Jetzt hab ich es endlich hinter mir, den ersten Asterix-Film in der Realfassung. Solche Comic-Umsetzung leiden meistens an ihrer totalen Künstlichkeit und die scheue ich seit "Popeye" wie der Teufel das Weihwasser.
Aber für umsonst tut man sich so manches an und deshalb mal ran an das Duo Clavier/Depardieu!
Zunächst mal: es erinnert beständig an die Comics und es ist zum großen Teil auch aus ihnen zusammengebastelt, aber der Film schafft etwas Eigenständiges, von den bekannten Chiffren Abgeändertes, vermutlich um bessere Breitenwirkung zu erreichen. Hat er in Frankreich geschafft, mein Fall ist es aber nicht.
Inhaltlich wird hier aus so manchem Heft was zusammengeklebt, ein wenig aus "Der Seher", ein bißchen "Streit um Asterix", die Love Story aus "Asterix wird Legionär", nur ein Lüftchen "Die goldene Sichel" und ein Hauch Startheft alias "Asterix, der Gallier". Funktioniert so alles in allem als Story tatsächlich einigermaßen, obwohl man das als Asterix-Fan blank mal nicht glauben möchte.
Aber sonst wird der Comic-Stil mit der großen Kelle gereicht und das ist einerseits farbenprächtig und andererseits wunderbar verspielt. Der Wiedererkennungswert ist also dementsprechend hoch und trotz deutlich erkennbarer falscher Bärte und Zöpfe springen einen die Charaktere beim ersten Sehen sofort an. Wenn auch das gute alte Piratenschiff fehlt, so ist doch sonst alles enthalten, was Asterix und Obelix gut und beliebt macht. Zahlreiche Konflikte, noch mehr Schlägereien und diverse nette Bezüge aus alter und teilweise auch aus neuer Zeit.
Womit man sich jedoch meiner Ansicht nach keinen Gefallen getan hat, war die Veränderung der Figurengrundlagen. Sicherlich wollte Depardieu bei seinem Namen ein paar mehr Spielanteile als die tumben Jokes, die Obelix so verdammt liebenswert machen, aber das hier geht etwas weit. Tatsächlich wirken die Charaktere manchmal wie ausgewechselt, der Dramatik wegen geopfert.
Asterix hat hier wenig von seiner Bauernschläue, die ihn im "Dorf der Verrückten" nicht selten zum Einäugigen unter den Blinden macht. In der Seher-Sequenz z.B. wird er als störendes Element zwar entfernt, hat aber vorher keinerlei richtigen Argwohn angemeldet. Die Souveränität des Charakters fehlt zu häufig. Das gilt auch für Miraculix, der hier unter Zwang seinen Zaubertrank kochen soll und das seltsamerweise auch tut, während in den Büchern die Römer mit falschen Tränken ausgetrickst wurden (bzw. die Folter nur zu Lachtiraden reizte). Der Showdown mit den Tieren in der Arena gerät so zu einer panikerfüllten Schreiorgie nach Obelix (obwohl er trotzdem alle Hindernisse übersteht), was nicht nach dem bekannten Asterix aussieht.
So sehr Asterix eingebüßt hat, hat Obelix dazugewonnen. Depardieu läßt die witzigen Aussetzer und die nötige Begriffsstutzigkeit missen, sobald es nützlich für den Film ist. Der sonst reine romantische Tor entwickelt in punkto Falballa ernsthafte Heiratsabsichten und Kußwünsche, die in den Comics unmöglich wären. Er ist zeitweise geistreich, er geht sprachlich in die Offensive, bis er im letzten Viertel im Römerlager in Verkleidung so lange wieder "begriffsstutzig" ist, wie es die Situation erfordert. Das wirkt nicht nur unausgegoren, es ist schlichtweg ärgerlich und falsch.
Dadurch muß man sich auch von einem der größten Vorzüge der Vorlage verabschieden, den kleinen feinen optischen und zeitgeschichtlichen Gags (gut, Brutus ist drin...), die sich so vortrefflich einprägen. Keine feine Ironie, keine ausgespielten Deadpan-Szenen, sondern mehr Geklotze mit dem Budget, reichlich Schauwerte, denen jedoch die bekannte "Seele" fehlt.
So sind dann auch die Neuerungen des Films, die Szenen ohne Grundlage die schwächsten im ganzen Film. Sowohl die lächerliche Arena, eine Tiermonsterparade ohne Witz oder die Verkomplizierungsidee mit Miraculix' Urgroßvater fallen total aus dem Rahmen, den gerade ein vortrefflicher Roberto Beningni als Destruktivus mit grandiosem Overacting immer wieder zusammenhält. Wunderbar chargierend auch ein launischer Gottfried John als Caesar, während man von Laetitia Casta und Hardy Krüger jr. als Tragikomix das leider nicht behaupten kann, da sie nur optische Extras sind.
Am Ende ist das Ergebnis vor allem bunt und laut und unzweifelhaft die Asterix-Welt, aber trotzdem kommt keine wahre Freude auf, obwohl man vom Budget jeden Centime sehen kann und allein bei Kostümen und Ausstattung Großes geleistet hat. Bleibt zu hoffen, daß im zweiten Teil mehr Buchtreue waltet und weniger tolle neue Einfälle, die ich wirklich nicht sehen will. Hier geht's an die Nerven, ist aber trotzdem akzeptabel. (6/10)