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Um es gleich vorweg zu nehmen: "Terror der Tongs" aka "Geheimbund Hongkong" ist einer der deutlich schwächeren Hammer-Filme.

Dabei ist das Szenario gar nicht uninteressant. Lange vor dem Asia/Kung-Fu-Hype in den 70ern unternimmt das britische Studio den Versuch, eine solide Krimi-Handlung an exotische Schauplätze zu verlegen und dabei die örtliche Mafia zu beleuchten, die sog. Tongs. Dies sind aufeinander eingeschworene Gruppen oder Bruderschaften, ähnlich den Triaden in China. Also organisierte Kriminalität der übelsten Sorte, die hier in dem noch zum Commonwealth gehörenden Hongkong wütet (bzw. wüten soll). Das Drehbuch ist in Grundzügen von Terence Fishers "Die Würger von Bombay" abgekupfert, ebenfalls ein Hammer-Film, doch aus dem Jahre 1959. Offensich hielt man es für lohnenswert, nur den Handlungsort innerhalb Asiens zu wechseln und nochmals eine ähnliche Story zu drehen, die Filme könnten dammals also recht erfolgreich gewesen sein.

Die aktuelle Bewertung fällt deutlich nüchterner aus, und das auch zurecht. Die Handlung ist arg vorhersehbar und bietet keinerlei wirkliche Spannungsmomente, was für einen Krimi in der Regel eher schlecht ist. Dazu kommt die allzu seichte Umsetzung eines potentiell düsteren und gewalttätigen Stoffes. Es geht immerhin um eine Gruppierung des übelsten Mördergesindels, die mit Drogen und Menschen handelt und ihren Wirkungskreis mit Angst und Terror überzieht, um sich ihren Profit zu sichern. Diese Vereinigung wirkt hier allerdings eher wie eine religiös angehauchte Karnevalstruppe. Christopher Lee ist dabei als Kopf der Bande leider kaum eine Hilfe, denn seine Darbietung gemahnt eher an einen Hersteller chinesischer Kalenderspruchkarten als an einen gemeinen Gangboss. Das Hammer hier mit der Maske nicht geizte und quasi Lees späteren Look als Dr. Fu Man Chu vorweg nahm, ist ebenfalls nur begrenzt wirkungsvoll. Dennoch muss man die Maske für das Umgestalten des Briten zum Asiaten loben, denn das hier ein Europäer mit Mandelaugen steht, fällt wirklich nicht auf. Wenn man nicht wüsste, das Lee mit spielt, müsste man glatt zweimal hingucken. Der Schauspieler sagte später auch, dass dies von der Maske her eine seiner unangenehmsten Rollen war. Leider hat sich der Aufriss kaum gelohnt.

Der einzig etwas reell wirkende Mitarbeiter des Syndikats ist Lees massiger Chinesen-Bodyguard, der aber nach kurzer Judo-Einlage denn auch recht fix das Zeitliche segnet. Mit Anthony Bushell, der ansonsten überwiegend für das englische Fernsehen drehte und schauspielerte (u.a. in der "Quatermass"-Serie), hat man hier ganz offensichtlich daneben gegriffen und auch Hammer-Drehbuch-Veteran Jimmy Sangster kann hier nichts mehr heraus reißen.

Hauptdarsteller Geoffrey Toone macht seine Sache allerdings absolut grundsolide, dem massigen Iren nimmt man den handfesten Seemann ohne weiteres ab. Aber auch seine Darstellung verliert ohne entsprechenden Handlungsraum recht schnell ihren Reiz, denn es fehlt einfach komplett an Geschwindigkeit und Spannung. Hier hätte man von Hammer deutlich mehr erwarten können, in Anbetracht der sonstigen in diese Schaffenszeit fallenden Werke, die oftmals mit den hier fehlenden Elementen nicht geizten. Auch wer Blut und Gewalt erwartet, wird enttäuscht, denn Kampfszenen gibt es nur wenige (und wie gesagt, sehr seicht) und blutig wird es auch nur in Ansätzen. Wobei hier in der deutschen Fassung offensichtliche Schnitte enthalten sind, aber auch das Original wird kaum viel heftiger sein.

Leider enorm verschenktes Potential, mit einer etwas mehr in Richtung brutalem Thriller verschobenen Inszenierung hätte sich der "Terror der Tongs" weitaus besser entfalten können. So aber kann man nur hartgesottenen Hammer- und Lee-Freunden eine Empfehlung aussprechen.

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