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Jake Hoyt kommt endlich zu der Ehre, seinen ersten Tag bei der Drogenabteilung des L.A.P.D. zu erleben. Sein direkter Vorgesetzter Alonzo Harris erweist sich aber in seiner Vorgehensweise als eher unkonventionell. Trotzdem lässt sich Jake auf ihn ein und taucht immer tiefer in eine korrupte Welt ab, die er so nicht erwartet hätte.

Der Film behandelt gemäß dem Titel tatsächlich nur einen einzigen Tag, doch der Dramaturgie tut dies überhaut keinen Abruch. Anfangs erzählt der Film noch leicht dokumentarisch das soziale Gefüge, welches durch die beiden Hauptstützen Jake und Alonzo eine intensive Spannung aufbaut. Gerade der Kontrast zwischen den beiden Protagonisten ist es, was den Film so unterhaltsam macht. Jake, gespielt von Ethan Hawke, ist ein loyaler Polizist mit viel Moral und dem Herz am rechten Fleck. Alonzo, welcher widerum von Denzel Washington verkörpert wird, scheint hingegen durch die hohe Kriminalität schon bis zum Äußersten abgestumpft. Nach und nach stellt sich darüber hinaus auch noch heraus, dass Alonzo wohl noch viel schlimmer ist als die Verbrecher, die bekämpft werden sollen. Später ist er sogar der Antagonist. Der Film wird aber erst gegen Ende wirklich mitreißend spannend, was nicht wirklich schlimm ist, da so den Charakteren viel Zeit gelassen wird, sich dem Zuschauer begreifbar zu machen. Die Spannungskuvre zieht also erst etwas später an als in 08/15-Streifen. Langweilig ist der erste Teil des Films aber noch lange nicht, jedenfalls wenn man ihn zum ersten Mal schaut: Immer wieder wird Jake von irgendwas aus der Fassung des konventionellen Polizisten gerissen, ganz zu schweigen davon, dass er praktisch dazu gezwungen wird, Drogen zu konsumieren und sich Bier die Kehle hinunter zu schütten.

Andere Charaktere sind zugunsten der Protagonisten kurz gehalten, einzig die von Eva Mendez gespielte Unterhaltungsfrau von Alonzo kann sich etwas größer präsentieren. Sie hat sogar eine Nacktszene, was den Film selbstverständlich noch mal gehörig aufwertet! Jedenfalls ist die schauspielerische Leistung von beiden, sowohl Ethan Hawke als auch Denzel Washington, wirklich gut. Das liegt natürlich auch daran, dass sie toll ausgearbeitete Rollen spielen dürfen, aber sie strengen sich auch richtig an.

Der Stil des Films ist insgesamt sehr stimmig: Das Setting der kriminellen und gefährlichen Großstadt und der abgesteckte Zeitraum von einem Tag werden durch klassische Aufnahmen ohne großen Schnickschnack eingefangen. Der Schnitt ist fast immer sehr ruhig, erst am Ende wird er ganz kurz berechtigterweise etwas rasanter. Dazu gesellt sich ein passabel eingespielter aber perfekt passender Gangstersoundtrack von Szenegrößen wie Snoop Dogg oder Dr Dre, die beide im Film mitspielen. Man kann hier also quasi von einer Pseudoauthensität sprechen. In dieser Hinsicht ist der Film jedenfalls gut gelungen.

Alles in allem ist "Training Day" ein mehr als guter Film, der sich durch einen tadellosen Aufbau, zwei gut ausgearbeitete Charaktere und tolle Darsteller auszeichnet. Nur der ruhige, erste Teil des Films ist etwas lang geraten, was aber nicht ins Gewicht fällt.

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