Aus dem Hause der Hammer-Studios stammen nicht nur Vampir, Werwolf und Monster, - auch subtilere Beiträge, die ganz klassisch an Filme wie „Lebendig begraben“ oder „Die Wendeltreppe“ erinnern, sorgen nach wie vor für angenehme Gruselstimmung.
Hier vermischt sich Horrorkino mit Krimi-Anteilen und regt den Betrachter sogar zum Mitdenken an.
Das Geschehen spielt sich in einer Villa an der französischen Riviera ab, in die Millionenerbin Penny Appleby, die seit einem Unfall an den Rollstuhl gefesselt ist, nach zehn Jahren Abwesenheit zurückkehrt. Ihr Vater sei auf Geschäftsreise, erklärt Stiefmutter Jane, doch Penny sieht nachts die tote Gestalt ihres Vaters. Mit Hilfe des Chauffeurs Bob versucht die verängstigte Frau Licht ins Dunkel zu bringen.
Der Stoff verbreitet eine sanft-traurige Stimmung, die nicht zuletzt von der charismatischen Hauptdarstellerin Susan Strasberg ausgeht, die in ihrem Rollstuhl, blass und mit Sonnenbrille sehr zerbrechlich wirkt. Hinter allem verbirgt sich ein melancholischer Grundton: Der verschwundene Vater, den man lange nicht sah, das Leben im Rollstuhl, welches die Hauptfigur in einen desolaten Zustand brachte, die kühle Distanz der Stiefmutter, deren Fürsorge von Beginn an geheuchelt wirkt und der sinistre Arzt (Christopher Lee), der Penny Unbehagen bereitet.
Eingebettet wird ihr Handeln in angemessen düstere Sets wie eine Rumpelkammer, ein kleiner, lange nicht gereinigter Swimmingpool, sowie die raue, felsige Küstenlandschaft, die die Einsamkeit der Hauptfigur in adäquate Bilder taucht.
Selbstverständlich spielt hier kein Toter Klavier, übersinnliche Elemente bleiben weitestgehend außen vor, auch wenn Penny das Klavierspiel ihres Vaters wahrzunehmen meint, das Zimmer betritt und der Raum daraufhin leer erscheint.
Vielmehr deutet im Verlauf alles auf eine Intrige hin, die jedoch auf den ersten Blick nicht so eindeutig ausfällt wie vermutet.
Jede Figur könnte ein perfides Spiel treiben, davon ist grundlegend niemand ausgeschlossen.
So gilt es, das Geheimnis einer ominösen Telefonstimme zu entschlüsseln, dem mysteriösen Poltern im Nebenraum nachzugehen und herauszufinden, warum das Schloss an der Gefriertruhe ausgetauscht wurde.
Dabei wird der Zuschauer latent in die Irre geführt, was der finale Plot Twist durchaus überraschend unterstreicht, auch wenn in diesem Zusammenhang einige Begebenheiten etwas arg zufällig erscheinen und das Grundgerüst der Story somit auf etwas wackeligen Beinen steht.
Dennoch ist Regisseur Seth Holt ein durchweg stimmungsvoller Beitrag gelungen, der mit sehr stilvollen Bildern eine dichte, in vielen Momenten träumerisch-traurige Stimmung schafft, die sich weniger auf Schockeffekte konzentriert, sondern eher erscheint, als hätte Hitchcock eine Variante von „Bis das Blut gefriert“ gedreht.
Spannend, intelligent und toll besetzt, - ein Psychodrama mit ungeahnt feinsinnigen Nuancen, man leidet mit der Hauptfigur und ist umso überraschter, wenn sich am Ende doch nicht alles so auflöst, wie anfangs angenommen.
Für Freunde britischer Klassik-Grusler ein absolutes „Must see“ !
8 von 10