Als Terence Fisher die Regie für die Adaption des Bühnenstückes „The Man Who Could Cheat Death“ übernahm, war er bereits bei den Hammer Filmstudios etabliert. Der Erfolg von „Dracula“ ließ ihn auch Christopher Lee für eine Nebenrolle ins Boot holen, wogegen sein eigentlicher Hauptdarsteller Peter Cushing sechs Wochen vor Drehbeginn absprang und kurzfristig durch Anton Diffring ersetzt werden musste. Ein Fluch und Segen zugleich.
Paris 1890: Der renommierte Arzt Dr. Georges Bonnet (Diffring) führt eine erfolgreiche Privatklinik und stellt nebenher Büsten seiner Musen aus. Doch er muss dringend operiert werden, da sein Körper alle zehn Jahre eine bestimmte Drüse benötigt, um sich seine ewige Jugend zu bewahren. Als sich der Chirurg Dr. Pierre Gerrard (Christopher Lee) lange Zeit gegen einen Eingriff wehrt, muss Bonnet härtere Geschütze auffahren, um seinen Kollegen umzustimmen…
Fisher hat schlichtweg ein Gespür für eine stilvolle Ausstattung, selbst wenn sie wie hier in einem vergleichsweise kleinen Rahmen zur Geltung kommt. Der Großteil der Handlung spielt sich in den Räumlichkeiten des Mediziners ab, welcher zwar wie 40 aussieht, jedoch bereits 104 Jahre alt ist, da er den Schlüssel zur ewigen Jugend gefunden hat, niemals altert und keiner Krankheit anheim fällt.
Thematisch erinnert der Stoff an eine Mischung aus Jekyll und Hyde, Dorian Gray und Jack the Ripper, doch die Herkunft des Bühnenstückes haftet dem Treiben nahezu dauerhaft an, zumal es lediglich zwei kurze Außenszenen gibt. Hier dominieren zwar Nebel, Schattenspiele und mindestens eine Katze im Hintergrund, doch der geringe inszenatorische Aufwand macht sich durchaus bemerkbar.
Stattdessen gibt es eine unglückliche Liebesgeschichte (mit Hazel Court als Janine), viele moralische Argumente im Austausch mit Professor Weiss (Arnold Marlé) und einen ermittelnden Beamten im Zuge einer verschwundenen Dame, der eher zur Nebenfigur verkommt und nur zum Antrieb entscheidender Schritte fürs Finale da ist.
Dazwischen kommt der Horror reichlich kurz und es gibt nur eine Teilverwandlung der Hauptfigur, die zumindest überzeugender gestaltet ist, als eine Szene während des Showdowns, welcher überdies relativ rasch über die Bühne geht.
Darstellerisch liefert Lee die beste Vorstellung, indem er sich komplett zurückhält und eher mit kleinen Gesten performt. Das Gegenteil liefert Marlé als leicht naiver Professor, während Hazel Court mit charmanten Einzelmomenten überzeugt. Äußerlich stellt Anton Diffring mit seinen hellblauen Augen einen recht auffälligen Mediziner dar, doch zwischenzeitlich wirkt er arg hölzern, einige seiner Bewegungen wirken unsicher, was ein wenig im Widerspruch zum selbstsicheren Mediziner steht. Der Score von Richard Rodney Bennett fällt zwar zweckdienlich aus, die atmosphärische Dichte des Haus – und Hofkomponisten James Bernard erreicht er jedoch nicht.
Das viktorianische Flair, die liebevolle Ausstattung, die Kostüme und die Aufmachung der wenigen Figuren überzeugt zwar und verleit dem Treiben die fast schon typische Hammer-Note, doch in Sachen Stimmung und Grusel kommt der Streifen nicht mit den besten des Hauses mit und reiht sich somit in die Kategorie der unauffälligen Beiträge ein, die eher für Komplettisten der Filmschmiede geeignet sind.
6 von 10