Review

Es gibt diese Szenen, die einem aufgrund unnachgiebiger Brutalität im Gedächtnis haften bleiben. Etwa, die Feuerlöscher-Szene aus „Irreversible“ oder die Sache mit der Flasche aus „Pans Labyrinth“. Mit der aus „Carver“ kommt nun eine weitere hinzu, die vor allem den männlichen Betrachter reichlich auf den Sack gehen dürfte…

Jedoch kommt man nicht umhin, diesem Slasher seine Einfallslosigkeit in Sachen Sujet vorzuwerfen, denn es geht um nichts anderes, als dass eine kleine Gruppe Twens in der Einöde campen will und tödliche Bekanntschaft mit einem dicken Redneck in Schlachter-Montur macht.
Nur, sollte man beim Wetten um einen potentiellen Survivor vorsichtig sein, - ich für meinen Teil lag völlig daneben.

Trotz der etwas lang erscheinenden 97 Minuten (uncut) hat Regisseur Guerrero Jr. seine (mal wieder angeblich auf wahren Fakten beruhende) Geschichte geschickt aufgebaut.
Pete, Bryan, Kate, Zack und Rachel verbringen zwar einige Zeit in der Kneipe eines Hinterwäldlers (von dem man sogleich erfährt, dass der seine Finger mit im Spiel hat), doch es wird kaum Zeit mit Albernheiten verplempert, selbst die obligate Pimper-Szene bleibt aus.
Eine bedrückende Stimmung hängt latent in der Luft und die verstärkt sich natürlich spätestens, als eine Außentoilette voller Exkremente betreten wird.
Mit dem Morden lässt man sich viel Zeit, weiß aber an der Spannungsschraube zu drehen, ohne mit Belanglosigkeiten zu nerven.

Die Figurenzeichnung reicht indes aus, um jeder Person wenigstens eine charakteristische Eigenschaft zuweisen zu können. So fällt denn dem Ängstlichen als einziger auf, dass die Aufnahmen auf den alten Filmrollen in einer Scheune, die die Gruppe sogleich abspielt, eben keine Spielfilme darstellen, sondern die wahren Taten eines Killers dokumentieren.
Natürlich glaubt ihm niemand, weshalb die Mordreihe irgendwann auch einsetzt.

Und da geht es wahrlich ans Eingemachte, Gore-Freunde werden ohne Ende abfeiern.
Denn so dämlich auch der Gesichtsausdruck des fettleibigen Killers ist, so überraschend einfallsreich entpuppen sich seine Grausamkeiten. Ob da nun mehrfach ein langer Nagel ins Fleisch gehämmert wird (er zieht ihn jedes Mal wieder heraus), der Vorschlaghammer zigfach zulangt oder ein Sägeblatt in Kehle oder Gesicht landet, - die FX sehen durch die Bank ordentlich aus und in Sachen Härte erreicht man durchaus den Level vom ungeschnittenen „Hostel“.

Das Geschehen beschränkt sich jedoch nicht auf die Aneinanderreihung derber Effekte, sondern nimmt sich Raum für einige spannende Momente, die fürs Genre zwar dazugehören, aber eben ansprechend umgesetzt wurden.
Dazu zählt das nächtliche Im-Wald-streunen-und-nach-dem-Freund-rufen, sich irgendwo zu verstecken, während der Schlachter ganz in der Nähe ist und nicht zuletzt diverse Befreiungsversuche, wenn man denn bereits am Stuhl gefesselt ist oder versucht, mit dem Schlüssel zum Auto zu gelangen, bevor der Bösewicht diesen Vorgang zunichte macht.

Die dreckige Atmosphäre, die nicht nur aufgrund der soliden Ausstattung, Anwendung leichter Farbfilter und meistens ruhiger Kamera herrührt, wird vor allem durch den Score unterstützt, der nämlich fast gar nicht vorhanden ist. Stattdessen setzt man effektiv auf Soundeffekte und Ruhe, - eine Mischung, die bereits dem legendären Kettensägenmassaker zu einer intensiveren Stimmung verhalf.

Prinzipiell haben wir also den absolut durchschnittlichen Slasher – Teens/Twens werden beim Campen im Wald vom Redneck gestört – ohne wirkliche Kniffe innerhalb des Skripts.
Was ihm jedoch zugute kommt, sind nicht nur einige harte Gewalteffekte, sondern passable Darstellerleistungen (die ab Einsatz von Folter und Schmerz deutlich authentischer wirken) und Figuren, die oftmals erstaunlich glaubhaft agieren und vielleicht nicht gleich nach einem Schlag gegen den Killer wieder weglaufen.

Also eine klare Empfehlung für eingefleischte Genre-Fans, nur mit dem von Vinyl erklingenden Song „Turkey in the Straw“ sollte man vorsichtig sein, der bleibt leider auch lange hängen…
7 von 10

Details
Ähnliche Filme