Die Kritik beruht auf der Unrated-Fassung mit einer Laufzeit von 98 Minuten vom österreichischen Label NSM und ist somit drei Minuten länger als die geschnittene SPIO/JK-Fassung von SUN FILM ENTERTAINMENT!
Fünf Freunde auf einem Camping-Trip. Der Besitzer des Diners, bei dem sie Rast machen, verspricht ihnen einen ganzen Abend lang freie Getränke und Essen, wenn sie als Gegenleistung für ihn den Schuppen entrümpeln. Mit der Aussicht auf einen feucht-fröhlichen Abend beginnen sie mit der Arbeit. Dabei stoßen sie auf einen Koffer mit alten Super-8 Filmen, die starke Ähnlichkeit mit den berüchtigten Snuff-Filmen aufweisen. Zwar sind sie dadurch etwas beunruhigt, aber trotzdem lassen es die Freunde am Abend so richtig knallen. Zurück auf dem Zeltplatz geht die Party weiter. Doch angeheitert wie die Gruppe ist, bemerkt zuerst keiner, dass einer nach dem anderen verschwindet. Und dass der Diner-Besitzer nichts Gutes mit ihnen im Sinn hat ...
Die kurze Einleitung und der schmutzige Vorspann, bei denen sich angedeutete Greueltaten mit den Credits abwechseln, geben einen kleinen Vorgeschmack auf das, was den Zuschauer in den nächsten 90 Minuten erwarten wird.
Doch der schmutzige Look, der an Backwood-Slasher wie "TCM" oder "Wrong Turn" erinnert, weicht nach der vielversprechenden Eingangssequenz einer billigen Videooptik und lässt im weiteren Verlauf der Handlung jegliche Atmosphäre vermissen.
Das Motiv der Snuff-Filme wird nur leicht angerissen, vielmehr konzentriert sich die Handlung und das Szenario auf einen harten Torture-Porn im Stil von "Hostel" und im Gewand eingangs genannter Backwood-Slasher, wobei lediglich die inszenierten Snuffmovies als auch das schmutzige Kellerverlies als Schauplatz abartiger und derbe inszenierter Foltereinlagen überzeugen können und der Thematik des Films gerecht werden.
Bis es wirklich richtig hart zur Sache geht lässt Regisseur und Drehbuchautor Franklin Guerro einiges an Zeit vergehen, die Hauptcharaktere und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen werden ausführlich dargestellt, sorgen aber genauso wie bei "Motel" dafür, dass das Publikum sich mit ihnen identifizieren kann und ihr späteres Schicksal dem Zuschauer nicht gleichgültig erscheint.
Die Sichtung der Acht-Millimeter-Filmrollen im Verlauf der Handlung lassen böses erahnen, ebenso wie das plötzliche Verschwinden des Sherrifs, und von Anfang an ist klar, von wem die spätere Bedrohung ausgehen wird.
Bis es dann soweit ist verläuft "Carver" recht zäh und nach konventionellen Erzählmustern, um vor allem ab der zweiten Filmhälfte den Zuschauer mit platzenden Hoden, zertrümmerten Schädeln und anderen zermatschten Gliedmaßen zu erfreuen.
Die Splattereffekte sind realistisch und sauber inszeniert und täuschen über die billige Optik des Films hinweg, der trotz seines Low-Budget-Charmes zumindest mit relativ gut aufspielenden Darstellern überzeugen kann.
Gegen Ende schafft es Regisseur Guerro sogar, die Spannungsschraube etwas anzuziehen und überrascht mit einem fiesen und unerwarteten, wenn auch etwas übertriebenen Finale:
um den Film möglichst blutig und verstörend enden zu lassen, schießt sich die bis dahin tough durch das Geschehen kämpfende Kate mit einer Schrotflinte in den Kopf, während Bryan dem Wahnsinn nahe ist und bei erneuter Sichtung einer der Filmrollen feststellen muss, dass Bobby Shaw Carver bei seinen Inszenierungen einen Kameraassistenten hatte, jenem Besitzer des Diners, dem Bryan als letztes zum Opfer fällt.
"Carver" ist eine Low-Budget-Produktion, die für ihre Verhältnisse sehr gut inszeniert wurde, aber niemals die Spannung und Atmosphäre von Vorbildern mit ähnlicher Thematik wie "Motel" oder "Hostel" erreicht. Hier merkt man dem Film an, dass er in einer ganz anderen Liga spielt und den Mangel an Spannung und Atmosphäre mit derben Splattereffekten auszugleichen versucht.
Dies gelingt nur bedingt, dürfte aber angesichts der dargestellten Foltereinlagen das Herz jeden Gorehounds höher schlagen lassen.
6,5 von 10 Punkte!