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Europa im 4. Jahrhundert: Das gefürchtete Reitervolk der Hunnen ist bereits bis nach Südosteuropa vorgedrungen und überfällt immer wieder die römischen Provinzen, stellt aber für das Imperium keine ernstzunehmende Gefahr dar, weil es zu zersplittert und untereinander zerstritten ist. Der junge Hunnenkrieger Attila will alle Hunnenstämme unter seiner Macht vereinigen, um dem Nomadenvolk eine feste Heimat zu geben und es zu einer neuen Weltmacht zu machen. Attila verbündet sich zunächst noch mit den Römern, merkt aber bald, dass das Imperium ein falsches Spiel mit ihm treibt. Von nun an stellt sich Attila offen gegen Rom und rüstet zur Eroberung des Weströmischen Reiches.

Diese Variante der Geschichte des berühmten Hunneführers ist vermutlich als Zweiteiler konzipiert worden, läuft auf DVD allerdings drei Stunden am Stück und benötigt (auch inhaltlich bedingt) doch eine gehörige Menge an Sitzfleisch. Auch Historiker sollten hier lieber wegbleiben, denn Attilas Geschichte wird doch arg durch den vermeintlich dramaturgischen Wolf gedreht. Wir romantisieren hier den Streit mit seinem Bruder, der dann letztlich zu dessen Tod durch Attila führt, wird hier durch eine Gefangene Schönheit ausgelöst und auch das Attila, ähnlich wie beispielsweise Arminius, eine Art Lehre in Rom als Kriegsazubi bekam, ist ein Einfall des Drehbuchs, um die Beziehung der beiden Leitwölfe Attila und Flavius Aetius auf römischer Seite auf eine emotionelle Ebene zu hieven. Auf diese beiden Anführer und deren Schachzüge konzentriert sich das Geschehen zu etwa gleichen Teilen.
Ansonsten braucht sich diese TV-Produktion aber nicht zu verstecken. Gedreht wurde preiswert im Baltikum und so war man auch in der Lage nicht für das ganz große Geld passable Massenszenen, Bauten und Kostüme zu produzieren. Es gibt immerhin wenige Schlachten zu bestaunen, Zentrum sind aber Dialoge und die diversen politischen Ränkespiele beider Großreiche. So ist der regierende Kaiser in Rom als unerfahrener Tröumer ziemlich schlecht gezeichnet, gegen den und dessen Mutter Feldherr Flavius seine Spielchen treibt, während die Hunnen sich uneins über die Ziele ihrer Plünderungen sind und eben die zwei Brüder um den Thron balgen, nachdem der bisherige Regent auf unerklärbare Art starb.
So wechseln sich dann munter nette Gespräche, gelegentliche Scharmützel ab mit stellenweise fast schon Soap Opera mäßigen Flachheiten. Da können drei Stunden zwischendurch schon mal richtig lang werden. Es scheint beinahe als wollten die Macher für jedes Alter oder Geschlecht interessante Passagen einbauen. Die Darsteller sind dafür gut dabei, da gibt es eigentlich keinen Grund zur Klage. Als Gesamtergebnis bleibt Attila zwar schon positiv aber doch einfach viel zu aufgebläht in Erinnerung.
6/10

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