Werwolffilm erwartet, dem sei gesagt, es ist lediglich ein Hund. Ein trauriger Hund. Ein rachsüchtiger Hund hätte mir besser gefallen, aber nun ja…

Zunächst mal: es handelt sich hierbei tatsächlich um eine Romanverfilmung. Keine Weltliteratur, aber Velda Johnston war höchst produktiv und sehr erfolgreich im damals überaus populären Untergenre der „Gothic Romance Novels“, erkennbar von den 60ern bis in die 90er an den dramatischen Covern, auf denen die Protagonistinnen häufig mit wehenden Haaren bei Nacht aus düsteren Schlössern und Häusern flüchteten, in denen exakt ein Zimmer beleuchtet war. (Wer möchte, möge bei Pinterest mal nach „Women Running away from houses / castles“ googeln.)

Die Stories waren Mysteryromanzen, meist um rätselhafte Bedrohungen und Erbschaften, bei denen sich die schicksalshaft geprüften Herren der Schöpfung meist erst nach Überwindung eines Traumas der Heldin (die häufig verängstigte Nächte hinter sich hatte) als mögliche gute-bis-bessere Hälfte andienen konnten.

Der Film verlegt das Geschehen, das durchaus typisch ist, dann doch in eine Kleinstadt nach Nevada, wo man ebensogut vor sich hinvegetieren konnte, wenn man viel Schuld auf sich geladen und noch dazu irgendwo eine Leiche versteckt hatte.

Eden spielt in diesem Fall eine wohlhabende Tochter des Hauses (irgendeines Hauses dort), welches mal wieder nach Hause kommt, nachdem das mit der Ehe nicht so dolle geklappt hat. Auszeit ist angesagt, und wie uns der Vorspann schon angeteasert hat, es handet sich mal wieder um Larry Hagman, Edens alten Schmusebär aus „I Dream of Jeannie“, hier mal kurz vor der Scheidung. Gut, wieso Scheidung wird nicht so ganz klar, aber das macht nichts, kann der Ehemann auf die letzten 15 Minuten glatt zur Rettung ansetzen.

In good old hometown ist leider nichts wie früher, alle gucken misstrauisch aus der Wäsche, sind wortkarg, mürrisch und wollen Edens „Liza Crocker“ gar nicht wieder hier haben. Daheim ist dann auch der Daddy abgängig, den Liza besuchen wollte, aufgebrochen zu einer Expedition Richtung Mexiko. Dafür gibt’s aber noch die Stiefmutter Rose, die von der Hitchcock-geschulten Vera Miles gegeben wird. Mit im Haus ist auch noch so eine Art Schüler/Semiadoptiv-Sohnemann/Klaviator namens Justin, den John Rubinstein gibt, welchen ich mir seit „Die Fälle des Harry Fox“ im Geiste immer durch die Comedybrille ansehe, selbst wenn er fast nur Arschlöscher und Psychos spielt. Ergänzend rennt auch noch Tyne Daly in relativer Erntefrische als Schulfreundin, die ein Geheimnis hütet, durch den Ort – gute zehn Jahre vor ihrem Ruhm als Polizistin in „Cagney & Lacey“.

Der Plot ist hübsch mysteriös aufgeladen, hier wird ein Mädchen als Teaser getötet, da heult ein Hund im Wald, findet sich ein Grab im nächtlichen Sturm, spielen merkwürdige Puppen eine Rolle. Dahinter stecken 1-2 gepflegte Tragödien, bei denen kleinbürgerliche Spießer mal wieder auf Gräbern tanzen, bis es ihnen um die Ohren fliegt. Und daheim im alten Elternhaus ist auch nicht alles beim Alten, denn wenn der Film sich final aus dem suspensegefüllten Kellergeschoss befreit, werden drei Personen im Film abgetreten sein.

Das ist nicht alles Gold was glänzt, nach gutem Start, tuckert der Film etwas vor sich hin, aber die kniffligen Verbindungen zwischen den Figuren und das westernhafte situative Schicksal der Gemeinde halten einen dann doch auf Kurs. Miles hat viel zu wenige Auftritte, Rubinstein zu viele und der Film ist halb rum, ehe Hagman überhaupt mal zu sehen, statt nur zu hören ist.

Eden kommt hier etwas besser weg als in „Woman Hunter“, allerdings hat man wieder das Gefühl, man hat sie nur als Kleiderständer engagiert, denn sie wirkt quasi permanent overdressed, während die Städter in Sack- und Country-Asche rumlaufen. Immerhin darf sie hier aber mal schauspielern und gelinde Panik verströmen, wenn sie auch selbst im Showdown nicht sonderlich viel zusammen bekommt.

Immerhin: der drückt ganz beachtlich auf die Tube und rundet dieses düstere Thrillerdrama-Moralstück ganz gut ab, so dass ich solide 6/10 zücke, allerdings wäre eine gute Kopie angebracht, denn die Kleinstadtlandschaft spielt der Stimmung hier ganz gut in die Karten.

Ein solider Mystery-Beitrag, der aber dann doch besser eine andere Darstellerin verdient gehabt hätte. Für einen TV-Film aber gute Arbeit.











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