Die Schlachtplatte "Carver" von Franklin Guerrero Jr. (The 8th Plague, Lackluster Syndrome) hat es wahrlich in sich, der von "Hostel" losgetretene Folterhorror ist damit auf einem neuen Höhepunkt angekommen. Guerreros dritte Regiearbeit kann sich durchaus mit französischen Horrorprodukten messen, genauso kompromisslos und ebenso humorlos geht es hier zur Sache. Ich hatte nur ein Problem nach dem Ansehen, mir ging der Countrysong "Turkey in the Straw" nicht mehr aus dem Kopf.
Die Brüder Pete (Matt Carmody) und Bryan (Neil Kubath) freuen sich auf einen Wochenendtrip mit ihren Freunden Zack (Jonathan Rockett) und Rachel (Kristyn Green). Sie wollen auf einem ehemaligen Zeltplatz campen, der dortige Verwalter Billy Hall Carver (David G. Holland) scheint recht sympathisch zu sein. Bald stößt noch Kate (Ursula Taherian) hinzu, deren Freundin spurlos verschwunden ist. In einer Scheune findet die kleine Gruppe einige Super 8 Filmrollen, welche perverse Morde enthalten. Leider erkennen die jungen Leute zu spät, dass hier ein brutaler Killer sein Umwesen treibt, der seine bestialischen Taten filmt. Nach einer Party ist plötzlich Zach verschwunden.
Auch "Carver" erfindet das Genre nicht neu und auch der Täter steht von Anfang an fest. Kann das gut gehen ? Erstaunlicherweise funktioniert Guerreros Folterschocker ausgezeichnet, auch wenn er eine Weile braucht, bis das Morden beginnt. Er lässt das übliche Teeniegeplänkel größtenteils links liegen und kümmert sich lieber um die Charaktere. Die Brüder Pete und Bryan findet man schnell sympathisch, somit fällt das Mitfiebern einfacher. Nur Zach passt irgendwie nicht in der Gruppe, ein typischer Querulant, der sich einfach mies benimmt, deswegen ist er wohl auch als erstes dran. Wie schon erwähnt ist die Einleitung lang geraten, doch man hat von Anfang an ein ungutes Gefühl. Besonders mit dem Auftritt von Bobby Shaw (Erik Fones), der als Täter schon feststeht. Mehr Infos über die Gebrüder Carver wären aber von Nöten, denn von einem Motiv nicht die geringste Spur. Es werden nicht mal Andeutungen gemacht. So wie es aussieht, tötet und foltert Bobby Shaw aus Lust, doch mittlerweile müsste das mal Jemandem aufgefallen sein. Selbst einen ermordeten Sheriff scheint hier in dieser ländlichen Gegend niemand zu vermissen. So sind leider auch bei "Carver" die Fopas bei der einfachen Story zu finden.
Doch Guerrero dreht kontinuirlich an der Spannungsschraube, besonders das Ansehen der Super 8 Filmrollen in der unheimlichen Scheune, lässt einem die Nackenhärchen zu Berge stehen. Denn die Scheune ist gleichzeitig auch der Folterkeller von Bobby Shaw. Der sieht zwar aus wie ein grenzdebiler Hinterwäldler, hat es aber faustdick hinter den Ohren. So bedient er sich mehrerer Utensilien, um seinen Opfern einen möglichst grausamen Tod zu bereiten. Besonders scheußlich ist die Szene mit dem zerplatzenden Hoden. Stets in Nahaufnahme darf Bobby Shaw seinen Opfern die Säge in den Kopf rammen, sie mit dem Vorschlaghammer totschlagen, ihnen Nägel in den Körper treiben oder sie mit sonstigen Stichwerkzeugen malträtieren. Dabei spritzt das Blut in ganzen Litern umher und die Goreeffekte sind sehr professionel gemacht, von CGI keine Spur. Zartbesaiteten dürften die Folterungen allerdings sehr übel aufstoßen, doch "Carver" hat noch viele andere Qualitäten. Es gibt einige spannende Sequenzen, wenn die jungen Leute durch die Schneune schleichen, in den dunklen Wäldern herumrennen und diesmal hat man gar keine Chance sich dumm anzustellen. Die Gruppe hat schlichtweg keine Chance Bobby Shaw zu entkommen.
Man darf sich schon mal auf ein bitteres Ende einstellen, selbst Leute die als potentielle Helden eigentlich feststehen, sterben hier einen furchtbaren Tod. Auch lässt sich hier noch eine kleine Gemeinsamkeit mit Tobe Hoopers Meisterwerk "Texas Chainsaw Massacre" ausmachen. Der Score besteht neben "Turkey in the Straw" nur aus sehr schrägen Klängen, die eigentlich eher zusammenhanglos die Spannung sehr gut untermalen und fördern.
Zuerst meint man, die Darsteller wären das übliche, völlig talentfreie Junggemüse, doch dem ist nicht so. Ein paar dumme Sprüche, oder pubertäre Witzeleien zu Beginn, doch sobald die Morde beginnen, steigern sich die Jungdarsteller richtig rein. Ihr furchtbares Leiden ist absolut glaubwürdig dargestellt, nur von Erik Fones alias Bobby Shaw hätte ich mir ein wenig mehr erhofft.
Man sollte schon zum harten Kern gehören, um "Carver" ohne Probleme konsumieren zu können. Die meisten werden es als Menschenverachtung pur abtun und Guerrero geht hier ganz schön deftig ans Werk. Explizite Foltereinlagen, völlig kompromisslos und ziemlich authentisch dargestellt. Die Darsteller wachsen in ihre Rollen rein und Guerrero lässt seine Schlachtplatte in der zweiten Halbzeit richtig spannend werden, inklusive kleiner Überraschung zum Schluss. "Carver" bleibt eine Weile im Gedächtnis.