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„Sie dachten, England wäre das Land der strümpfestrickenden alten Damen.“

Ein recht unbekannter Film der britischen „Hammer Film Productions“ ist „Sie sind verdammt“ vom gebürtigen US-Regisseur Joseph Losey aus dem Jahre 1963. Es handelt sich um ein in Schwarzweiß gedrehtes, dystopisches Science-Fiction-Drama nach einer Literaturvorlage von H.L. Lawrence.

Anfangs könnte man sich noch in einem Film über Jugendbanden oder juvenile Rebellion wähnen, denn King (Oliver Reed, „Der Fluch von Siniestro“) ist der Anführer einer Bande motorisierter Rowdys (im Film als Teddyboys bezeichnet, auf mich eher den Eindruck von Rockern machend), die kleineren Gaunereien nachgehen und im Zuge derer den US-amerikanischen Urlauber Simons Wells (Macdonald Carey) überfallen, der aber alsbald sehr zum Unmut Kings ein Techtelmechtel mit dessen Schwester (sehr sexy: Shirley Anne Field) eingeht. Wenn Kings uns seine Bande im Stechschritt und ein Lied pfeifend uniformiert losmarschieren, fühle ich mich unweigerlich an Stanley Kubricks „A Clockwork Orange“ erinnert, denn das Auftreten und die Ausübung der Gewalt folgen einer strengen Ästhetik.

Ein starker Auftakt, der letztlich aber in eine ganz andere Richtung führt, als man zunächst annehmen könnte. Die Handlung läuft darauf hinaus, dass nach beide Parteien nach einem Katz- und Mausspiel in einer unterirdischen Forschungsstation am Meer stranden, wo sie auf von der Außenwelt hermetisch abgeschottete, nuklear hochgradig verstrahlte Kinder treffen, die in völliger Isolation aufwachsen – spezielle „Züchtungen“ des Militärs für den Fall eines Atomkriegs.

Damit setzt „Sie sind verdammt“ ein kritisches Statement hinsichtlich der Atom- und Rüstungspolitik der damaligen Zeit. Viele Filmemacher haben die Angst vor den unberechenbaren Folgen der Atomtechnologie aufgegriffen, doch in dieser, leicht an das „Das Dorf der Verdammten“ erinnernden Form war mir bislang keine Umsetzung bekannt. Die Kinder werden ohne es zu wissen und ohne es zu wollen zu einer Gefahr für die Menschen, die ihnen begegnen und die sie als willkommene Abwechslung neugierig ausquetschen. Ein normales Leben wird ihnen nicht ermöglicht. Das pessimistische Ende unterstreich den warnenden Charakter des Films, dessen Spannung aufgrund seiner Vorhersehbarkeit vielleicht etwas auf der Strecke bleibt, dies aber durch britischen Charme, seine Ernsthaftigkeit und ein furios aufspielendes Schauspielerensemble in unwohlig-atmosphärischem Ambiente wettmacht. Ein kleiner Geheimtipp.

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