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„Ihr habt euch gegen die Göttin Kali versündigt!“

Der britische Regisseur Terence Fisher („Dracula“, „Frankensteins Fluch“), einer der versiertesten und fleißigsten Filmer für die altehrwürdigen „Hammer Film Productions“, drehte im Jahre 1960 mit „Die Würger von Bombay“ einen Film, in dem sich Abenteuer-, Historien- und Horrorfilm-Elemente vermischen.

Indien im 19. Jahrhundert: Machtlos muss die britische Kolonialmacht mit ansehen, wie Handelsreisende immer wieder spurlos verschwinden. Sie werden überfallen, beraubt, erwürgt und verscharrt. Captain Harry Lewis (Guy Rolfe, „Dolls“) kommt einem Geheimkult auf die Spur, der die Göttin Kali anbetet und ihr Opfer darbringt – doch niemand will ihm Glauben schenken…

„Die Würger von Bombay“ ist ein unheimlich dialoglastiger Abenteuerfilm, der leider viel zu sehr auf das hektische Herunterbeten für die Handlung nicht wirklich notwendiger Informationen setzt. Zeit für schauspielerische Glanzpunkte bleibt da kaum und so kommt es, dass die Herren in ihren Kostümen selten Authentizität und Glaubwürdigkeit ausstrahlen. Immerhin führen sie das Geschehen nicht ad absurdum, sondern bemühen sich um Ernsthaftigkeit und einen gewissen Anspruch. Rechte Atmosphäre, die den Zuschauer ins Indien des 19. Jahrhundert zurückversetzt, will in den nüchternen Schwarzweißbildern jedoch nicht aufkommen: Zu selten schöpft man das exotische Potential der Prämisse aus, zu allgegenwärtig bleibt der kulissenhafte Eindruck. Eingesetzte Archivaufnahmen wie die eines Kampfes zwischen Mungo und Schlange sind schnell als solche zu entlarven.

Seine stärkeren Momente hat Fishers Film, wenn manische Kultanhänger ihre Konsequenz unter Beweis stellen und Ängste vor martialischen fremden Traditionen und Riten schüren sowie die Erhabenheit der Kolonialmacht ankratzen. Was die visuelle Darstellung expliziter Gewalt betrifft, soll „Die Würger von Bombay“ zudem verhältnismäßig offenherzig konzipiert worden sein, was man dem Zuschauer in der deutschen Fassung jedoch vorenthält und den Film damit seiner dramaturgischen Höhepunkte beraubt haben dürfte. Insofern bezieht sich meine Kritik leider auf einen unvollständigen Film, der in der vorliegenden Form nicht mehr ist als ein höchst durchschnittliches Vergnügen für Freunde alter europäischer Abenteuerschinken oder „Hammer“-Komplettisten.

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