Die mit dem Oscar prämierte Dokumentation "Taxi zur Hölle" trägt ihren Titel, da sie von einem Taxifahrer erzählt, der unwissentlich einige mutmaßliche Terroristen mit seinem Taxi gefahren hatte, und deswegen vom US-Militär gefangen genommen wurde. Nach nur wenigen Tagen in US-Gefangenschaft war er tot.
In dem Film wird uns einerseits die Geschichte des Taxifahreres Dilawar erzählt. Darauf aufbauend jedoch erfahren wir, wie der Weg der Ereignisse war, die vom Krieg in Afghanistan zu den Folterbildern von Abu-Ghuraib geführt haben.
Anhand von Quellen und Interviews führt uns der Film vom Pentagon, nach Bagram und über Abu-Ghuraib nach Guantanamo. Wir erfahren, warum und wie gefoltert wurde, wer dafür verantwortlich ist und warum nichts dagegen unternommen wurde. Ehemalige Gefangene, US-Soldaten und Politiker kommen dabei zu Wort.
"Taxi zur Hölle" bedient sich dabei aber nicht plakativer und fragwürdiger Methoden, wie wir ihnen in den Filmen eines Michael Moore begegnen, sondern belegt einzeln und sehr genau seine Aussagen. Und das ist bei den schweren Vorwürfen, die dieser Film erhebt, auch notwendig.
Was mir nicht gefallen hat, war aber, dass die US-Soldaten, die selber Gefangene gefoltert haben, als Opfer dargestellt wurden und ihre Verantwortung heruntergespielt wird. Die Hauptverantwortung liegt natürlich - wie auch im Film gesagt - bei den Vorgesetzten und Machthabern, aber das spricht die Aufseher der Gefängnisse nicht von ihrer Schuld frei.
Man hat den Eindruck, dass der Film den "kleinen Mann" schonen will, damit dieser ihm glaubt. Das hat der Film aber nicht nötig, denn die Wahrheit, die hier gezeigt wird, ist eigentlich unübersehbar.
Fazit:
Prinzipelle Amerikahasser werden an diesem Film ihre wahre Freude haben. Aber auch wer einen differenzierteren Blick auf die Ereignisse und die Politik Amerikas hat und kein prinzipieller Verdammer ist, kommt bei dieser Dokumentation auf seine Kosten; vor allem dank der sehr guten Recherche, die die Autoren betrieben haben. Das ist Journalismus auf einem Niveau, das man sonst in den Medien vergeblich sucht. Es bleibt aber natürlich weiterhin Aufgabe des Zuschauers, sich mit dem Film und seinen Inhalten kritisch auseinanderzusetzen. Ein gute Ausgangsbasis wird einem dafür in jedem Fall geboten.