Carver
(Sunfilm/ Anolis)
Auch wenn die Geschichte oder das Setting eines Genres ausgeschöpft erscheint, gelingt es einigen Vertretern, dieses mit einem neuen Impuls, einer neuen Ausgangssituation oder eben auch drastischer Kompromisslosigkeit neu zu beleben, oder einfach nur für eine spannende und abwechslungsreiche Unterhaltung zu sorgen. Unterhaltung ist allerdings bei dem vorliegenden Film Carver die falsche Beschreibung, zeigt er doch (wenigstens in der ungeschnittenen Version) schmerzhaft auf, was für Torturen dem menschlichen Körper angetan werden können.
Die Geschichte ist dabei zu Beginn so offensichtlich wie alt bekannt. Eine Gruppe von jungen Urlaubern möchte zu einem Campingausflug aufs Land fahren. Die Konstellation der Gruppe ist wie bei jedem anderen Vertreter des Genres gleich gewählt (ein Bruderpaar und ein Pärchen), diese treffen sich in einer obskuren und wenig idyllischen Kneipe, wo man jedoch dem Besitzer verspricht, ihm für Freigetränke einen Gefallen zu tun, und ihm mit ihrem Wagen aus einer verlassenen Hütte Geschirr zu transportieren. Der geneigte Zuschauer jedoch weiß schon zu Beginn, dass hier nicht alles mit rechten Dingen zu geht, und die ländlichen Protagonisten einem unheimlichen Hobby frönen. Als unsere Gruppe, nun um ein weibliches Mitglied (welche man vor Ort kennen gelernt hat) reicher, in dieser Hütte ankommt, findet man dort beim stöbern einen Projektor und Filmmaterial, welches einem offensichtlich Zeuge von gewalttätigen Ermordungen werden lässt (wobei unsere Protagonisten erst denken, dass es sich um einen schlechten Amateurfilm handelt, später jedoch ähnlich unglaubwürdig und überzogen dramatisch reagieren wie Nicolas Cage in 8mm). Nun denn, es kommt, wie es das Genregesetz vorgibt, die Gruppe kehrt trotzdem zurück (es gibt schließlich Freibier!!!), und wird im restlichen Verlauf des Filmes drastisch dezimiert.
Hier gelingt es Regisseur Franklin Guerrero Jr. (The 8th Plague), den ersten Eindruck des Filmes zu korrigieren, denn die zu Beginn eingeschlagene Methode der digitalen Handkamera (was ja schnell zu einem eher amateurhaften Look verkommen kann) erweist sich im Verlauf der Handlung als geeignetes Stilmittel, den Zuschauer in das Geschehen zu ziehen.
Da die Darsteller gerade in den dramatischen Szenen durch gute und glaubwürdige Darstellung glänzen, entwickelt sich eine immer intensivere dramatische und teils sogar wirklich spannende Atmosphäre, die durch die bedrückenden Settings gut unterstützt wird. Umso erschreckender treten dann die teils wirklich drastischen Effekte hervor, die die Gewalttaten auch für den Zuschauer nahezu spürbar machen (hier steht dann allerdings die deutsche Veröffentlichung etwas weiter hinten, da diese Effekte der Freigabe wegen entschärft werden mussten).
Carver erfindet das Rad nicht neu, liefert aber einen soliden Beitrag, der auf Grund der gelungenen Atmosphäre, der teils überzeugenden Darsteller und der Kunst, zwischen den Morden die Handlung und ihre Protagonisten glaubhaft in den Fokus zu stellen (und damit den Zuschauer intensiver in das Geschehen zu ziehen) definitiv zu überzeugen weiß, und ihn über die Masse der ähnlich gearteten Veröffentlichungen stellt.
CFS