Stricke, Schizophrenie & Sensibilitäten
Eine junge Frau im Rollstuhl kommt nach einem bösen Badeunfall in ihr luxuriöses Familienheim an der Côte d’Azur. Doch schnell scheint sie eher an ihrer geistigen Gesundheit zu zweifeln, da sie nachts immer wieder das Klavier hört und sogar die Leiche ihres eigentlich toten Vaters immer wieder auftaucht… Spielt da etwa jemand ein perfides Spiel mit ihr?!
Hohe Schreie ohne Arschgeweihe
Hier hat sich Hammer ganz klar an Hitchcocks Überhit „Psycho“ und fast noch klarer an Clouzots ebenso genialen „Les Diaboliques“ orientiert, die beide eine neue, realistischere Ära des Spannungskinos eingeläutet hatten. „Scream of Fear“ verlässt vampirisch-übernatürliche Pfade für die britische Kultschmiede und setzt vollstens auf menschlichen Psychoterror. Sicher auch ein gutes Doppel mit sowas wie „Wait Until Dark“, der ja ebenfalls mit einer behinderten Protagonistin frische Impulse setzen konnte. Susan Strasberg sieht hier der jungen Audrey Hepburn sogar recht ähnlich. Beide bezaubernd und mit einer sehr modernen Attraktivität und Art von Frau. Und diese psychologischere Art passt durchaus zu den Hammer Studios aus dieser Zeit. „Scream of Fear“ hat visuelle Kontraste und storytechnisch Wendungen en masse, selbst wenn aus heutiger Sicht nicht mehr alles total überraschend oder innovativ kommt. Wahrscheinlich sogar schon damals nicht. Aber es funktioniert. Es packt einen. Es erzeugt oft genug Gänsehaut und Neugier. Es klickt. Ein Teilchen greift ins nächste. 80 Minuten sind kurz, knackig und konkret. Der Pool, die Riviera, der Rollstuhl, die wandernde Leiche, die flackernden Kerzen. Sitzt, passt, wackelt nicht. Da gucke ich gerne zu. Stilvoll und spannend.
Fazit: zwischen Rollstuhl und Rubixspannungscube - „Scream of Fear“ beweist mit Stil und Schatten, dass die Hammer Studios auch reale „Monster“ abbilden konnte. Selbst wenn Vorbilder in dieser Richtung wie „Die Teuflischen“ nochmal eine klare Klasse höher spielen.