Review

Die Dänen haben sich ihr kleines Pendant zur „Harry Potter“ – Reihe gebastelt und entgegen aller vorsichtigen Erwartungen funktioniert das überraschend gut. Allzu eigenständig kommt die Story der drei Kids, die die Welt von einem bösen Magier retten müssen, zwar nicht daher, wurde aber flüssig umgesetzt und angenehm fett produziert.

Die Geschichte setzt anno 1871 in Kopenhagen ein: Der gefürchtete schwarzmagische Necromancer wird von den Leuten der „Loge“ vernichtet, doch sein Fluch zeigt bis in die Gegenwart Wirkung. Denn nach dem Umzug aufs Land müssen sich die Geschwister Lulu und Sylvester, sowie Nachbarsjunge Oliver und Parapsychologe Richard gegen den finsteren Magier behaupten, der ein mächtiges Buch zum Zwecke der Weltherrschaft an sich bringen will.

Und somit haben wir alle Zutaten beisammen, die einen Querschnitt aus allen bisher verfilmten Potter-Büchern ergeben. Zwar kann keiner der Kids zaubern, doch Hauptfigur Lulu hat schon einen Draht zum Okkulten, der ihr zum Showdown hilfreich entgegen kommt.
Ansonsten gleicht der Necromancer nicht von ungefähr dem Erscheinungsbild eines Lord Voldemort, die komplette Farbgebung könnte der Komposition von Askaban entnommen sein und selbst die Notenblätter beider Scores würden beim Übereinanderlegen wohl nur leichte Differenzen aufweisen.
Doch trotz aller bewussten oder unbewussten Gemeinsamkeiten verbreitet „Insel der verlorenen Seelen“ richtig gute Laune.

Die Figuren sind sympathisch, die Darsteller agieren überaus solide und die Umsetzung des an sich simplen Plots weist keinerlei Längen auf. Für Abwechslung wird an allen Ecken und Enden gesorgt: So wird der Junge Sylvester eines Nachts von einer Lichtkugel getroffen, wonach eine gute Seele aus der „Loge“ von seinem Körper Besitz ergreift, was im Folgenden leichte Schmunzler mit sich bringt. Das Element der umherirrenden Seelen, die in neue Körper schlüpfen, wird noch mehrfach eingebunden, was teilweise aber doch ein wenig zu aufgesetzt wirkt, um die Humoranteile nicht zu kurz zu halten.
Spätestens, als die Seele eines deutschen Nazi-Fliegers den Körper eines Jungen übernimmt, kratzt man sich schon ein wenig am Kopf.

In die Klamauk-Ecke driftet man jedoch nie ab, der düstere Grundton wird konstant Aufrecht erhalten, wofür nicht zuletzt die leicht schaurigen Gestalten sorgen, die für Kinder gewiss zu gruselig erscheinen. Da gibt es eine skelettartige Vogelscheuche, die im Verlauf mehrfach Jagd auf unsere Helden macht, nebelförmige Schattenwesen und immer wieder flüsternde Seelen, die Hilfesuche aussenden.
Dabei sind die Computereffekte auf einer enorm hohen Qualitätsebene anzuordnen, die denen eines zeitgenössischen Blockbusters in nichts nachstehen.
Selbst während des Showdowns, als sich Blitzkugeln und magische Strahlen die szenentechnische Klinke reichen, sind keine Abstriche zu machen.

Im Gesamtbild ergibt sich also unterhaltsame Fantasy, familientauglich für heranwachsende Jugendliche und Zuschauer, die dem typischen Harry Potter-Stoff etwas abgewinnen können.
Geister, die in Flaschen gefangen auf der Mönchsinsel auf Erlösung warten, die Seele eines Finsteren, der schon längst seinen Wirt gewechselt hat, die Zerstörung der magischen Wirkung eines Pentagramms, Flucht auf einem Traktor und eine Brücke der Seelen mit vielen Lichteffekten über den Wolken ergeben eine Melange, die zwar nicht sonderlich originell wirkt, auch keine Botschaft vermittelt oder sonst wie auf emotionale Tiefgänge abfährt, aber eben richtig ordentlich unterhält.
Sehr sauber produziert, flott umgesetzt und für eine kleine dänische Produktion verdammt aufwendig,
7,5 von 10

Details
Ähnliche Filme